Pro oder contra Nationalpark? Wie sich der Landtag entscheiden wird, zeigt sich am kommenden Donnerstag. Foto: Rothfuß

Vor der Beschlussfassung über das Nationalparkgesetz machen Befürworter und Gegner noch einmal Stimmung.

Kreis Freudenstadt - Wenige Tage vor der Abstimmung im Landtag über das Nationalparkgesetz ziehen Kritiker und Befürworter noch einmal alle Register. Während der Naturschutzbund (NABU) eine Resolution pro Nationalpark verabschiedete und gemeinsam mit dem Freundeskreis Nationalpark in einem offenen Brief an die Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion noch einmal für den Nationalpark wirbt, führen die Gegner in einem Schreiben an die Mitglieder der Landtags ihre Kritikpunkte am grün-roten Projekt an.

In einem Appell an die Mitglieder des Landtags haben sich einzelne Bürger aus Baiersbronn und Loßburg gegen die Pläne der grün-roten Landesregierung gewandt, einen Nationalpark im Nordschwarzwald auszuweisen. "Stoppen Sie endlich diesen Wahnsinn!", schreiben die Unternehmer Gottfried Braun, Thomas Haist, Ludwig und Axel Züfle, Baiersbronns Bürgermeister-Stellvertreter Fritz Kalmbach, Albert Bengel, Forstwirt Fritz Frey sowie die Waldbauern Wilhelm und Karl-Heinz Walter. Die Kritikpunkte sind hierbei die selben, die im Verlauf der Diskussion um die Nationalparkpläne immer wieder genannt werden: Das Vorgehen der Landesregierung schade der Holzindustrie, dem Tourismus, dem Klimaschutz, gefährde Arbeitsplätze – ja, sogar die Demokratie, und reiße ein noch nicht zu bezifferndes Loch in den Landeshaushalt, sind die Absender überzeugt.

Ein starkes Glied in der Argumentationskette der Gegner ist auch die Bürgerbefragung, die im Frühjahr dieses Jahres unter anderem in den Gemeinden Baiersbronn, Seewald, Bad Wildbad, Bad Herrenalb und der Stadt Freudenstadt vorgenommen wurde und bei der sich eine große Mehrheit der beteiligten Bürger gegen einen Nationalpark im Nordschwarzwald ausgesprochen hatte. "Wer sich über ein so eindeutiges Bürgervotum hinwegsetzt, braucht sich über Politikverdrossenheit nicht zu wundern", heißt es in dem Schreiben. Noch könnten die Abgeordneten ein "Zeichen gegen Verschwendung von Steuergeldern und Vernichtung wertvoller Ressourcen" setzen.

Der Schwarzwald sei zu schade, "um daraus mit Gewalt eine Totholz-Region zu schaffen". Wie die Unterzeichner zum von der CDU gepuschten Bürgernationalpark stehen, ist aus dem Schreiben allerdings nicht ersichtlich. Auch Förster aus den Kreisen Ortenau, Rastatt, Freudenstadt und Calw hätten sich gegen den Nationalpark ausgesprochen, weil man "ein unkalkulierbares Risiko" beispielsweise durch gefräßige Borkenkäfer befürchte.

Der NABU würde Letzteres wohl eher unter dem Aspekt "Schüren von Ängsten in der Bevölkerung" verbuchen. In einem gemeinsam mit dem Freundeskreis Nationalpark verfassten offenen Brief an die CDU-Landtagsfraktion wird vor allem eines deutlich: Unverständnis. "Wir können (...) Ihre Kritik nicht nachvollziehen", heißt es. Die CDU kritisiere mit ihrem Konzept eines Bürgernationalparks das Nationalparkkonzept der Landesregierung als "unausgewogen und gegen die Menschen der Region" gerichtet. In fünf Punkten beziehen NABU und Freundeskreis Stellung zur Akzeptanz des Nationalparks. So sei der Nationalpark ursprünglich ein konservatives Projekt, zu finden im Wahlprogramm der CDU 2011 bis 2016. Zudem sei die Forderung der CDU nach einem Nationalpark, der oberhalb 800 Metern liegen solle, "so gut wie möglich erfüllt" worden. Die Argumentation fehlender Holzerträge sei nicht haltbar: "Beim derzeit herrschenden Strukturwandel in der Sägerei-Branche könnte die vom Land angebotene Holzgarantie künftig eher förderlich als schädlich sein."

Beim Thema Schüren von Ängsten werden Freundeskreis und NABU deutlich: "Diejenigen in der Region, die jetzt die fehlende Bürgerbeteiligung beklagen und sich die CDU-Landtagsfraktion zum Sprachrohr machen, sind dieselben, die unmittelbar nach bekanntwerden der Nationalparkidee in der Region (...) bei der Bevölkerung vor Ort mit Fehlinformationen und Horrorbildern abgestorbener Bäume ein Klima der Angst und des Schreckens verbreitet haben." Man hätte sich gewünscht, dass die CDU die "regionalwirtschaftlichen Chancen" des Projekts stärker zum Thema macht – zumal viele der Experten, die bei den Nationalpark-Arbeitskreisen mitgewirkt haben, ein CDU-Parteibuch besäßen oder der CDU nahe stünden. Dennoch – der Nationalpark dürfe kein Projekt für parteitaktische Spielereien sein.

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