Angespannte Stimmung: Die Kreisjägerschaft hält das neue Jagdgesetz für wenig praktikabel. Foto: Kästle

Neuer Entwurf des Jagdgesetzes sorgt bei Kreisjägerschaft für Verärgerung. Herbert Ade: "Extrem schwer umzusetzen."

Horb - Die Jäger im Kreis Freudenstadt sind verärgert. Grund: Der Entwurf zum Jagdgesetz, den Agrarminister Bonde am Mittwoch im Stuttgarter Landtag präsentiert hat.

"Wenn die neue Reform so in Kraft gesetzt wird, verlieren die Jäger die Lust am Jagen", sagt der Kreisjägermeister der Jägervereinigung Freudenstadt, Herbert Ade. Das neue Regelwerk soll das im Kern gut 20 Jahre alte Jagdgesetz auf den neuesten Stand bringen. Das Wissen über Wildtiere sei heute ein ganz anderes, heißt es von Regierungsseite. Mittlerweile seien Naturschutz und Tierschutz als Staatsziele im Grundgesetz verankert.

"Kein Tier darf ohne vernünftigen Grund getötet werden", so Agrarminister Alexander Bonde (Grüne). Zudem wolle man die Jäger einbinden und die Bedeutung der Jagd betonen. Viele Jäger im Land sehen aber ihr traditionsreiches Jagdrecht dem Naturschutz untergeordnet.

Die Jäger, auch im Kreis Freudenstadt, fürchten zudem, dass der Gesetzesentwurf für das neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz viele Erschwernisse für die Jäger im Land bringen wird. Vor allem würde das neue Gesetz ein "erheblicher Eingriff in das Eigentumsrecht" sein, so der Talheimer Herbert Ade. "Beispielsweise das Verbot bestimmter Jagdarten fällt darunter." Der Landtag müsse zunächst über die jagbaren Arten entscheiden, wie aus den Forderungen des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg hervorgeht. "Die Regelungen sind aus jagdpraktischen Gesichtspunkten einfach extrem schwer umzusetzen", so Ade, "denn die vielen Einschränkungen und der große formale Aufwand der auf uns zukommen würde, würde die Motivation vieler Jäger mindern." Vor allem die neue zweimonatige Jagdruhe in den Monaten März und April steht somit stark in der Kritik. Demnach sieht Ade die Jäger "ungleich behandelt gegenüber den anderen Waldnutzern wie zum Beispiel Waldbesitzer oder Passanten." Innerhalb des Waldes Wegegebote zur Nachtzeit sowie ein Leinengebot für Hunde von Januar bis August einzuführen, seien sinnvollere Maßnahmen, eine Wildruhe zu sensiblen Zeiten zu erreichen, so die Forderungen des Landesjagdverbands. Zumal die Jäger "die einzigen sind, die für die Naturnutzung bezahlen", so Ade. Das könne auch für die Jäger durch extreme Einschränkungen zu finanziellen Problemen führen. Ferner wünscht sich der Kreisjägermeister mehr Gehör für die Jäger. Eine Anpassung der Gesetze sei für ihn sinnvoll, denn man könne den Wandel der Zeit nicht ignorieren. Aber die neuen Gesetze sollten ein praxisgerechtes Jagen weiterhin zulassen.

Das sieht auch Margarete Rebholz so. Die FDP-Kreistagsabgeordnete und Horber FD/FW-Stadträtin ist selbst Jägerin. "Aus Tierschutzgründen wird es als notwendig dargestellt, doch wir sind ja auch Tier- und Naturschützer", so Rebholz. Sie kritisiert beispielsweise die neuen Fütterungsregelungen. "Das Gesetz hätte so bleiben können wie es war", findet die Jägerin.

Seite 2: Jagdgesetz - Pläne und Reaktionen

"Mehr Tierschutz, mehr Naturschutz, weniger Bürokratie" – das sind die Schlagworte des Ministeriums für Ländlichen Raum zum neuen Jagdgesetz.

Über den Gesetzentwurf war im Vorfeld viel diskutiert worden. "Wir wollen deutlich machen, dass sich Jagd und Naturschutz nicht annähernd in der Konfliktlage befinden, wie uns die Verbandsvertreter glauben machen wollen", so Bonde im Landtag.

Die Neuregelung sieht beim Tierschutz beispielsweise ein Verbot von Totschlagfallen vor. Auch Haustiere dürfen von Jägern künftig nicht mehr einfach abgeschossen werden. Beim Fütterungsverbot sei man hingegen den Jagdverbänden entgegengekommen und habe praxistaugliche Anpassungen am Gesetz vorgenommen, so Bonde.

Bei der Wildruhe sieht der Gesetzentwurf eine allgemeine Jagdruhezeit vom 1. März bis zum 30. April vor, wobei es für Wildschweine gewisse Ausnahmen geben soll.

Die "Knackpunkte" für die Jägerschaft führt der Landesjagdverband (LJV) auf:

Die Herausnahme von Tierarten aus dem Jagd- und Wildtiergesetz am Landtag vorbei sei nicht hinnehmbar. Biber und Kolkrabe gehören konsequenterweise mit unter den Schutz des Gesetzes. Bei der Wildruhe kritisierte er, dass nur die Jagd beschränkt werden soll, aber andere Nutzungen weiterhin für Störungen sorgen können. Der LJV fordert deshalb ein Leinengebot für Hunde im Wald vom 1. Januar bis zum 31. Juli., ein Wegegebot zur Nachtzeit sowie ein Nachtjagdverbot für Rotwild. Bei der Wildfütterungsregelung wird die mangelnde Praktikabilität kritisiert: die zu große Flächenvorgabe für die Konzepte sowie die Zuständigkeit der obersten Jagdbehörde müssten geändert werden. Es könne nicht angehen, dass das Ministerium über jede Rehwildfütterung im Kraichgau oder anderswo entscheiden muss. Die Ergänzung der Wildschadensregelung bei Mais würde zu einer echten "Verschlimmbesserung" führen. Der LJV fordert die Einführung einer Bagatellschadensregelung.

Die beim Wildschutz vorgesehene Ausnahme des Tötens von Hunden laufe ins Leere, "weil kein Verwaltungsmitarbeiter ein Todesurteil für einen wildernden Hund unterzeichnen wird". Der LJV: "Probleme mit wildernden Hunden und verwilderten Katzen lassen sich weder ignorieren noch wegkuscheln." Weil Tierschutz für den LJV unteilbar sei, müsse sich die Jägerschaft der Verantwortung stellen.

Anders sieht es der NABU: "Im Vergleich zu den vielen verstaubten und veralteten Jagdgesetzen in Deutschland ist der baden-württembergische Gesetzentwurf frisch und modern", sagt der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. Die Auswertung des NABU zeige nach Ansicht Baumanns allerdings auch, dass der baden-württembergische Gesetzentwurf wichtige Forderungen des Naturschutzes nicht erfüllt. "Das Landesjagd- und Wildtiermanagementgesetz ist mitnichten ein NABU-Gesetz, von 100 möglichen Punkten im NABU-Ranking erhält es lediglich 30", sagt Baumann. Dass das schon ausreiche, um zu den besten Deutschlands zu gehören, zeige, wie groß der Reformstau bundesweit sei.