Das Team des Nationalparks mit Minister Alexander Bonde (Mitte) und den Schildern, die als Markenzeichen dienen sollen. Foto: Ministerium

Gemeinden und Kreise wollen an einem Strang ziehen. Minister Bonde informiert mit Faltblatt über nächste geplante Schritte.

Kreis Freudenstadt - Eine Spur wilder will sich die Region mit dem neuen Nationalpark Schwarzwald präsentieren und vielleicht auch eine Spur geschlossener. Denn das Naturschutzprojekt könnte Grundlage für neue interkommunale Projekte werden.

Das Nationalparkschild ist bereits da – das Wir-Gefühl kommt noch, da sind sich Bürgermeister Michael Ruf und Tourismusdirektor Patrick Schreib aus Baiersbronn sicher. "Wir haben einen guten und jetzt schon intensiveren Austausch als zuvor", beschreibt Ruf den Kontakt der frisch gebackenen Nationalparkgemeinden untereinender. Am 23. Januar werden sich deren Vertreter zur konstituierenden Sitzung im Nationalpark-Rat treffen, dann soll zusammenwachsen, was nun zusammen gehört.

Wer den Vorsitz des Gremiums übernehmen wird, ist zwar noch offen, als sicher gilt jedoch, dass sich die kommunalen Vertreter im Vorfeld der Wahl über einen gemeinsamen Kandidaten verständigen werden. "Die Stimmung ist konstruktiv", so Ruf. Wer letztlich das Gremium führt, ist für Schreib und Ruf auch nicht entscheidend, wichtiger ist ihnen die Zusammenarbeit im künftigen Nationalparkrat und das Überwinden kommunalpolitischer Grenzen. Schließlich erstreckt sich die neue Nationalparkregion über drei Landkreise, drei Regionalverbände und sieben Kommunen hinweg. »Die Region kann sich durch dieses gemeinsame Projekt jetzt finden und definieren«, meint Schreib, der Nationalpark könnte so etwas wie eine neue Identifikationseinheit schaffen.

Anknüpfungspunkte gibt es genug: zum Beispiel ein gemeinsames Verkehrskonzept für die Nationalparkregion. Dafür wird mit dem Verkehrsministerium in Stuttgart gerade eine Vorstudie erarbeitet. "Wenn es uns gelingt, den öffentlichen Personennahverkehr über die Kreisgrenzen hinweg gemeinsam zu organisieren, werden alle davon profitieren", meint Schreib.

Dass die Nationalparkgemeinden jetzt an einem Strang ziehen und sich mit Eigeninitiative in das Projekt einbringen, davon sind Schreib und Ruf überzeugt: "Wir haben jetzt die Chance, was Innovatives zu entwickeln", meint der Tourismusdirektor, und der Nordschwarzwald mit seinen vielen Patenten und Weltmarktführern stehe schließlich für Innovationen. Der Nationalpark verschaffe der Region jetzt mehr Aufmerksamkeit, die sich in touristische Wertschöpfung umwandeln lasse und so einen Mehrwert für die Region bringen kann, so Schreib: "Wir haben mit Sterneküche, Natur und Kultur im Nordschwarzwald schließlich viel zu bieten."

Einen großen Vorteil für den Start sieht Ruf in der Nationalparkleitung. Mit Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl gehen schließlich keine Neulinge ans Werk, und die Zusammenarbeit zwischen Naturschutzzentrum und Gemeinde sei stets gut gewesen: "Die Abtastphase entfällt und wir können direkt loslegen", so Ruf.

Wie der Nationalpark Schwarzwald startet, beobachten derzeit vor allem die Gegner des Projekts genau. Unter dem Namen "Nationalparkwatch" haben sie im Internet eine Bürger-Community gegründet, die mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen von der Stunde Null an aufzeigen will, dass der Nationalpark eine "Seifenblase" ist. Grün-Rot, so die Forderung der Gegner, sei jetzt in der Pflicht "zu liefern". Was er vorerst liefern wird, kündigte Naturschutzminister Alexander Bonde den Bürgern der Nationalparkregion gestern bereits an. In einer Postwurfsendung an sämtliche Haushalte, die in Baden-Baden, Baiersbronn, Bühl, Forbach, Oppenau, Ottenhöfen und Seebach zugestellt wurde, lädt Bonde die Bürger zur Mitarbeit ein – "egal wie Sie zur Einrichtung des Nationalparks stehen". Der Beteiligungsprozess sei nicht zu Ende. Auch in den kommenden Jahren hätten die Bürger vor Ort Möglichkeiten, mitzureden und mitzugestalten. Dies geschehe unter anderem über Arbeitsgruppen und Beteiligungsveranstaltungen.

In dem Brief und dem beiligenden Faltblatt informiert der Minister unter anderem über die nächsten geplanten Schritte. Zunächst würden die Mitarbeiter dafür Sorge tragen, dass benachbarte Wirtschaftswälder nicht von negativen Auswirkungen betroffen werden, versichert Bonde. "Mit dem sorgfältigen Borkenkäfermanagement starten sie deswegen sofort." Eigens dafür ausgebildetes Forstpersonal kümmere sich um die intensive Kontrolle der Fichtenbestände. Zudem werde in den nächsten Monaten und Jahren gemeinsam mit Experten ein wissenschaftlich fundiertes Jagd- und Managementkonzept und gemeinsam mit der Region der Nationalpark-Plan erarbeitet, der die Flächenaufteilung und -behandlung im Park regelt und vom Nationalpark-Rat verabschiedet wird. Bereits eingerichtet ist der Internetauftritt unter www.schwarzwald-nationalpark.de.

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