30.000 Unterschriften gegen den Nationalpark überreichten die Gegner dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Hauk (rechts) und weiteren Mitgliedern der CDU-Fraktion. Foto: Brauer

Nach dem Ja des Landtags zum Nationalpark müssen schnell Taten folgen. Gegner arbeiten weiter am Alternativ-Konzept.

Kreis Freudenstadt - Grünes Licht im Landtag für den Nationalpark, doch die Überzeugungsarbeit fängt jetzt erst richtig an: "Das wird kein lauer Job", kommentierte gestern Landrat Klaus Michael Rückert den Start des Projekts im nächsten Jahr. Wie viel Überzeugungsarbeit zu leisten ist, zeigte sich gestern auch vor dem Landtag in Stuttgart. Rund 400 Nationalparkgegner waren laut Dieter Geißler vom Verein Unser Nordschwarzwald dort mit Plakaten gegen das Projekt aufmarschiert, und eine Delegation von ihnen übergab dem CDU-Fraktionschef Peter Hauk 30 000 Unterschriften gegen den Park.

Doch nicht nur die Opposition, auch die Landesregierung suchte den Kontakt zu den Kritikern: Rund eine Stunde lang sprachen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Naturschutzminister Alexander Bonde mit Vertretern von ihnen, hieß es gestern aus dem Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Dennoch: Die Front bleibt hart: "Am Ende wird es nur Verlierer geben", kommentierte Geißler das Abstimmungsergebnis der Landtagsabgeordneten und kündigte an: "Unsere Arbeit geht weiter." Damit meint er vor allem auch die Mitarbeit des Vereins am Alternativkonzept eines Bürgernationalparks der CDU. Das finde eine "gute Zustimmung" bei den Nationalparkgegnern, sagt er. "Wenn sich der Bürgernationalpark als Weiterentwicklung des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord darstellen lässt, ist vieles denkbar", so Geißler. Auch das Ziel des Alternativ-Konzepts umreißt der Vereinssprecher klar: "Am Ende müssen Natur und Bevölkerung dadurch gewinnen.☻

Das ist für Landrat Klaus Michael Rückert auch mit dem Nationalpark der Landesregierung möglich: "Mit der Zeit wird sich zeigen, dass der Nationalpark mehr Vorteile als Nachteile bringt." Doch der Weg dahin ist lang und steinig: "Wir müssen die Kritiker mit guten Angeboten und Konzepten überzeugen und uns das Vertrauen der Menschen erarbeiten", sagt Rückert. Für einen reibungslosen Projektstart erwartet er jetzt, dass sich der Nationalparkrat schnell konstituiert und wichtige Themen wie Besucherzentrum, Portale oder auch den Sitz der Nationalparkratverwaltung bespricht. Diese seien Voraussetzung für weitere zentrale Themen wie Besucherlenkungskonzepte oder die Verkehrsführung in der Parkregion.

Was das Besucherzentrum anbelangt, hat der Landrat allerdings schon klare Vorstellungen: "Wenn der Landkreis Freudenstadt zwei Drittel der Parkfläche stellt, sollte auch das Besucherzentrum dort beheimatet sein." Der Ort steht für ihn auch schon fest: "Der Ruhestein wäre ideal." Intensive Gespräche sind für Rückert jetzt auch zwischen Nationalparkleitung und Naturparkmitgliedern nötig. "Wir haben schon Ideen, was wir gemeinsam machen können", sagt er und ist sich sicher, dass der Naturpark sich mit dem Nationalpark weiter positiv entwickeln wird: "Wir haben hier ein gutes Miteinander."

Dass die Infrastruktur ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Nationalparks sein wird, davon ist auch Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald überzeugt: "Je attraktiver die Angebote sind, umso größer wird die Akzeptanz sein", meint er und denkt dabei vor allem auch an das gewünschte Wildtierreservat, das Freudenstadt gemeinsam mit den Gemeinden Bad Rippoldsau-Schapbach und Bad Peterstal-Griesbach errichten und an den Park andocken will.

Einer der Unterstützer dieses Projekts ist der SPD-Landtagsfraktionschef Klaus Schmiedel, der allerdings erst die gestrige Nationalparkabstimmung abwarten wollte. "Ich hoffe, er steht zu seinem Wort und bringt jetzt unser Wildtierreservat in die Fraktionen ein", so Osswald.

Beim Verwaltungssitz für den Nationalpark würde Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf nicht Nein sagen: "Das bedeutet Arbeitsplätze, und die sind immer wünschenswert." Wichtig ist für ihn, dass der Managementplan zügig erstellt wird und an der Verkehrskonzeption gearbeitet wird. Die Ist-Analyse des Verkehrsministeriums dazu laufe gerade. Zum alternativen Bürgernationalpark der CDU meint Ruf: "Es waren nicht alle Punkte des Konzepts schlecht." Auch die konstruktive Einbindung der Projektgegner hält er für richtig: "Dialog ist immer gut."

Für Forbachs Bürgermeister Kuno Kußmann hängt der Erfolg des Nationalparks nun davon ab, wie die Wünsche der beteiligten Gemeinden in die Entwicklung des Parks einfließen. "Wir werden uns im Nationalparkrat zusammenraufen müssen und die Dinge dort kollegial auf den Weg bringen", meint er. In dem von Land und Kommunen paritätisch besetzten Gremium werde es schwierig sein, Entscheidungen gegen das Land zu treffen, daher hofft Kußmann auf ein "konstruktives Miteinander". Das gilt auch für die Verteilung der Infrastruktur des Nationalparks: "Hier darf es kein Windhundrennen um Einrichtungen geben, hier muss an der Sache orientiert entschieden werden." Was die Überzeugung der Parkgegner anbelangt, ist der Forbacher Bürgermeister skeptisch: "Die Meinungen sind festgeklopft, das ist ein langer Weg auf dem nur Taten überzeugen können."

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