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Kreis Freudenstadt "Wenn er Rückgrat hat, tritt er zurück"

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Ist der Abgang doch noch unausweichlich? Bundespräsident Christian Wulffs Verhalten weckt auch im Landkreis Freudenstadt Unverständnis. Foto: SB-Archiv

Kreis Freudenstadt - Umstrittener Hauskredit, Freundschaften zu Unternehmern und der kritische Umgang mit der Pressefreiheit: Auch im Kreis wird über Bundespräsident Christian Wulff und sein Verhalten diskutiert. Fast einhellige Meinung: Wulff hat viel Kredit verspielt.

Manfred Bok ist menschlich enttäuscht von Wulff. "Ich habe den Mann immer für gut befunden. Doch nach dem, was er mit der Presse gemacht hat, habe ich den Glauben an ihn verloren", sagt der Immobilienexperte und Vorsitzende des Horber Eigentümervereins Haus & Grund. Wulffs umstrittener Hauskauf allein ist für Bok eher kein Aufreger. "Es darf nicht verboten sein, Beziehungen zu haben. Aber dann stehe ich auch dazu." Der 70-Jährige sieht nun den Bundespräsidenten in der Pflicht, Konsequenzen zu ziehen: "Wenn er Rückgrat hat, was er bisher nicht hatte, dann tritt er zurück."

Auch Ralf Brändle, einer der beiden Geschäftsführer von BSB Wirtschafts- und Finanzberatung, in Horb-Nordstetten, sieht Wulffs Präsidentschaft vor dem Aus: "Ich glaube, dass er sich nicht halten kann." Als ehemaliger Banker sehe er die Vorgänge um Wulffs Hauskredit kritisch. Eine enge Verbindung zwischen Politik und Wirtschaft sei grundsätzlich nichts Verwerfliches. Doch man müsse sich genau überlegen, was moralisch vertretbar sei. "In der heutigen Medienwelt kommt alles zum Vorschein – ob beim großen Politiker oder beim Lokalpolitiker." Wulff sei absolut schlecht beraten gewesen, sagt der Wirtschafts- und Finanzberater.

"Bei diesem Thema bin ich ein bisschen gespalten", sagt Gisela Höpfer vom städtischen Büro für Bürgerengagement in Horb. Sie koordiniert das Bürgerprojekt "Horber Kulturbrücke" für Bürger, die sich mehr in der Stadt engagieren wollen. "Ich finde es schade, wenn der Bundespräsident aus dem Amt gedrängt wird, aber ich frage mich schon, wie Wulff in dieser Sache das Ruder herumreißen und sein Amt wieder in gute Bahnen lenken kann." Höpfer findet, dass die Kredit-Affäre Wulffs auf jeden Fall das Amt des Bundespräsidenten beschädigt. "Horst Köhler ist von sich aus gegangen. Wenn jetzt in gleicher Amtszeit noch einmal ein Bundespräsident gehen muss..." Zur Mailbox-Affäre Wulffs meint Höpfer: "Pressefreiheit ist eines der höchsten Güter. Da sollte er vorsichtig sein."

"Zumindest ein Körnchen Wahrheit dabei"

"Wenn es wahr ist, was man scheibchenweise über Wulff erfährt, macht mich das traurig", sagt Horbs evangelischer Pfarrer Alfred Weiß. "Und so wie es aussieht, ist wohl zumindest ein Körnchen Wahrheit dabei." Das Leben aus seinem christlichen Werteverständnis erfordere Ehrlichkeit und Selbstverantwortung, so Weiß. "Selbst als Landpfarrer kann ich nicht Amt und Person trennen. Wenn das politische Amt durch solche Vorwürfe in Frage gestellt wird, würde mich das erschüttern. Das würde bei mir ein frostiges Gefühl hinterlassen."

Der Freudenstädter HGV-Vorsitzende Johannes Ruoss ist hin- und hergerissen. Zwei Gesichtspunkte sind für ihn von Bedeutung. Zum einen bedauere er zu beobachten, wie die Macht der Medien einen Menschen, der regelrecht verfolgt werde, ans Ende seiner Kräfte bringen könne. Andererseits seien da der Kredit, den zu solchen Konditionen sonst niemand bekomme, und vor allem das versuchte Einwirken des Bundespräsidenten auf die Presse. Ein solches Vorgehen beschränke den Pluralismus und die Möglichkeiten, die man als Presse haben müsse. "Angesichts der Menge der Vorwürfe – wenn sie berechtigt sind – ist er eigentlich nicht mehr tragbar", so Ruoss.

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