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Kreis Freudenstadt Notärzte: Privatabholung in Horb gängige Praxis

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Die Privat-Abholung von Notärzten ist im Raum Horb offenbar gängige Praxis. (Symbolfoto) Foto: Seeger

Kreis Freudenstadt/Horb - Bei einem medizinischen Notfall zählt jede Minute. Darauf hoffen die Patienten, und damit rechnen sie auch. Doch wie verlässlich und wie schnell treffen Rettungskräfte und Notärzte am Einsatzort ein?

Vor Kurzem hat der Schwarzwälder Bote über die prekäre Situation im Landkreis Rottweil berichtet: Dort werden Notärzte regelmäßig von zu Hause abegeholt - und das sorgt für Verzögerungen. Nun sagt ein Insider, der anonym bleiben möchte, dass auch im Landkreis Freudenstadt, etwa am Standort Horb, eine ähnliche Situation herrscht. "Ich kenne die Situation in Rottweil nicht, aber ich bin mir sicher, dass die Zustände in Horb krasser sind."

Laut seinen Schilderungen ist die Privatabholung von Notärzten im Landkreis Freudenstadt eine gängige Praxis. "Es ist tatsächlich eine untragbare Situation." In Horb gebe es einen Arzt, der einige Kilometer von der Rettungswache entfernt wohnt. Bei der Alarmierung fahre der Einsatzwagen dann die halbe Strecke - und der Arzt in seinem Privatwagen die andere Hälfte entgegen, schildert der Insider. Diese Praxis sei seiner Meinung nach fahrlässig und unverantwortlich. Und sie koste Zeit. Er ist überzeugt: Die Notfallversorgung könnte wesentlich verbessert werden, wenn die Ärzte ihren Dienst auf der Wache verrichten würden.

Thema wird klein gehalten

Doch warum wird es seit Jahren anders geregelt? "Man hat das schon immer so gemacht. Das ändert sich nicht so schnell", erklärt der Insider. Und: "Die Verantwortlichen haben Angst, die Ärzte mit ihren Forderungen zu verlieren."

Kritik oder gar offene Proteste gebe es kaum. Und auch im Bereichsausschuss für den Rettungsdienst, der eine Art Kontrollgremium ist, werde das Thema klein gehalten. Die Bürger hätten gar keine Möglichkeit, etwas zu bewegen, denn der Bereichsausschuss tage hinter verschlossenen Türen. Vielen Bürgern sei die Problematik gar nicht bewusst.

Gibt es für diese Situation eine Lösung? Und sehen die Verantwortlichen überhaupt Änderungsbedarf? Sabine Eisele, Pressesprecherin des Landratsamts in Freudenstadt, nimmt im Namen des Bereichsausschusses Stellung, dem unter anderem auch das DRK, die Ärzteschaft und die gesetzlichen Krankenkassen angehören. Sie räumt ein, dass sich am Standort Horb ein Notarzt - wie vom Insider geschildert - regelmäßig abholen lasse, allerdings nicht zu Hause, sondern an einem definierten Treffpunkt, der sich 3,6 Kilometer von der Rettungswache befinde. Im ersten Halbjahr 2019 war dies offenbar 164 Mal der Fall - von insgesamt 595 Einsätzen am Notarztstandort Horb. Das entspricht 27,56 Prozent.

Toleriert wird diese Praxis vom Landratsamt als Aufsichtsbehörde deshalb, "da aufgrund des Ärztemangels eine adäquate Besetzung des Standorts Horb ansonsten nicht möglich gewesen wäre", erklärt die Pressesprecherin.

"Zahlen retten keine Leben"

Zum Thema Verzögerungen bei Einsätzen heißt es vom Landratsamt: "Ob und vor allem wie oft und in welchem Ausmaß es durch diesen Umstand zu zeitlichen Verzögerungen kommt, kann hiermit nicht beurteilt werden."

Eisele nennt zwei Beispiele: "Bei einem Teil der Einsatzorte kommt es zu keiner Verzögerung, da sich der Treffpunkt sowieso an der Fahrstrecke zum Einsatzort befindet. Und wenn es sich um einen Folgeeinsatz handelt und sich das Einsatzfahrzeug zum Beispiel auf der Rückfahrt von einer Zielklinik befindet, kommt es zu keiner Verzögerung durch die Abholung am Treffpunkt, da sich beide Besatzungsmitglieder bereits im Fahrzeug befinden." Sie betont, dass "nicht jede zeitliche Verzögerung durch die Abholung am Treffpunkt automatisch eine Hilfsfristüberschreitung darstellt".

Dass solch eine Regelung wie in Horb alles andere als optimal ist, zeigt auch der Blick in den Bericht der Stelle zur trägerübergreifenden Qualitätssicherung im Rettungsdienst Baden-Württemberg (SQR-BW) für das Jahr 2018. Bei der Ausrückzeit notarztbesetzter Rettungsmittel - also der Zeit von der Alarmierung bis zum Ausrücken - ist der Landkreis Freudenstadt in ganz Baden-Württemberg der drittschlechteste. Deutlich mehr als fünf Minuten brauchen hier die Rettungswagen, bis sie mit dem Notarzt ausrücken, während der Durchschnittswert 4,26 Minuten beträgt. Nur die Landkreise Biberach und Rastatt stehen noch schlechter da.

Im Landratsamt beschäftige man sich laufend mit der Verbesserung des Rettungsdiensts, versichert Eisele. "Aktuell hat der Bereichsausschuss ein Gutachten in Auftrag gegeben, das Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen soll."

Unser Informant hat dazu eine klare Position: "Die Behörde beruft sich auf nichtssagende Zahlen. Aber Zahlen retten keine Leben." Er macht klar: "Krankenhäuser haben die Pflicht, Notärzte zu stellen. Wenn die Ärzte nicht bereit sind, ihren Dienst auf der Wache zu verrichten, muss man auf Dienstleister zurückgreifen und teures Personal einkaufen."

Ob es im Landkreis Freudenstadt so weit kommt, wird die Zeit zeigen - und das Gutachten zu Verbesserungsmöglichkeiten im Rettungsdienst.

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