Konzentriert wurde gestern im Freudenstädter Rathaus die Europawahl ausgezählt. Foto: Schwark

CDU und SPD verbuchen im Kreis ein Plus. AfD kratzt in vielen Orten an der Zehn-Prozent-Marke. FDP verliert stark. Mit Kommentar.

Kreis Freudenstadt. "Kreis Freudenstadt wird zu liberaler Hochburg" war vor fünf Jahren die Schlagzeile über unserer Berichterstattung zur Europawahl. Doch fünf Jahre danach ist die Burg etwas niedriger. Zwar erzielten die Liberalen vielerorts immer noch zweistellige Ergebnisse, doch sie mussten kräftig Federn lassen.

Der Theurer-Bonus wirkte vor allem noch in Horb, wo die FDP 22 Prozent erreichte. Im Raum Freudenstadt lagen die Werte wesentlich niedriger. In Bad Rippoldsau-Schapbach beispielsweise nur bei 5,1 Prozent und in Seewald bei 7,4 Prozent. Dennoch steht die FDP im Gegensatz zum bundesweiten Ergebnis im Kreis Freudenstadt noch gut da. Mit 50 Prozent Wahlbeteiligung liegt der Landkreis leicht unter dem Landesdurchschnitt, aber auch 1,8 Prozent unter der Beteiligung vor fünf Jahren.

Besonderes Interesse an europäischer Politik scheinen die Bürger von Bad Rippoldsau-Schapbach zu haben. Wie schon 2009 führen sie mit 66,9 Prozent (2009: 64,1) die Hitliste der Wahlbeteiligung an, gefolgt von Grömbach (61,2) und Seewald (61,1). Die rote Laterne trägt Freudenstadt mit nur 45,2 Prozent, knapp hinter Dornstetten (46,4) und Horb, wo 46,5 Prozent der Bürger zur Europawahl gingen. Das erste Wahlergebnis kam traditionsgemäß aus Wörnersberg. Mit 94 Wählern war dort die Menge der auszuzählenden Stimmzettel auch sehr überschaubar. Die FDP wurde in der kleinsten Gemeinde des Landkreises mit rund 15 Prozent die zweitstärkste Partei. 14 Bürger hatten ihre Stimme für die Liberalen abgegeben. In der Nachbargemeinde Grömbach waren die zehn Prozent an ungültigen Stimmen auffallend.

Die stärkste Partei im Landkreis wurde mit 41,5 Prozent klar die CDU. Nachdem sie vor fünf Jahren kräftig an Stimmen wohl vor allem an die FDP verloren hatte, konnte sie heuer wieder um fünf Prozent Boden gut machen und erzielte in den meisten Städten und Gemeinden leichte Gewinne. An der Spitze liegt Seewald mit 54,9 Prozent (2009: 46,1), danach folgen Bad Rippoldsau-Schapbach mit 50,9 (50,9) Prozent und Grömbach mit 48,9 (36) Prozent.

In Freudenstadt verlor die CDU sogar leicht von 37,8 auf 37,6 Prozent. Alpirsbach war auch bei dieser Europawahl die SPD-Hochburg mit 25,7 Prozent (plus 3,1), gefolgt von Freudenstadt mit 22,7 Prozent (plus 5,5 Prozent). In allen Städten und Gemeinden legte die SPD an Stimmen zu und kam insgesamt auf 18,1 Prozent (2009: 13,9 Prozent). Abwärts ging es bei dieser Europawahl auch für die Grünen, die überall leichte Verluste verkraften müssen. Die Ergebnisse blieben im gesamten Landkreis einstellig. Mit 9,9 Prozent erzielten sie in Freudenstadt ihr bestes Resultat, gefolgt von Dornstetten mit 9,4 Prozent.

Die AfD kam in Glatten auf Anhieb auf 11,8 Prozent und erzielte dort ihr bestes Ergebnis im Landkreis. In Alpirsbach übertrumpfte die AfD mit neun Prozent die FDP (8,9) und die Grünen (8,4). In vielen Orten schaffte es die Alternative für Deutschland knapp an die Zehn-Prozent-Marke zu kommen.

Republikaner, Linke und Piraten spielten im Kreis Freudenstadt keine Rolle. Sie erreichten Stimmanteile von unter drei Prozent. Die Partei Die Linke holte in Dornstetten und Glatten 2,8 Prozent. Die Auszählung der Stimmen verlief relativ störungsfrei. Die beiden Großen Kreisstädte Horb und Freudenstadt waren die Schlusslichter. Freudenstadt konnte sein Ergebnis erst gegen 21.15 melden, weil sich die Auszählung eines Briefwahlbezirks lange hingezogen hatte.

Kommentar: In der Krise

Florian Ganswind

Die liberale Hochburg in Horb und im Kreis Freudenstadt ist zwar immer noch eine liberale Hochburg, aber eine sichere Festung ist sie seit gestern nicht mehr. Michael Theurer konnte das Wahlergebnis von 2009 bei Weitem nicht abrufen. 42,7 Prozent in Horb und 26,7 Prozent im Kreis waren damals natürlich fast galaktisch. Bei seiner ersten Kandidatur für das EU-Parlament war sicherlich noch ein besonderer Aha-Effekt dabei.

Viele Menschen im Kreis wollten den "Horber Michel" bei der Erfüllung seines großen Traumes unterstützen - vor allem beim damals schlechteren Listenplatz. Das immer noch hohe Ergebnis im Kreis im Vergleich zum FDP-Gesamtergebnis ist dennoch eine Niederlage für Theurer und seine Liberalen. Wenn man fast 20 Prozent in einer Hochburg verliert, dann ist das ein deutliches Signal: Die FDP steckt tatsächlich in der Krise.

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