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Kreis Freudenstadt Ergebnisse von ÖPNV-Umfrage liegen vor

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Die Ergebnisse der großen ÖPNV-Umfrage sind teils überraschend. (Symbolbild) Foto: Woitas

Kreis Freudenstadt - Das Thema Verkehr bewegt: 4407 Bürger haben sich an der Umfrage des Landkreises zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr beteiligt. Die Ergebnisse liegen nun aufgearbeitet vor – und sie sind zumindest in Teilen überraschend.

Die Erkenntnisse aus der zweiten großen Bürgerumfrage des Landkreises nach dem Thema Sperrmüll stellten die Verantwortlichen im Landratsamt am Dienstag vor. Erklärtes Ziel: den ÖPNV im Kreis zu verbessern, wenngleich für Landrat Klaus Michael Rückert der Komplex weiter gefasst werden müsse als nur auf Busse und Bahnen. Im Prinzip beinhaltet dies zumindest mittelfristig alle Arten der Fortbewegung, die den "Individualverkehr" senken und dazu führen, dass jeder Einzelne öfter mal das Auto stehen lässt.

Aus Rückerts Sicht kommt das Thema aus mehreren Gründen zur richtigen Zeit. Klimaschutz und Mobiliätswende beherrschen derzeit die öffentliche Diskussion. Und der Kreis muss ohnehin sein Nahverkehrskonzept fortschreiben. Mobilität, so Rückert, sei sowieso "das A und O im ländlichen Raum".

4500 Teilnehmer

Das Ergebnis der groß angelegten Umfrage ist für Oliver Valha, zuständiger Sachgebietsleiter ÖPNV im Landratsamt, aussagekräftig – mit 4500 Teilnehmern nicht nur rein zahlenmäßig. Frauen und Männer nahmen exakt gleichermaßen daran teil. Zusammen genommen gehören zwei Drittel der Teilnehmer der Altersklassen von 18 bis knapp 70 Jahren an – also genau die Klientel, die im Berufsleben steht. Ein weiteres Drittel waren Schüler, Studenten und Lehrlinge. Feriengäste nahmen nahezu keine teil, obwohl es für sie die Möglichkeit und Angebote gab. Der Landrat hat Verständnis dafür: "Im Urlaub habe ich auch andere Dinge im Kopf." Erfahrungsgemäß komme der ÖPNV bei Touristen ohnehin gut an, weil sie Busse und Bahnen mit der Konuskarte kostenlos nutzen könnten.

Aufgeteilt nach Wohnorten, decken sich die Summen der Teilnehmer mit den jeweiligen Einwohnerzahlen. Aus allen Städten und Gemeinden gab es Teilnehmer, die meisten aus Freudenstadt, Horb und Loßburg. Lediglich aus Grömbach und Wörnersberg kamen so wenige Antworten, dass sie sich im Kuchendiagramm nicht darstellen ließen.

56 Prozent gaben an, jederzeit Zugriff auf ein Auto zu haben. Ein Drittel hat die Möglichkeit nicht, 15 Prozent steht zumindest zeitweise ein Wagen zur Verfügung. Weitere Erkenntnis: Praktisch jeder zwischen 18 und 70 hat ein Auto, wenngleich Rückert festgestellt hat, dass die jüngere Generation "nicht mehr so autoaffin" sei und der Führerschein mit 18 nicht mehr als Automatismus gelte.

Die Hälfte gab an, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Weitaus häufiger wird der Wagen jedoch für Einkäufe oder Erledigungen genutzt. Auch in der Freizeit greifen die Hälfte der Teilnehmer nach eigenen Angaben auf den PKW zurück, und auffallend viele, wenn sie eigentlich andere begleiten. "Freizeit und Begleitung sind zwei Felder, derer wir uns deshalb annehmen wollen", so Valha.

Das Gefühl, das Busse mit Ausnahme des Schülerverkehrs oft ziemlich leer fahren, deckt sich mit den Antworten zum "Mobilitätsverhalten". 20 Prozent gaben an, täglich den Bus zu nehmen, 13 Prozent nutzen ihn zumindest öfter. Jeweils rund 30 Prozent erklärten, weniger als einmal im Monat oder gar nie Bus zu fahren. Beim Bahnverkehr sieht es so aus: Rund acht Prozent sitzen täglich in Zügen oder Stadtbahnen, rund 23 Prozent zumindest mehrmals wöchentlich oder monatlich. Die Hälfte fährt nach eigenen Angaben weniger als einmal im Monat Bahn, nur rund 15 Prozent erklärten, das Angebot nie zu nutzen. Laut Valha hat der Kreis Freudenstadt im Vergleich zu anderen ländlichen Regionen auch ein sehr gutes Angebot. "Das spiegelt sich in den Antworten wider", findet der Sachgebietsleiter.

