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Kreis Freudenstadt "Weit weg von zweitem Corona-Lockdown"

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Die Zahl der Neuinfektionen im Kreis ist stabil. (Symbolfoto) Foto: Hoppe – stock.adobe.com

Kreis Freudenstadt - Trotz steigender Infektionszahlen durch Urlaubsheimkehrer bleibt die Corona-Lage im Kreis Freudenstadt derzeit ruhig. Das Landratsamt ist zuversichtlich, dass es keinen zweiten "Lockdown" gibt, wie der staatlich angeordnete Stillstand des öffentlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens neudeutsch heißt.

Im Kreis herrscht derzeit Pandemiestufe eins, die niedrigste von dreien, was heißt: "stabile Phase" und "weit weg von einem Lockdown". Dies erklärten Landrat Klaus Michael Rückert und Axel Schneider, Leiter des Gesundheitsamts, dem Kreistag am Montag. Dort zogen sie eine Bilanz nach einem halben Jahr seit Ausbruch der Krise. Die Botschaft: Alle Beteiligten hätten seither viel gelernt und jetzt das Wissen und die Mittel an der Hand, zielgerichteter reagieren zu können.

Neuinfektionen auf Reisen zurückzuführen

Die aktuelle Lage: Seit März gab es 662 nachgewiesene Infektionen im Kreis. Stand Dienstag waren es noch 16 akut infizierte Patienten, die sich in Quarantäne befanden. Zwar seien seit Ende der Reisebeschränkungen Mitte Juni die Infektzahlen wieder um 85 gestiegen. Aber das sei "nicht so heftig" wie ursprünglich befürchtet, so Schneider. Außerdem sei die Zahl der Kontaktpersonen von Infizierten um zwei Drittel gesunken und damit das Risiko der weiteren Verbreitung. Die meisten der jüngsten Fälle von Covid-19 seien auf Reisen zurückzuführen. Die Liste im Kreis wird angeführt von Rückkehrern aus den Ländern Kosovo (25), Kroatien (13) und der Türkei (neun). Todesfälle: 39 Menschen, bei denen Corona nachgewiesen wurde, sind gestorben. Laut Schneider hätten dabei spezielle Vorerkrankungen wohl weniger eine Rolle gespielt als das Alter, Grunderkrankungen, fehlender Impfschutz und die jeweilige Verfassung des Patienten. 75 Prozent der Todesfälle betrafen Menschen jenseits von 80 Jahren.

Die aktuelle Strategie: Behörden und Ärzteschaft setzen auf verstärkte Tests von Reiserückkehrern, Melde- und Quarantänepflicht von Rückkehrern aus Risikogebieten und Strafgebühren bei Verstößen gegen Verordnungen. Für Schulen und Kindergärten gelten Schutzverordnungen. Grippe-Impfungen sollen ausgebaut werden. Außerdem sollen die "Aha"-Regeln weiter proklamiert werden: Abstand, Hygiene und Alltagsmasken. Somit soll das Virus eingedämmt und "das Sozialleben stabilisiert" werden. Ziel sei es, Infizierte und Erkrankte so schnell wie möglich zu identifizieren und deren Kontaktpersonen zu ermitteln.

Praxen und Klinik: Im Landkreis sollen elf Corona-Schwerpunktpraxen gebildet werden. Das sei einfacher als wieder eine große zentrale Infektambulanz wie in der Riedsteighalle "hochzufahren", was mit viel Aufwand verbunden sei. Dies sei bei einem neuen Ausbruch von Covid-19 im großen Stil jedoch ebenso möglich. Die Zahl der Intensivbetten im Krankenhaus Freudenstadt sei ausreichend. Die zehn Regelbetten seien auf 20 aufgestockt worden, es gebe Kapazitäten für zehn weitere Betten. Im Augenblick gebe es keinen Corona-Patienten im Krankenhaus.

