Die neue Landtagskandidatin der CDU: Die Baiersbronnerin Katrin Schindele freut sich über den Wahlsieg in Empfingen. Foto: Lück

Baiersbronnerin erhält 64 Prozent der Stimmen. Juliane Vees zur Ersatzkandidatin gewählt.

Kreis Freudenstadt - Kurz nach 21 Uhr. Versammlungsleiter Peter Hauk verliest in der Tälesee-Halle das Wahlergebnis: 157 Stimmen für Katrin Schindele – 64,1 Prozent. Die Siegerin hebt die Arme mit geballten Fäusten. Dreht sich erst zu den Mitgliedern, dann zur Bühne. Die Lippen verkniffen, der Blick kämpferisch. So als will sie sagen: Ich muss und werde jetzt liefern!

Es war eine mit Spannung erwartete Wahl der CDU-Mitglieder: Wer zieht für den Baiersbronner Norbert Beck als Kandidat in den Landtag? Setzt sich die Kandidatin aus dem mitgliederstärksten Ortsverband Baiersbronn durch? Oder hat Gerhard Fassnacht aus Horb-Altheim eine Chance?

Fakt ist: Selten wurde schon vor der Wahl des Bewerbers so viel Wahlkampf gemacht. Fassnacht setzte auf Treffen mit DeHoGa-Präsident Fritz Engelhard, der Kreishandwerkskammer und mit Landwirten aus der Region.

Schindele setzt auf die Basis

Schindele dagegen setzte vor allem auf die Basis. War unter anderem bei der Senioren-Union in Horb-Altheim. Und holte sich Juliane Vees, bekannte Landfrau aus Weitingen, als Zweitkandidatin zu sich ins Boot. Schlecht für Fassnacht, der Vees Bündnis mit Schindele schon als Schlag gegen ihn gesehen hatte.

Freudenstadts OB Julian Osswald sagt, warum auch er auf Katrin Schindele gesetzt hat: "Es geht bei der nächsten Wahl darum, ein Zeichen für die Zukunft zu setzen. Dabei setzen wir mit Schindele auf eine junge, weibliche Kandidatin."

Fassnacht dagegen, so CDU-Mitglieder, stellte sich als konservativer, bodenständiger Kerl hin. Eher ein Angebot, mit dem man möglicherweise auch wertkonservative Wähler der AfD abspenstig machen könnte.

Fakt ist: Norbert Beck holte bei der letzten Landtagswahl 2016 30,3 Prozent (AfD: 17,6 Prozent). Fünf Jahre vorher waren es noch 45,8 Prozent für Beck bei den Erststimmen.

Heißt: An den neuen Landtagskandidaten werden hohe Ansprüche gestellt. Das erklärt auch das angespannte, kämpferische Gesicht der Siegerin.

Katrin Schindele. Sie präsentierte sich am vergangenen Freitag als erste vor 249 stimmberechtigten Mitgliedern in der Tälesee-Halle. Bei ihrer Rede, ihrem Auftritt – man merkt ihr die 32 Jahre an. Kein Polit-Profi. Will aber alles geben. Schindele: "Viele, die heute hier in der Halle sitzen, haben das Feuer in mir entfacht und dafür gesorgt, dass ich für die politische Arbeit brenne." Lobt die Basis der Volkspartei CDU. Erwähnt ihr Engagement für die Gastronomie. Schindele: "Nicht mal Winfried Kretschmann ist auf die Lage der Branche eingegangen. Ich konnte Thomas Bareis, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, als auch Guido Wolf, Tourismusminister vom Land, für mehrere Videokonferenzen gewinnen. Die Gastronomen waren extrem dankbar für das Angebot – sie konnten ihre Nöte weitergeben und wir haben konkrete Erfolge erzielt: zum Beispiel durften die Hotels ihre Wellnessbereiche öffnen."

Schlechtes Ergebnis in Baiersbronn

In der Fragerunde wird Schindele mit ihrem schlechten Kommunalwahlergebnis in Baiersbronn konfrontiert. Hier landete sie mit 1572 Stimmen auf dem 15. Platz für die CDU. Schindele kontert: "Ich war sehr aktiv im Wahlkampf. Ich werde die nächsten Monate richtig rangehen und habe viele Ideen." Der nächste Frager will wissen, ob Schindele weiß, wie Kommunalverwaltung funktioniert. Schindele: "Ja. Das weiß ich. Nicht nur, weil im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Oberbürgermeister neben mir sitzen: Peter Rosenberger und Julian Osswald."

