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Kreis Freudenstadt Mehr ÖPNV im ländlichen Raum

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Symbolbild Foto: dpa

Kreis Freudenstadt - Wie bekommt man mehr Leute in Busse und Bahnen? Um das zu beantworten, müssen die Planer erst mal wissen, was die Einwohner brauchen – oder bräuchten, damit sie öfter mal das Auto stehen lassen. Eine große Umfrage des Landratsamts soll zeigen, wie der Bedarf aussieht.

"Bürgerdialog FDS" heißt das Modell, mit dem der Kreis seine Einwohner zu Wort kommen lässt, wo immer es möglich ist. Nach der Premiere beim neuen Modus für die Sperrmüll-Abfuhr geht die Umfrage in die zweite Runde. "Ich denke, der ÖPNV ist als Thema genau so griffig wie der Sperrmüll", sagte Landrat Klaus Michael Rückert am Montag bei der offiziellen Vorstellung.

Zeit erscheint reif für Ausbau des Angebots

Der Kreis und seine Partner sind derzeit dabei, das ÖPNV-Konzept auf die nächsten Jahre hin neu auszurichten. Fortschreibung des Nahverkehrsplan, heißt das in der Verwaltungssprache. Das passiert regelmäßig alle paar Jahre. Aktuell miteingeflochten werden dabei gleich die neuen Buslinien, die für den Nationalpark Schwarzwald geschaffen werden sollen. Ansonsten soll sich zeigen, wo der Kreis aktuell mit seinem Angebot steht, wo es noch Potenzial gibt und was das Angebot künftig kosten darf.

Bei dieser Gelegenheit sollen nun auch die Einwohner und Gäste zu Wort kommen. "Ich glaube, unser ÖPNV-Angebot im Kreis ist grundsätzlich gut. Aber es gibt sicher Punkte, in denen man es besser machen kann", so Rückert. Deshalb will die Verwaltung die "Mobilität im Landkreis neu denken". Zweieinhalb Minuten sollen die Einwohner aufwenden, um ihr Urteil und ihre Vorstellungen dazu einzubringen. Alle Wünsche werde der Kreis wohl nicht umsetzen können. "Eine direkte Verbindung zwischen Unterbrändi und Nordstetten im 15-Minuten-Takt geht natürlich nicht", so Rückert.

Mehr ÖPNV im ländlichen Raum – die Verantwortlichen im Landratsamt sind jedoch zuversichtlich, dass die Zeit dafür günstig ist. Rückert sagt den Landstrichen jenseits der Ballungsräume eine "Renaissance" voraus. Mehr Zuzug dahin, wo es Arbeitsplätze gibt und Wohnraum bezahlbar ist? Der Landrat sieht darin "eine Riesen-Chance" für den Raum Freudenstadt, der jedoch im Wettbewerb mit anderen ländlichen Kreisen stehe. Ein funktionierender ÖPNV sei neben anderen Investitionen wie in Breitband, Klinik-Teilneubau und neuem Hochschul-Campus ein Baustein für den Erfolg.

Ein Ausbau des ÖPNV ist auch ein wichtiger Beitrag des Kreises zum lokalen Klimaschutz, so der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser. Das Bewusstsein ändere sich, was Landrat Rückert auch an einer anderen Beobachtung im persönlichen Umfeld festmacht: "Früher war es praktisch selbstverständlich, mit 18 Jahren den Führerschein zu machen. Das ist heute nicht mehr so der Fall. Aber die jungen Leute wollen trotzdem mobil sein. Also müssen wir ihnen etwas anbieten."

Entsprechend groß sind die Hoffnungen, dass sich viele junge Einwohner im Landkreis an der Umfrage beteiligen. Grundsätzlich ist die Umfrage jedoch offen für jedermann. Auch Urlauber und Einwohner von Nachbarkreisen seien ausdrücklich aufgefordert, sich zu beteiligen. Eine Zielgruppe mit Potenzial sind außerdem die Industriebetriebe in der Region, so Peter Kuptz, Leiter des Amts für Ordnung und Verkehr im Landratsamt. Der Wunsch, mehr Angebote für Berufspendler zu machen, werde von der Wirtschaft öfter an den Kreis herangetragen. Der Vorteil: Schichtzeiten sind oft bekannt. Der Nachteil: An den Werkstoren teilt sich der Mitarbeiterstrom dann in alle Richtungen. Wie müssten deshalb Bustouren organisiert sein, damit sie als nicht zu lang empfunden werden? ÖPNV ist ein komplexes Geflecht.

Für organisatorische Fragen hat der Landkreis deshalb Expertise von außerhalb ins Boot geholt. Die Nahverkehrsberatung Südwest betreut den Landkreis im Verfahren fachlich, die Firma Krauß Kommunikation soll sicherstellen, dass der Informationsfluss funktioniert. Gemeinsam mit Krauß hat Oliver Valha vom Amt für Ordnung und Verkehr den Fragebogen entwickelt. Er umfasst 13 Fragen und soll in etwa 150 Sekunden beantwortet sein. Darin will der Kreis – anonym – den Bedarf erheben. "Es ist ein großer Unterschied, für welchen Lebensbereich sich die Leute einen besseren ÖPNV wünschen, Beruf oder Freizeit", so Valha.

Sechs Wochen lang hat die breite Öffentlichkeit Zeit, ein Votum abzugeben. Bis zum Herbst sollen dann erste aufbereitete Ergebnisse vorliegen, mit denen sich der Kreistag zunächst in einer internen Klausurtagung befasst. Die Beschlüsse fallen dann in öffentlicher Sitzung, so der Landrat. Im Herbst 2020 soll der neue Nahverkehrsplan in Kraft treten. Einzelne Verbesserungen könnten jedoch schon früher umgesetzt werden, wenn es sich anbiete.

Indessen hoffen die Verantwortlichen auf zahlreiche Teilnehmer an der Umfrage. Entsprechend hoch ist der Aufwand, der dafür betrieben wird. Alle weiterführenden Schulen wurden angeschrieben, in Firmen und Rathäusern hängen Plakate aus. "Wir sind alle sehr gespannt, was rauskommt", sagte Rückert.

Umfrage zum ÖPNV – im Internet oder auf Papier

Die Umfrage zum Mobilitätsverhalten erfolgt anonym. Die Teilnahme kann ab sofort online unter www.buergerdialog-fds.de erfolgen oder ab nächster Woche in Papierform. Dazu liegen ausgedruckte Fragebögen ab Montag, 22. Juli, an vielen öffentlichen Stellen aus: in Rathäusern und vielen Ortschaftsverwaltungen, im Landratsamt, in Filialen der Kreissparkasse und der Volks- und Raiffeisenbanken, im Krankenhaus und bei der Tourist-Info. Die Bögen können vor Ort direkt in Sammelboxen eingeworfen werden. Gestellt werden Fragen zum eigenen Verkehrsverhalten, zu Alter und Wohnort, zur Einschätzung des bisherigen ÖPNV-Angebots aufgeteilt in Bus- und Schienenverkehr sowie zu persönlichen Wünschen und Anregungen zum ÖPNV-Angebot.

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