Den Frauenanteil im Kreistag zu steigern war das erklärte Ziel der Liste "Frauen in den Kreistag". Das Ziel wurde erreicht: Statt zwei werden im künftigen Kreistag vier Frauen mitentscheiden. (Symbolfoto) Foto: Hopp

Liste erreicht auf Anhieb 5,9 Prozent der Stimmen. Bärbel Altendorf Jehle und Martina Lachenmaier ziehen in Gremium ein.

Kreis Freudenstadt - Den Frauenanteil im Kreistag zu steigern war das erklärte Ziel der Liste "Frauen in den Kreistag". Das Ziel wurde erreicht, und die Steigerung beträgt 100 Prozent. Statt zwei werden im künftigen Kreistag vier Frauen mitentscheiden.

Mit einer Frauenquote von gerade mal knapp über zwei Prozent war der Kreistag in Freudenstadt bislang bundesweit Schlusslicht. Das sollte sich ändern. Aus dem Frauennetzwerk Freudenstadt gründete sich vor etwa zehn Monaten eine Initiative von engagierten Frauen, die in der Kommunalpolitik auf Kreisebene mitreden will. Die Frauen gingen das Unternehmen Kommunalwahl generalstabsmäßig an. Im Vorfeld wurde vom Frauennetzwerk ein Seminar mit dem Titel "Frauen in die Politik" organisiert. Als die Wahl näher rückte investierten die Kandidatinnen viel Zeit und waren bei Diskussionsveranstaltungen dabei, besuchten Sitzungen, veranstalteten sogar einen Flohmarkt und organisierten Infostände. Auch dem Dachverband der Frauenlisten in Baden-Württemberg trat die Frauenliste bei. In diesem Zusammenhang erfuhren die Kandidatinnen, dass es in Baden-Württemberg neben Freudenstadt nur noch in Biberach eine Liste für den Kreistag gibt. Demnächst will man eine Zusammenkunft des Landesverbands im Kreis Freudenstadt ausrichten.

Mit 5,9 Prozent der Stimmen gewannen die Frauen auf Anhieb zwei Sitze im Kreistag. Bärbel Altendorf-Jehle, bereits Stadträtin in Freudenstadt, und Martina Lachenmaier aus Eutingen, bilden mit den beiden wiedergewählten Kreisrätinnen Juliane Vees (CDU) und Margarete Rebholz (FDP) die Frauenriege unter 35 Männern.

Martina Kober, Sprecherin der Liste "Frauen in den Kreistag" freut sich über das Ergebnis, obwohl sie es selbst knapp nicht geschafft hat. "Wir haben zwei Kandidatinnen reinbekommen, wie die heißen, ist zweitrangig", sagt sie. Die absolute Hochburg der Frauenliste war die Gemeinde Seewald, in der es ebenfalls eine Frauenliste im Gemeinderat gibt. 24,4 Prozent der Stimmen gingen dort an die Frauen. Sehen lassen konnten sich auch Freudenstadt mit neun Prozent und Eutingen mit 6,4 Prozent. Die schlechtesten Ergebnisse kamen aus Bad Rippoldsau-Schapbach (1,4 Prozent), Baiersbronn (1,7) und Schopfloch (1,9 Prozent).

Schade findet Martina Kober, dass es keine weitere Frau auf den etablierten Listen geschafft hat. "Vielleicht hätte die eine oder andere Kandidatin auf der Frauenliste eine größere Chance gehabt", mutmaßt sie, denn der Schulterschluss auf einer Liste sei wichtig. Doch Martina Kober wertet es ebenfalls als Erfolg, dass bei dieser Kreistagswahl 75 Prozent mehr Frauen auf den Listen standen als noch vor fünf Jahren. "Das schreiben wir uns auch auf unsere Fahnen."

Stolz sind die Frauen, dass sie mit einem "extrem kleinen Wahlbudget" so viel erreichen konnten. Doch einen Wermutstropfen findet Martina Kober dann doch: Den Fraktionsstatus mit drei Kreisrätinnen haben sie knapp verpasst.

Wie geht es jetzt weiter? Voller Tatendrang sehen die "Frauen in den Kreistag" der kommunalpolitischen Arbeit entgegen. Landrat Klaus Michael Rückert habe versprochen, die Frauen zu unterstützen und angeboten auch mal über bestimmte in der Kreispolitik wichtige Themen bei einem Treffen zu berichten, erinnert sich Martina Kober. Wichtig ist ihr und ihren Mitstreiterinnen ein vertrauensvolles und faires Miteinander.

Die Mitglieder der Liste wollen sich auch weiterhin regelmäßig treffen, um Ideen und Erfahrungen auszutauschen. "Denn nach der Wahl ist vor der Wahl", sagt Martina Kober. Doch zunächst wird gefeiert. Am heutigen Dienstag ab 19 Uhr steigt im "Canapé" in Dornstetten eine Wahlparty, bei der die Frauen Bilanz über den Wahlkampf ziehen und natürlich auch den Erfolg ein wenig genießen wollen.

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