Dann tritt Gerhard Fassnacht ans Rednerpult. Er stellt sich als Unternehmer, Landwirt und Kommunalpolitiker vor. Betont, dass er Vorstandsmitglied des Naturparks Nordschwarzwald ist und deshalb die Probleme im Landkreis kennt. Fassnacht: "Verantwortung ist für mich kein Fremdwort. Mit 19 Jahren habe ich den elterlichen Betrieb übernommen. Meine Frau hält die Fäden zusammen."

Er erwähnt seine Biogas-Anlage, die 160 000 Liter Heizöl jährlich spart. Fassnacht: "Das ist echter Klimaschutz, von dem die Grünen nur reden." Applaus. Fassnacht: "Familienbewusst, bodenständig, pragmatisch. Das bin ich. Klare Kante gegen Grün und Verbotspolitik. Wenn wir mit der CDU weiterhin erfolgreich sein wollen, brauchen wir Pragmatiker aus dem Leben, um bei der Bevölkerung wieder zu punkten."

Diana Hübel (CDU) will wissen, was Fassnacht als erstes machen will, falls er in den Landtag kommt. Fassnacht: "Ich würde den CDU-Verkehrsminister zum Vesper einladen und ihm deutlich machen, dass wir neben der Hochbrücke auf den Lückenschluss Hohenberg und Rauher Stich benötigen."

Als letzter Redner ist Johannes Kettenhofen dran. Die Kandidatur des Vorsitzenden des CDU-Stadtverbands Horb war schon – bevor Fassnacht seinen Hut in den Ring geworfen hatte – im Ostkreis als chancenlos gesehen worden. Kritik: Er sei ein Parteisoldat.

Darauf ging Kettenhofen in seiner Rede auch ein: "Ich weiß nicht, was daran schlecht sein soll, wenn man auch mit Plakate kleben und Haustürbesuchen für seine Partei kämpft." Seine Rede – sie hatte am meisten Landtags-Niveau. Kettenhofen: "Unsere Wähler erwarten eine standhafte Abgrenzung von den Grünen. Die CDU muss der Schlagbaum sein, der 2021 den Marsch der Grünen durch die Institutionen beendet."

30,6 Prozent für Fassnacht

Zur Diskussion über die Randale in Stuttgart sagt Kettenhofen: "Innere Sicherheit wird nicht von Sozialpädagogen geleistet, sondern von Polizisten und Staatsanwälten. Es darf auch keine Vermögensverschiebung nach Südeuropa geben!" Zum Schluss empfiehlt er sich: "Ich bin Netzwerker und Menschenfänger. Ich werde jungen leistungsfähigen Menschen klar machen, welche Wertschätzung fleißige Menschen wirklich verdient haben. Nur mit einem Politiker wie mir mit CDU-DNA wird die Erfolgsgeschichte der CDU Freudenstadt weitergeschrieben!"

Dann füllen die Mitglieder die hellblauen Stimmzettel aus. Ergebnis: Fassnacht bekommt 75 Stimmen und 30,6 Prozent. Für Kettenhofen stimmen 13 Mitglieder – er bekommt 5,3 Prozent.

Was sagen die Verlierer? Fassnacht wollte nach Carmina Brenner zweiter Landtagsabgeordneter aus Horb-Altheim werden. Er sagt: "Carmina ist damals gegen einen Freudenstädter angetreten. Gegen einen Baiersbronner hast du keine Chance." Weil die CDU dort die meisten Mitglieder hat. Kettenhofen: "Ich bin froh, dass ich es über die fünf Prozent geschafft habe. Ich werde weiter meiner Partei dienen."

Was sagen die CDU-Mitglieder des Ostkreises, dass es der Westkreis wieder geschafft hat, nach Norbert Beck mit Schindele den nächsten Landtagskandidaten durchzusetzen? Michael Laschinger (Bildechingen): "Ich bin sicher, dass bei Katrin Schindele die Ost-West Diskussion keine Rolle mehr spielen wird – das liegt den jungen Leuten nicht. Sie wird deshalb Unterstützung aus Horb bekommen."

Armin Jöchle (Eutingen): "Das ist eine gute Perspektive für die Zukunft. Frauen können auch ohne Quote, wenn sie gut sind." Michael Keßler, CDU-Fraktionschef von Horb: "Der Ausgang im ersten Wahlgang zeigt, dass auch nur ein Horber Kandidat keine Chancen gehabt hätte."

Kleines Trostpflaster für den Ostkreis: Juliane Vees aus Weitingen holte bei der Wahl zum Ersatzkandidaten und damit Nachrücker für Schindele sogar 152 Stimmen und damit 74,1 Prozent!

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