Wie früher: Schwarzwälder-Pferde schleiften die Bäume weg. Bei den freiwilligen Helfern der Schliffkopf-Aktion am Samstag war die Stimmung gut. Foto: Wolf

Kaltblüter helfen in brütender Hitze. Bunte Mischung aus Freiwilligen beteiligt sich wieder.

Kreis Freudenstadt - Tierische Hilfe zum Jubiläum: Zum 50. Mal fand am Samstag die Schliffkopf-Aktion statt. Unter der Leitung der Nationalparkverwaltung arbeiteten rund 70 Freiwillige gemeinsam daran, die Grinden freizuhalten. Erstmals waren zwei Pferde im Einsatz – Schwarzwälder, wie es sich gehört.

Im vorigen Jahr musste die Pflegeaktion auf dem Schliffkopf aufgrund von Regen verschoben werden, diesmal war das Wetter beinahe etwas zu warm. Davon ließen sich die Freiwilligen jedoch nicht abhalten.

Ausgerüstet mit Sägen, Astscheren und Motorsägen, versammelten sie sich zahlreich am Steinmäuerle-Parkplatz, um bei der Aktion mitzuhelfen. Die Gruppe war eine bunte Mischung aus Schwaben und Badenern, Kindern und Erwachsenen, Männern und Frauen. Viele kannten sich bereits von den vorherigen Aktionen, manche waren bereits bei der ersten Schliffkopf-Aktion 1966 dabei. Es gab jedoch auch neue Gesichter.

Flüchtlinge packen kräftig mit an

Zum ersten Mal befand sich eine Gruppe von Flüchtlingen unter den Freiwilligen. Für sie war es eine Möglichkeit, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und den Schwarzwald kennenzulernen. Einen großen Anteil der Helfer stellten Vereine wie die Kappelrodecker Waldjungen, der Schwarzwaldverein oder die Bergwacht. So unterschiedlich die Freiwilligen in Herkunft und Alter waren, sie alle verband die Liebe zur Natur und die Freude an der Arbeit unter freiem Himmel. "Der Spaß und das Miteinander stehen im Mittelpunkt", so Wolfgang Schlund, Leiter der Aktion.

Dabei ist es alles andere als eine leichte Arbeit: Fichten sind die Hauptursache für das Zuwachsen der Grinden. Sie vermehren sich auf dem Schliffkopf wie Unkraut und bewuchern die freien Flächen. Die Bäume müssen gefällt, zersägt und an zentralen Orten gesammelt werden. Die Pferde ziehen die Stämme dann an die nahe Schwarzwaldhochstraße, von wo sie ein Lastwagen abtransportiert. "Die Pferde sind zum ersten Mal dabei und wirklich eine große Hilfe", betonte Schlund. Die Vierbeiner stammen von einem Gestüt nahe Heilbronn. Die Schwarzwälder Kaltblüter sind speziell für die Waldarbeit ausgebildet. Ronnie Fleischer, der Leiter des Gestüts, stellte sie der Aktion kostenlos zur Verfügung.

Im Gebiet der Schwabenspitze wurde bereits im vorigen Jahr bei der Schliffkopfaktion gearbeitet. Die freiwilligen Helfer konnten die getane Arbeit erkennen und daran anknüpfen. Schnell zeigte sich die Notwendigkeit der Aktion: Ohne sie würden die waldfreien Bergheiden zuwachsen und viele Tiere, dazu gehören die Kreuzotter oder das Auerhuhn, damit ihren Lebensraum verlieren. Wegen der großen Artenvielfalt und der besonderen Landschaft gehören die Grinden zu den Pflegeflächen dass Nationalparks Nordschwarzwald. Das bedeutet, dass sie, trotz Nationalpark-Status, von den Menschen gepflegt werden dürfen. "Über das Jahr werden große Flächen der Grinden beweidet. Das ist sozusagen eine ganzjährige Schliffkopf-Aktion", erzählte Aktionsleiter Schlund. "Auch die Fläche, die wir heute säubern, wird im nächsten Jahr beweidet werden. So arbeiten wir Hand in Hand, um die Grinden zu erhalten."

Hand in Hand arbeiteten auch die Freiwilligen: In verschiedenen Gruppen verteilten sie sich auf dem Gelände. Während sich die Älteren um die größeren Bäume kümmerten, waren die Kinder und Jugendlichen für das Herausreißen der kleinen Fichten zuständig. So konnte sich jeder nach seinen Möglichkeiten in einbringen. Trotz der Anstrengung wurde gescherzt und gelacht.

Die Helfer unterstützten einander und halfen sich gegenseitig. Auch die Flüchtlinge wurden gut aufgenommen und hatten sichtlich ihren Spaß bei der Arbeit.

Die Bergwacht versorgte die fleißigen Arbeiter mit Wasser. Nach zwei Stunden beendete Schlund die Aktion. Grund dafür war vor allem die Hitze, die das Arbeiten erschwerte. Der Aktionsleiter zeigte sich sichtlich zufrieden: Eine weitere Grindenfläche wurde von Fichten befreit und so für die Beweidung mit Rindern oder Schafen zugänglich gemacht. Bei einem gemütlichen Vesper klang die Aktion aus.

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