Hans-Joachim Fuchtel, Peter Rosenberger und Klaus Michael Rückert (von links) schauen sich an, wo die Hochbrücke einmal stehen soll. Foto: Ganswind

Bundesverkehrswegeplan: Projekte im Landkreis Freudenstadt und ihre Bewertung. Mit Glosse

Kreis Freudenstadt - Die Hochbrücke in Horb ist das dringlichste Projekt im Landkreis Freudenstadt, so haben es die Experten im Bundesverkehrsministerium bestimmt.

 

"Es ist eine tolle Nachricht für Horb", sagt der Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Fuchtel bei seinem Vor-Ort-Besuch. Der Bundesverkehrswegeplan wurde vergangenen Mittwoch ver-öffentlicht, und Fuchtel zeigte gestern gleich schon einmal Präsenz, um deutlich zu machen, wie sehr er für die gute Einordnung des Projekts gekämpft hat und auch weiter kämpfen will.

Einzig die Hochbrücke ist in den vordringlichen Bedarf aller Bundesfernstraßen im Landkreis eingestuft worden. Das heißt: Weil der Plan diesmal "nur im Zeitraum realisierbare Projekte" auflistet, haben alle anderen Landkreis-Projekte schlechte Chancen, vor dem Jahr 2030 gebaut zu werden. Landrat Klaus Michael Rückert bedauert das beim Vor-Ort-Termin, zeigt aber aufgrund des aktuellen Planungsstands bei den anderen Projekten im Kreis Verständnis: "Es geht auch künftig darum, alle Projekte nach vorne zu bringen und mit Nachdruck daran zu arbeiten."

Jetzt ist auch das Projektinformationssystem zum Bundesverkehrswegeplan online. Hier können die Daten für jedes einzelne Projekt abgerufen werden. Damit sich die Öffentlichkeit an der Bewertung beteiligen kann.

Und: Während Oberbürgermeister Peter Rosenberger hofft, dass man mit dem laufenden Planfeststellungsverfahren und dessen Abschluss noch in diesem Jahr fertig wird, um in die Finanzierung des ersten Fünf-Jahres-Plans zu kommen, kann es noch dauern, ehe der erste Spatenstich passiert.

Das Bundesverkehrs-Ministerium nennt für die Hochbrücke die "Dauer der noch ausstehenden Planungen". Dort steht: 96 Monate. Oder umgerechnet acht Jahre. Dann wäre man im Jahr 2024. Und Referatsleiter Axel Speer vom Regierungspräsidium Karlsruhe hatte schon im vergangenen Jahr auf der Info-Veranstaltung in Horb gesagt, dass er als Bauzeit für die Hochbrücke mit 60 Monaten rechnet. Das heißt: Frühestens im Jahr 2029 könnte die Hochbrücke Horb stehen. Das wäre genau ein Jahr vor dem Ablauf des Bundesverkehrswegeplans.

Und wie sieht es bei den anderen Projekten im Kreis aus? Sowohl der Freudenstädter Tunnel Richtung Baiersbronn, der Tunnel nach Kniebis, die Ortsdurchfahrt Loßburg und die Ortsumfahrung Horb am Rauhen Stich sind lediglich als "weiterer Bedarf (beim Tunnel Richtung Baiersbronn mit Planungsrecht" eingestuft worden. Damit wären sie ab dem Jahr 2030 dran. 

Der Schwarzwälder Bote analysiert die gestern veröffentlichen Detail-Bewertung des Bundesverkehrsministeriums:

Hochbrücke Horb. In der Kosten-Nutzen-Analyse wird der Barwert des Nutzens der Hochbrücke Horb mit 123 Millionen Euro beziffert. Dafür müssten 43 Millionen Euro investiert werden. Das macht ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 2,9. Doch worin liegt der Nutzen? Mehr Verkehrssicherheit. Das wird mit 37 Millionen Euro über die geplante Lebensdauer der Brücke mit 44 Jahren bewertet.  Schnellere Fahrzeit zwischen Horb-Nordstetten und Hohenberg und damit zum dahinter liegenden Teil des Landkreis Freudenstadt: 62,3 Millionen Euro. Statt wie bisher mindestens zehn Minuten dürfte man über die Brücke maximal drei Minuten brauchen.   Hochbrücke macht Horb leiser. Dieser Effekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit 5,5 Millionen Euro berechnet. 887 Einwohner sind stärker von Straßenlärm betroffen, 1802 Einwohner werden durch die Hochbrücke entlastet.   Laut Projektinformationssystem zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans sorgt die Hochbrücke für mehr Abgase. Dieser Effekt schlägt in der Endabrechnung mit rund 3,8 Millionen Euro Minus zu Buche.   Unter dem Strich bringt die Hochbrücke Horb trotzdem also jede Menge Nutzen. Und: Mit 96 Monaten als "Dauer der noch ausstehenden Planungen" ist sie das am schnellsten umsetzbare Projekt. 

Die Ortsumfahrung Horb im Rauhen Stich. Sie ist "nur" im weiteren Bedarf eingestuft worden. Das heißt: Kaum Chancen, vor dem Jahr 2030 gebaut zu werden.

