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Kreis Freudenstadt KSK-Radikalplan: Ziehen VR-Banken jetzt nach?

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Gemeinsame SB-Filiale von Genossenschafts- und Kreissparkasse in Peterzell: "Wir sind für einzelne Standorte grundsätzlich und selbstverständlich gesprächsbereit". Foto: Rath

Kreis Freudenstadt - Die Kreissparkasse Freudenstadt überraschte mit einem Radikal-Plan: 13 von 15 Filialen sollen geschlossen werden. Ziehen die Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Freudenstadt jetzt nach? Wir haben mit Dieter Walz gesprochen. Er ist einer der beiden Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Horb-Freudenstadt und Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Freudenstadt. Er deutet dabei Veränderungen an.

Herr Walz, hat Sie der Plan der Kreissparkasse Freudenstadt überrascht?

Nein, nicht wirklich, denn die internen Kanäle funktionieren.

Und wie sehen sie den radikale Schnitt der KSK?

Die Sparkasse hat sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Es wird vermutlich gute Gründe geben. Uns liegen dazu keine genaueren Informationen vor. Aber: Wir müssen in diesem Bereich sicher ebenfalls etwas tun.

Das bedeutet also, dass wir auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken mit einer Schließungswelle von Filialen rechnen müssen?

Ich kann nur in meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender Volksbank Horb-Freudenstadt für unser Haus sprechen. Ich möchte unserem internen Entscheidungsprozess nicht vorgreifen. Die aktuellen Entwicklungen der Bankenbranche sind bekannt – Digitalisierung, Niedrigzinsphase, verändertes Kundenverhalten. Diese betreffen auch unser Haus. Wir prüfen, in welcher Form wir unsere Öffnungszeiten beziehungsweise unser Geschäftsstellen- und Automatennetz anpassen. Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse nach Beschluss zunächst intern vorstellen und im Anschluss extern kommunizieren. Und wir werden unsere Kunden und dann die Öffentlichkeit rechtzeitig informieren.

Wann sollen die Entscheidungen denn fallen?

Die oben genannten Entwicklungen führten dazu, dass wir Veränderung haben, wir das Projekt "Kunde im Fokus – unsere Zukunft" im Herbst 2019 gestartet haben. Bis zur Jahresmitte 2020 besteht mehr Klarheit.

Wird der Schritt auch so massiv werden?

Es wird eine große Herausforderung. Aber ich glaube, dass es uns gut gelingen wird, den Kunden "abzuholen" beziehungsweise "mitzunehmen". Wir wollen den Menschen nicht nur Schließungen präsentieren und sagen, dass machen wir künftig alles am Telefon oder im Internet.

Gibt es schon konkrete Ideen, wie die Kunden "abgeholt" werden können?

Da gibt es natürlich mehrere Ansätze. Man könnte zum Beispiel darüber nachdenken vorübergehend "Video-Telefonzellen" einzurichten, in denen der Kunde über Video mit einem Kundenberater sprechen kann. Er hat dann zwar den Service-Berater nicht physisch vor Ort, aber dennoch den direkten Kontakt mit ihm. Aber da muss man noch tiefer analysieren und rechnen. Außerdem sollten wir auch unseren älteren Kunden helfen zu zeigen, wie zum Beispiel unsere VR-Banking App funktioniert und beim Einrichten unterstützen. Viele ältere Menschen nutzen ein Smartphone und benötigen nur eine gute Einführung. Wir sind daran, neue Konzepte zu erarbeiten, wie wir künftig unsere Kunden beraten und sowohl uns wie auch unsere Kunden fit für die digitale Zukunft machen.

Die Kreissparkasse hat ins Spiel gebracht, auch an einigen Standorten eine gemeinsame Lösung zu finden. Was halten Sie von dem Vorschlag?

Auch hier kann ich nur für die Volksbank Horb-Freudenstadt sprechen. Wir sind für einzelne Standorte grundsätzlich und selbstverständlich gesprächsbereit.

Sie sind ein nachdenklicher Mensch, der sich auch über die globale Entwicklung viele Gedanken macht. Was sind die Gründe, dass sich die Bankenwelt so verändert?

Drei große Themenfelder haben in den vergangenen zehn Jahre massiven Einfluss auf unser Mitglieder und Kunden. Und auch Einfluss auf das Verhalten und auf das Umfeld, und damit auch auf die Umwelt. Es sind dies: Computertechnologie – sie entwickelt sich zur Digitalisierung; Globalisierung: "Überall zu jederzeit und wann ich möchte!". Und: Die weltweite Geldpolitik flutet die Märkte mit Geldmengen und führt Niedrig- und Negativzinsen ein; diese Geldpolitik scheint sich auch auf mittlere Sicht nicht wesentlich zu ändern.

Wie wirkt sich das alles auf das Kundenverhalten aus?

Das allgemeine Kundenverhalten verändert sich dramatisch: Wikipedia statt Lexika oder Amazon statt Einzelhandel, um nur zwei Beispiele zu nennen. Man hat das Gefühl, dass der Konsum höchste Priorität hat, weniger die Themen der Vorsorge. Traditionelle Geschäftsmodelle und Verhaltensweisen müssen überprüft, angepasst, verändert werden. Das trifft auch die Banken- und Finanzwelt massiv. Die Kundenanzahl, die den "Service" der Banken über Automaten und Geräte und neuere Technologie in Anspruch nehmen, steigt enorm. Filialbesuche für den Service fallen drastisch. Wir wollen diese Herausforderung, für Kunden und Beschäftigte gleichermaßen, positiv angehen. Unser Leitbild sagt dazu: "Wir sind nur gemeinsam erfolgreich – das darf man gerne spüren!" 

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