Interessant sind die Antworten zur Bewertung des ÖPNV-Angebots. Obwohl vergleichsweise viele Teilnehmer nie Bus oder Bahn fahren, haben sie trotzdem eine klare Meinung: Das Angebot wird bestenfalls als mittelmäßig betrachtet, samstagabends sowie sonn- und feiertags als überwiegend schlecht. Klaffen hier Image und Wirklichkeit auseinander? Der Landrat wiegt hier halbwegs unentschlossen den Kopf. Er selbst sei schon samstagabends mit Bus und Bahn von Baiersbronn nach Loßburg gekommen, und zwar "supergünstig". Andererseits seien die Bürger heutzutage vielleicht auch etwas verwöhnt und anspruchsvoll. "Im Vergleich zu Stuttgart oder Karlsruhe werden wir immer schlechter dastehen", so Rückert. Eine Halbstundentakt-Anbindung von Romsgrund und Salzenweiler werde es nie geben, scherzte der Landrat.

Anlass zu Kritik

Andererseits gebe es durchaus Anlass zu Kritik: Was Zuschüsse für den ÖPNV angeht, rangiere der Kreis Freudenstadt aktuell "im Landesvergleich eher im unteren Viertel". Gleichzeitig betonte Rückert, dass die örtlichen Busunternehmen "mit viel Einsatz und Herzblut" dabei seien, ein gutes Angebot zu schaffen, und dabei "einen tollen Job" machen. Ob es nun am Image oder am Angebot hapert: "So oder so, wir müssen was tun, entweder in der Kommunikation oder an den Verbindungen. Die Einschätzung ist natürlich nicht so prickelnd. Ich sehe das aber eher als Ansporn", so Rückert.

Wenig verwunderlich sind die Wünsche nach einem günstigeren Angebot bei gleichzeitigem Ausbau der Linien. Gerade nach Feierabend und an Wochenenden könnte sich mancher vorstellen, das Auto lieber mal stehen zu lassen. Dabei werden Buslinien in die Nachbargemeinde oder in die beiden Städte des Landkreises als wünschenswert betrachtet, wo etwas los ist, wobei es Glattener hier auch nach Dornstetten zieht. Weitere, öfter genannte Wunschziele wäre außerdem der Nationalpark und die Hochflächen an der B 500. 1616 Teilnehmer gaben an, bessere – oder einfachere? – Informationen über Verbindungen zu bekommen. Hier könnte eine App fürs internetfähige Mobiltelefon eine Lösung sein.

Ansonsten sind die Beteiligten noch dabei, die Ergebnisse sacken zu lassen und die Erkenntnisse zu verfeinern. Für Rückert überraschend sei die Tatsache, dass der ÖPNV in der Freizeit so eine große Rolle spiele. Beim Berufsverkehr spiele das Thema bei den Bürgern eine untergeordnete Rolle. Dabei gibt es hier Potenzial und Probleme. Die großen Firmen im Kreis haben Parkhäuser gebaut oder sind dabei, teure Fläche wird als Stellplatz genutzt. Es sei schwer, einen Werksverkehr zu organisieren. Der Parkplatz des Landratsamts sei im Übrigen auch regelmäßig überfüllt. Trotzdem kündigt der Landrat an, in dieser Sache Kontakt zur Wirtschaft aufzunehmen. Vielleicht lasse sich über neue Plattformen wie Mitfahrbörsen etwas erreichen.

Kosten werden steigen

Am Ende werde der ÖPNV der Zukunft die öffentliche Hand sicher mehr Geld kosten als bisher. Aber Geld sei nicht alles, auch auf gute Ideen komme es an. "Der Mix wird’s machen", ist sich Rückert sicher. Ansonsten rate er dazu, weniger mit Verboten zu arbeiten, sondern auf Anreize zu setzen, um bei der Mobilitätswende voran zu kommen. Die Stimmung im Kreistag, der die Umfrage bereits am Wochenende in einer Klausurtagung erstmals diskutiert hatte, fasst der Landrat so zusammen: "Ich habe den Eindruck, er will ran ans Thema." Ansonsten gehe es nicht darum, das Auto aus dem Kreis zu verdrängen: "Als ländlicher Raum werden wir immer einen höheren Anteil an Individualverkehr haben. Das ist auch überhaupt nicht tragisch."

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