Kreis Freudenstadt - Kolkraben sind stattliche Vögel und wegen ihrer Seltenheit streng geschützt. Doch die »Junggesellen« unter ihnen können für Lämmer und Schafe gefährlich werden.

Attacken der schwarzen Vögel auf Schafherden – auch im Kreis Freudenstadt – waren kürzlich der Anlass für eine Anfrage im baden-württembergischen Landtag. Vor zwei Jahren beschwerten sich bereits die Schäfer Christine und Karl Holzapfel aus Lombach, weil Kolkraben, die eine Körperlänge von 54 bis 67 Zentimetern und eine Flügelspannweite von bis zu 130 Zentimetern erreichen und somit Europas größte Rabenart sind, immer wieder Lämmer in ihrer Herde töten. Von 60 bis 70 Stück pro Jahr war die Rede und einem Schaden von mehreren tausend Euro.

In diesem Jahr noch kein Fall gemeldet

Das Problem ist beim Landratsamt Freudenstadt als untere Naturschutzbehörde und beim Bauernverband bekannt, doch unternehmen kann man dagegen wegen des strengen Schutzes der Kolkraben wohl nichts.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Sabine Eisele, Pressesprecherin des Landratsamts Freudenstadt, mit, dass es auch im vergangenen Jahr in zwei Schafherden im Raum Loßburg Pickverletzungen durch Raben gegeben habe. Doch in diesem Jahr sei noch kein Fall gemeldet worden. Die Schafhalter, so Eisele, hätten einen Antrag auf Vergrämung, das bedeutet den Abschuss mehrerer Vögel zur Abschreckung der anderen Kolkraben, gestellt, doch dieser sei vom Regierungspräsidium abgelehnt worden.

Auch die CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag erreichten Beschwerden von Schäfern und veranlassten die Abgeordneten Klaus Burger und Karl Rombach zu einer Anfrage an die Landesregierung, in der sie unter anderem wissen wollten, was sie gedenke, gegen die Übergriffe der Rabenvögel auf Lämmer künftig zu tun und ob sie den hohen Schutz des Raben im Vergleich zu Lämmern für weiterhin sinnvoll erachtet. In der Begründung der Abgeordneten hieß es, dass es auch unter den Gesichtspunkten des Naturschutzes nicht haltbar sei, den Raben um jeden Preis zu schützen und die Nachteile für andere Tierarten zu dulden.

In seiner Antwort bestätigte das Minister ium für ländlichen Raum, dass Pickverletzungen an Lämmern und Schafen aus dem Kreis Freudenstadt bekannt seien. Doch eine Bestandsreduktion des Kolkraben sei aus »populationsbiologischen« Gründen »wenig zielführend« und vor dem Hintergrund der Schutzbestimmungen der Vogelschutzrichtlinie nicht zulässig. Allerdings räumte die Landesregierung ein, dass zur Vermeidung von weiteren Verletzungen von Schafen durch Kolkraben Vergrämungsmaßnahmen in Betracht kämen. Außerdem teilte das Ministerium in Stuttgart mit, dass noch in diesem Jahr eine Untersuchung zum Verhalten von Kolkraben gegenüber Schafen an die Universität Hamburg vergeben werden soll.

An der Uni Hamburg ist Veit Hennig ein ausgewiesener Experte für Kolkraben. Er war erst im vergangenen Jahr im Kreis Freudenstadt und thematisierte die Kolkraben-Problematik an einem runden Tisch zusammen mit Schafhaltern, Naturschutzbehörden und -verbänden sowie Vertretern des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Mit dabei war auch Martin Steudinger, Leiter der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Freudenstadt. Laut Steudinger habe Hennig erklärt, dass nicht alle Kolkraben Schafe und Lämmer anpicken. Männchen und Weibchen lebten in der Regel in einer Lebenspartnerschaft zusammen. Es seien die »Junggesellen«, die sich wohl einen Spaß draus machten, Lämmer und Schafe anzugreifen.

Der Experte, so Martin Steudinger, habe auch die Möglichkeiten der Vergrämung erläutert, die aber auch nicht alle Probleme lösen könne. Doch Vergrämungsabschüsse seien bislang vom Regierungspräsidium nicht genehmigt worden.