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Kreis Freudenstadt Tageseltern im Landkreis stark gefragt

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Susanne Münstermann legt Wert darauf, dass ihre Tageskinder viel an der frischen Luft sind. Foto: Reimer

Kreis Freudenstadt - Tageseltern sind gefragter denn je. Im Landkreis Freudenstadt wird daher dringend Nachwuchs benötigt. Doch wie sieht der Alltag einer Tagesmutter aus? Susanne Münstermann aus Glatten gewährt in unserem (SB+)-Artikel einen kleinen Einblick in ihren Alltag.

"Man muss ein Herz für Kinder haben. Das ist die erste Voraussetzung, wenn man Tagesmutter sein will", erklärt Susanne Münstermann. Sie sitzt neben den beiden zweijährigen Sascha und Theo, die auf einem Spielteppich mit Spielzeugautos die Straßen abfahren.

Die Auswahl für die zwei Jungs ist groß. In dem von ihr und ihrem Mann eigens für die Betreuung eingerichteten Raum finden sich neben kleinen Plastiktierchen und -autos auch eine Kinderküche mitsamt Spielzeuginventar sowie ein kleines Schaumstoffset zum Drüberkrabbeln und Runterrutschen. Ab und zu wird auch gemalt, wie die Bilder der kleinen Künstler, die an der Wand hängen, zeigen. Für Abwechslung ist somit gesorgt.

Pädagogische Ausbildung ist keine Voraussetzung

Münstermann betreut nur Kinder, die jünger als drei Jahre alt sind. U3-Kinder machen im Landkreis Freudenstadt etwa die Hälfte der von Tageseltern betreuten Kinder aus, erklärt Irina Novolodskih, Fachberaterin vom Tageselternverein Landkreis Freudenstadt. Es ist aber auch möglich, Kinder bis zum 14. Lebensjahr von Tageseltern betreuen zu lassen.

Münstermann arbeitet seit etwa zweieinhalb Jahren als Tagesmutter. Vorher war sie Betreuerin im Kindergarten. "Eine pädagogische Ausbildung ist aber keine Vorraussetzung", erklärt Novolodskih. Das Basiswissen wird in Qualifizierungskursen vermittelt. Nachwuchs wird im Landkreis Freudenstadt dringen benötigt. "Die Tageseltern bei uns sind meist voll ausgelastet", meint Novolodskih, "und es kommt vor, dass Schwangere bereits für ihr ungeborenes Kind nach einem Betreuungsplatz fragen."

Im Landkreis verteilen sich etwa 350 Kinder auf 90 Tageseltern. Die meisten von ihnen sind Frauen, nur einen Tagesvater gibt es derzeit im Kreis. Münstermann erklärt, dass Kinder bei ihr etwa anderthalb Jahre vorher zur Tagespflege angemeldet werden müssen. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. "Es ist ein gesellschaftlicher Wandel wahrnehmbar. Es wird erwartet, dass beide Eltern frühzeitig wieder ins Berufsleben zurückkehren", meint sie.

Fast immer geht es nach draußen

Ein kleines Spielzeugkrokodil sorgt bei Sascha und Theo für Ärger. "Beißt das Krokodil wieder? Dann müssen wir ein Gehege bauen", sagt Münstermann und schreitet mit den Jungs zur Tat. Nachdem das Tier gebändigt und in seinem Lego-Käfig untergebracht wurde, geht es kurze Zeit später nach draußen in Münstermanns Garten.

Sie gehe immer mit den Kindern raus, entweder in ihren gepachteten Garten oder in den naheliegenden Wald. "Wenn’s blitzt und donnert, bleiben wir auch mal drinnen", sagt Münstermann. Und das sei auch ein großer Vorteil an dieser Arbeit. "Man kann sich sein eigenes Konzept zusammenstellen. Man kann mit den Kindern rausgehen oder mit ihnen drinnen bleiben und musizieren, malen oder spielen", meint sie. Auch die Arbeitszeiten kann man selbst bestimmen. Sie bietet beispielweise die Betreuung vier Tage die Woche von 7 bis 14 Uhr an. So bleibe auch genug Zeit für die eigene Familie.

Neben Spiel und Spaß auch Förderung

Münstermanns Garten liegt einige hundert Meter von ihrem Haus entfernt. Sie nutzt die Gelegenheit, Sascha und Theo das sichere Überqueren der Straße beizubringen. Die Jungs bleiben brav auf dem Gehweg stehen und schauen erstmal, ob ein Auto kommt. Auch das gehört zu den Aufgaben einer Tagesmutter. Neben Spiel und Spaß müssen die Kinder in ihrer Entwicklung gefördert werden.

Auf dem Weg zum Garten wird Sascha von seinem Vater abgeholt. Er sträubt sich zunächst ein wenig. Widerwillig und mit trauriger Miene geht er dann doch. "Das passiert auch manchmal, dass die Kinder noch bleiben wollen", sagt Münstermann und lacht.

Den Garten hat Sie mit Hilfe ihres Mannes in einen kleinen Spielplatz umgewandelt. Rutsche, Klettergerüst, Sandksten und ausreichend Platz bieten den Kindern genug Möglichkeiten sich auszutoben. Theo hat diesmal Lust, im Sandkasten zu spielen. Während er mit Schaufel und Händen im Sand buddelt, "backt" Münstermann ihm einen kleinen Sandkuchen. Ein Sonnensegel spendet den beiden etwas Schatten und schützt sie vor der knallenden Mittagssone.

Geduld und gute Nerven - auch für die Eltern

Spieltplatz und Spielzimmer – das hat nicht jeder zu bieten. Das ist aber auch nicht zwingend notwendig. "Viele Tagesmütter betreuen die Kinder in ihrem eigenen Wohnzimmer. Das geht natürlich auch", sagt Münstermann. Viel wichtiger sei es, dass man neben einem Herz für Kinder, Geduld und gute Nerven – auch für die Eltern – mitbringt, sowie den Rückhalt der eigenen Familie hat. Die Arbeit als Tagesmutter oder -vater stelle schließlich das Haus auf den Kopf, meint sie.

Der nächste Qualifizierungskurs des Tageselternvereins Landkreis Freudenstadt soll im November beginnen. Dieser hat einen Umfang von 160 Stunden und erstreckt sich über einen Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr. Der Kurs qualifiziert Anwärter zur Kindertagespflege. Die Anmeldung ist bereits möglich.

Angehende Tageseltern sollten Interesse und Freude an Kindern haben sowie die Bereitschaft, sie bei ihrer Entwicklung zu begleiten, so der Tageselternverein. Die Tätigkeit sollte für einen möglichst mehrjährigen Zeitraum gewählt werden. Zur Erteilung der Pflegeerlaubnis sind ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitsnachweis erforderlich, ebenso ein Schul- oder Berufsabschluss.

Der Tageselternverein wurde 1996 in Horb gegründet. 2003 erweiterte er seinen Tätigkeitsbereich auf den gesamten Landkreis. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem die Vermittlung von Betreuungspersonen an Eltern, die Beratung von Eltern und Tageseltern sowie die Organisation von Qualifizierungs- und Fortbildungsmaßnahmen für Tageseltern in Zusammenarbeit mit dem Kindertagespflegedienst des Landkreises. Seit seiner Gründung hat der Verein mehr als 1 000 Kinder in Tagespflege vermittelt und über 500 Tageseltern für ihre Tätigkeit qualifiziert.

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