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Kreis Freudenstadt Lebhafte Debatte um Kreisjugendreferenten

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Jugendtreff Bauwagen: Ein Teil der Jugendkultur hat sich hierhin verlagert. Man ist gerne unter sich. Foto: Pixabay

Kreis Freudenstadt - Die politische Entscheidung, einen Kreisjugendreferenten einzustellen, ist eine Stufe weiter. Das Ja im zuständigen Jugendhilfeausschuss fiel allerdings halbherzig aus. Und es bleibt die Frage: Wer ist hier eigentlich frustriert?

Acht Ja-Stimmen, sieben mal Nein und eine Enthaltung – so endete die Abstimmung am Montag. Wenn der Kreistag ebenfalls mehrheitlich zustimmt, kann das Landratsamt die Stelle nächstes Jahr schaffen. Das knappe Ergebnis spiegelt die Zerrissenheit wieder, könnte andererseits teilweise auch der Abstimmungsarithmetik geschuldet sein. Zwei Kompromissvorschläge kamen gar nicht zur Abstimmung: die Stelle zeitlich zu befristen, also als Testlauf für ein paar Jahre, oder sie in Teilzeit einzurichten.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es in Teilen des Kreistags grundsätzliche Zweifel an Sinn und Nutzen gibt. Seit 2010 hatte es drei Anträge von den Grünen und des Kreisjugendrings gegeben, den Posten einzurichten. Sie wurden jeweils abgelehnt. Die Kosten werden aktuell mit 63.000 Euro pro Jahr beziffert. Laut Landratsamt ist Freudenstadt mittlerweile der einzige Landkreis in ganz Baden-Württemberg, der keinen Kreisjugendreferenten hat.

Dass die Debatte überhaupt wieder geführt wird, ist auf Ulrich Bürger vom Kommunalverband Jugend und Soziales in Stuttgart zurückzuführen. Er sagt dem Kreis Freudenstadt voraus, im Wettlauf um junge Einwohner als Verlierer dazustehen – mit gravierenden sozialen und volkswirtschaftlichen Folgen. Eine seiner Empfehlungen lautet: Kein Jugendlicher darf mehr auf der Strecke bleiben, die Kommunalpolitik ist hier gefragt.

Aber die ist nicht überzeugt, wie die Debatte im Kreistag zeigte. Außerdem ist es nicht so, dass der Kreis nichts täte. Nach eigenen Angaben liegt er landesweit auf Platz zwölf, was Ausgaben zur Förderung der Jugendarbeit betrifft. Voriges Jahr gab der Kreis 240.000 Euro für Jugendreferate aus, 370.000 Euro die Städte und Gemeinden. Eine weitere halbe Million von Kreis und Kommunen flossen in die Schulsozialarbeit.

Jugendamtsleiterin Charlotte Orzschig sprach sich für die Stelle aus. Einige Städte wie Horb und Freudenstadt hätten in der Jugendsozialarbeit "schon einiges auf den Weg gebracht". Aber es fehle an der Abstimmung. Sie könne das nicht nebenher leisten. Andere Wege, Jugend etwa über Schülermitverantwortungen in die Kommunalpolitik einzubeziehen, seien "als gescheitert anzusehen". Andere Einrichtungen wie das Jugendforum verkämen zu reinen "Wünsch-Dir-was-Veranstaltungen". Dort kämen teure Ideen wie ein Nachtbus heraus, dessen Bilanz am Ende "verheerend" sei. Darüber hinaus gebe es Veränderungen. Wie sollen Jugendliche überhaupt noch erreicht werden? Treffs wie Jugendhäuser sind offenbar nicht mehr so gefragt. "Bauwagen sind derzeit ein großes Thema. Die Jugend will unbeaufsichtigte Treffs und einfach in Ruhe gelassen werden", so Orzschig.

Was soll ein Jugendreferent überhaupt leisten? Den Kreisräten Erwin Zepf (CDU) und Klaas Klaassen (FWV) waren die üblichen Standardformulieren aus dem Sprachgebrauch der Sozialpädagogen wie "koordinieren" und "vernetzen" zu wolkig. Orzschig erklärte, "es wäre schon gut", wenn Jugendarbeit und Schulsozialarbeit aufeinander abgestimmt seien.

Wozu überhaupt Jugendarbeit, wenn junge Leute im Bauwagen unter sich sein wollten? "Weil es auch im Bauwagen Regeln geben muss. Jugendliche dort saufen zu lassen, kann es ja auch nicht sein", hielt Elisabeth Wütz vom Katholischen Jugendreferat entgegen. Es gebe viel Jugendarbeit. "Aber viele wursteln alleine vor sich hin", so Wütz aus ihrer Berufserfahrung. Ludwig Wäckers (Grüne) hofft, Jugendliche wieder mehr für Politik und Gesellschaft zu interessieren. "Das Engagement ist heute platt. Wir waren da früher anders drauf." Elisabeth Gebele, als Vertreterin des Familienzentrums Freudenstadt im Ausschuss, ergänzte: "Auch wenn wir die Form noch nicht gefunden haben: Der Jugendreferent sollte ein Kümmerer und Ermöglicher sein."

Christoph Enderle (FWV) hat den Eindruck, dass sich viel verändert habe in der Jugendarbeit und der Einstellung der Jugendlichen. Im Kreis gebe es "viele lose Puzzle-Teile, aber oft nur Stückwerk". Bernhard Haas (CDU) war trotzdem nicht überzeugt, dass Jugendliche erreicht werden könnten: "Wir haben alles versucht, und nix ist passiert." Vielleicht komme es auch drauf an, "wie man’s macht", so der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser. Es liege an der Person. Am Ende rang sich die Runde knapp für die Stelle aus, als 100-Prozent-Kraft. "Eine 50-Prozent-Stelle würden wir ohnehin nicht besetzt kriegen", so Orzschig .

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