Im Nationalpark werden auch abgestorbene Bäume nicht beseitigt. Foto: dpa

Verein "Unser Nordschwarzwald" blickt schon auf Landtagswahl 2016. Liebäugeln mit Bürger-Nationalpark.

Kreis Freudenstadt - Das Thema Nationalpark ist durch - politisch gesehen zumindest bis zur Landtagswahl 2016. Doch was machen die Nationalparkgegner, während die Marketingmaschinerie der Landesregierung in Sachen Nationalpark Schwarzwald bereits angelaufen ist? Die schauen erst einmal zu und warten, sagt Dieter Geißler, Sprecher des Vereins "Unser Nordschwarzwald". Wir haben mit ihm gesprochen.

Der Nationalpark ist beschlossene Sache. Ist der Verein "Unser Nordschwarzwald" jetzt arbeitslos?

Nein. Das Engagement wird sich nur anders ausdrücken als bisher. Im Moment wird da etwas im Expresstempo erstellt. Da machen wir es wie die Natur: abwarten und erst einmal zuschauen. Wir haben auf unserer Homepage einen "Nationalparkwatch" eingerichtet. Wir werden das Projekt also die nächsten zwei Jahre in jedem Fall kritisch begleiten.

Die nächsten zwei Jahre...?

Ob das 2016 auch noch so weitergeht, da steht ein großes Fragezeichen dahinter. Schließlich ist Landtagswahl.

Sie liebäugeln also nach wie vor mit dem Bürgernationalpark der CDU?

Wir werden das Thema Bürgernationalpark weiter am Laufen halten. Die Menschen sollen wissen, dass kein Gesetz für die Ewigkeit gelten muss - vor allem nicht das Nationalparkgesetz. Und bei einem Bürgernationalpark gibt es viele Ausgestaltungsmöglichkeiten.

Wie eng ist denn Ihre Zusammenarbeit mit der CDU-Landtagsfraktion?

Wir sind zumindest an einer engen Zusammenarbeit interessiert. Die CDU spielt die Karten. Wenn Sie uns hören will, sind wir dazu gerne bereit.

Die Befürworter sagen, es sei an der Zeit, die Gräben zuzuschütten. Sehen Sie das auch so?

Bleiben wir beim Bild des Grabens. Das Zuschütten funktioniert nur so lange, bis das nächste Hochwasser kommt. Durch das ausgeschwemmte, lose Schüttmaterial wird der Graben nur noch größer. Das ist Politik des Täuschens: Es wird vom Zuschütten der Gräben gesprochen, und gleichzeitig werden die Herren Schlund und Waldenspuhl, die mit dem Ausheben der Gräben begonnen haben, mit dem Werkzeug ausgestattet, um die Gräben noch tiefer und breiter auszuheben.

Das heißt, Sie sind mit Wolfgang Schlund und Thomas Waldenspuhl als Nationalpark-Doppelspitze nicht einverstanden?

Die Leitung des Nationalparks durch die Herren Schlund und Waldenspuhl war schon lange ein hartnäckiges Gerücht - das hat sich jetzt bestätigt. Interessant finde ich: Die beiden sind seit über zweieinhalb Jahren im Einsatz, um den Entwicklungsnationalpark zu propagieren. Das bedeutet: Seit zweieinhalb Jahren machen sie auf Kosten des Steuerzahlers für ihre eigene Gehaltserhöhung Propaganda. Das hat nicht bloß ein "G’schmäckle", das stinkt kilometerweit gegen den Wind.