Altenheime: In der Hochphase der Pandemie waren 21 Einrichtungen im Kreis von Corona-Fällen betroffen, 20 Prozent aller Einrichtungen. Darunter befanden sich 14 Seniorenheime; fünf von ihnen waren besonders schwer betroffen. Teils waren auch Pflegekräfte erkrankt. Senioren hätten erklärt, sie wollten lieber sterben als noch einmal so lange Zeit von Familienbesuch abgeschottet zu sein. Laut Landratsamt gebe es mittlerweile sanftere Konzepte, um Heime gegen eingeschleppte Infekte zu schützen, etwa spezielle Besuchszimmer.

Schulen: Die Pandemie deckte Schwächen auf, auch an Schulen. Zwar läuft der Unterricht wieder unter Corona-Bedingungen. Derzeit seien Landkreis und Schulen dabei, 490 Tablets für Schüler zu beschaffen, die ansonsten keinen Zugang zu solchen Geräten hätten. Kreisrätin Zita Grießhaber (Grüne) berichtete von teils "vollgestopften Klassenzimmern", auch das sei trotz Abstandsgebot "Realität". Tische würden nach jedem Wechsel desinfiziert. Ob das nicht auch schädlich sei, wollte sie wissen. Gesundheitsamtsleiter Schneider erklärte, es sei weniger schädlich als unnötig: "Sich die Hände richtig zu waschen, bringt mehr, als Flächen zu putzen."

Soziale Aspekte: Laut Jugendamt seien trotz Corona Hausbesuche fortgeführt worden, wenngleich unter Hygienebedingungen. Es habe sich gelohnt. Es habe, entgegen der Befürchtungen, keinen "Zwischenfall" im Kinderschutz gegeben. Das Amt für Migration und Flüchtlinge vermeldete von Ängsten der Bewohner in Flüchtlingsunterkünfte. Es habe dort viel Aufklärungsarbeit, Verdachtsfälle und Tests gegeben, aber "nur wenige tatsächliche Infektionen". Laut Landrat hätten sich die Flüchtlinge "sehr, sehr kooperativ" verhalten.

Behörden und Ärzte: Stolz vermeldete der Landrat, das seine Behörde zu keinem Zeitpunkt geschlossen gewesen sei. 165 Mitarbeiter seien als Kontaktpersonen von Infizierten oder nach Aufenthalt in einem Risikogebiet teils von der Arbeit freigestellt gewesen. Sechs Beschäftigte hatten sich mit Corona angesteckt. Es seien Schichtbetriebe und Heimarbeit eingeführt worden, um den Betrieb aufrecht zu halten und gleichzeitig das Infektrisiko einzudämmen. Einige Ämter seien rund um die Uhr in Dienst oder Bereitschaft gewesen, überhaupt hätten große Teile der Verwaltung Enormes geleistet, um die Krise zu meistern, so Rückert. Sie, die Verwaltungen der Städte und Gemeinden und die Ärzteschaft im Kreis hätten "herausragende Arbeit" geleistet, wofür er sehr dankbar sei.

Die Kosten: Mittlerweile ist der Haushaltsplan des Kreises fast Makulatur, so Finanzdezernent Ulrich Bischoff. Einnahmen brachen ein, dazu kamen Mehrkosten, etwa für Schutzausrüstung. Anderseits gingen auch Ausgaben zurück, etwa für die Vergütung von Tageseltern und durch offene Stellen im Landratsamt, die nicht besetzt wurden. Ebenso fallen Zinsen für Darlehen weg, die nicht aufgenommen wurden. Laut Bischoff wurden quer durch die Ämter Ausgaben gedrosselt, Budgets gekürzt und Investitionen auf das Notwendigste zurück gefahren. Zwei Millionen Euro würden eingespart. Dennoch rechnet Bischoff mit einem Minus von einer Million Euro zum Jahresende. Gespannt ist der Landrat, ob die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg die 150 000 Euro bezahlt, die ihr der Kreis für die Fieberambulanz in Rechnung gestellt hat. Rückert sagt, er sei zuversichtlich. Eingegangen sei das Geld noch nicht. Die KVBW habe derzeit allerdings auch viele Anträge zu bearbeiten.

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