Mit bisher kalkulierten 19 Millionen Euro Investitionskosten ist sie allerdings die günstigste Maßnahme im Landkreis. Hier wird ein Barwert an Nutzen in Höhe von 37,6 Millionen Euro angesetzt – der Kosten-Nutzen-Faktor liegt bei 2,0. Am meisten bringt diese Umfahrung bei der  Verkehrssicherheit: 17,4 Millionen Euro. Der Nutzen durch kürzere Fahrzeiten wird auf 11,2 Millionen Euro geschätzt. Vorteil hier bei der Finanzierung laut Fuchtel: Der Bahnübergang Seewald kann teilweise aus anderen Töpfen bezahlt werden. So ist die Bahn verpflichtet, ein Drittel zu zahlen, dazu gibt es noch einen Sondertopf vom Bund mit ebenfalls einem Drittel. Bleibt ein Drittel übrig.

Der Tunnel in Freudenstadt Richtung Baiersbronn. Er ist nicht als vordringlich eingeschätzt worden. Das heißt: Es gibt kaum Chancen, dass er vor dem Jahr 2030 gebaut zu werden.

In der Kosten-Nutzen-Analyse wird hier ein Barwert des Nutzens in Höhe von knapp 158 Millionen Euro geschätzt. Die Investitionskosten werden mit 71,5 Millionen Euro angesetzt. Macht ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 2,2.

Die schnellere Fahrzeit ist hier mit knapp 77 Millionen Euro der höchste angesetzte Nutzen. Während innerorts der Tunnel Freudenstadt leiser macht (drei Millionen Euro Nutzen), rechnen die Experten außerorts mit mehr Lärm. Deshalb steht hier beim Nutzen ein Minus von knapp 1,8 Millionen Euro. Die Abgasbelastung sinkt leicht, sodass hier über die 50 Jahre Betriebszeit ein Nutzen von knapp zwei Millionen Euro bleibt. Das Mehr an Verkehrssicherheit wird hier mit 19,4 Millionen Euro angesetzt. 

Die Dauer der noch anstehenden Planungen schätzt das Bundesverkehrsministerium mit 138 Monaten ein – das sind elfeinhalb Jahre.

Der Freudenstädter Tunnel B 28 Richtung Kniebis. Hier liegt die Kosten-Nutzenbewertung beim Faktor 2,3. Als Investitionskosten werden hier 54,2 Millionen Euro angesetzt, als Nutzen 124 Millionen Euro. 

Das schnellere Fahren wird als Barwert mit 66,3 Millonen Euro angesetzt. Die Geräuschbelastung ist innerorts eher gering mit einem Nutzen von 607 000 Euro über die 49 Jahre, die der Tunnel halten soll. Bei der Abgasbelastung bleibt hier ein leichtes Plus über die ganzen Jahre von 123 000 Euro. Die bessere Verkehrssicherheit soll elf Millionen Euro bringen. Die Dauer der noch anstehenden Planungen schätzt das Bundesverkehrsministerium auf 138 Monaten ein

Die Ortsumfahrung Loßburg. Sie ist vom Bundesverkehrsministerium lediglich in den weiteren Bedarf eingestuft worden: Kosten-Nutzen-Verhältnis von 3,1. Den Investitionskosten von 38,9 Millionen Euro steht ein "Barwert des Nutzens" in Höhe von 120 Millionen Euro gegenüber. Hier kann das Projekt unter anderem mit schnelleren Fahrzeiten (60,6 Millionen Euro), Verringerung des Lärms (1,9 Millionen Euro) und weniger Abgasen (1,7 Millionen Euro) punkten. Die Dauer der noch anstehenden Planungen wird mit 114 Monaten eingeschätzt.

(Quelle: PRINS, Bundesverkehrsministerium)

Glosse: Ich bin dein Vater

Von Florian Ganswind

Rauschbart-Parkplatz Horb. Kurz nach 9 Uhr. Ein schwarzes Gefährt schwebt ein. Die dunkle (christdemokratische) Macht steigt aus. Es ist Hans-Joachim Fuchtel, der Darth Vader vom Neckartal. Er schreitet langsam zu den anderen »Schwarzen« Rosenberger und Rückert. Der Blick schweift Richtung Tal, hier soll einmal die Hochbrücke sein. »Ich bin dein Vater« möchte er am liebsten ganz laut rufen – so dass es durch die ganze Stadt hallt. »Ich bin Dein Vater...Dein Vater...Vater...!« Seit Jahren kümmert sich Darth Fuchtel um dieses Kind. Mühsam wurde es von ihm aufgepäppelt. Doch wer ist der leibliche Vater? Darth Fuchtel oder die gelbe Macht Theurer? Die Frage tut ihm weh. Am liebsten möchte er sein Laserschwert zücken. Doch leise bekennt er: Der Theurer ist es. Die Vaterschaft des Kindes ist mit einem riesigen Fischertechnik-Modell in Berlin bezeugt.

Da ist plötzlich von ganz oben eine Stimme zu hören: »Hochbrücke! Ich bin dein Vater.« Darth Fuchtel schaut ehrfürchtig nach oben. »Da war ein kleiner Mann, der hat die Idee als erster gehabt«, erinnert er sich. Klaus-Hermann Ruhland. Im Alter von 96 Jahren ist er im vergangenen Jahr gestorben. Der wahre Vater der Hochbrücke!