Ein Haus in Chapagaon ist zerstört worden. Die Waisenkinder in Chapagaon müssen wegen des Erdbebens nun im Freien übernachten. Nur eine Plane bietet ihnen Schutz. Foto: Govinda

Arzt aus Alpirsbach in Nepal vor Ort. Vom Erbeben im Himalaja-Land sind zahlreiche Hilfsprojekte betroffen.

Kreis Freudenstadt - Nach wie vor steigende Opferzahlen, ein Flughafen, der zum Nadelöhr wird, eine völlig überforderte Regierung – Tage nach dem schweren Beben in Nepal kommt die Hilfe nur langsam in Gang. Davon können auch die Nepal-Helfer im Landkreis ein Lied singen.

Wie Ulrich Zanzinger. Der 81-Jährige ist Ehrenvorsitzender von "Govinda", einer Hilfsorganisation, die seit 17 Jahren in Nepal engagiert ist. Unter anderem betreibt "Govinda" ein Waisenhaus in Chapagaon, unweit der Landeshauptstadt Kathmandu. Bis zu 50 Kinder leben dort.

Hinzu kommt die "Shangrila International School". Rund 500 Kinder, quer durch alle nepalesischen Kasten, gehen dort zur Schule. Daneben treibt die Organisation in den Distrikten Jumla und Mughu das "Shangrila Community Based Integrated Development Project" voran. Ein Hilfsprojekt, dass die Lebensumstände der verarmten Landbevölkerung verbessern soll. Dieser Tage wartet der studierte Psychologe und Theologe vor allen Dingen auf eines: Neuigkeiten aus Nepal.

Zanzinger sorgte seinerzeit für die Anschubfinanzierung des in den Kinderschuhen steckenden Projekts. Damals, erinnert er sich, war er für die "Platostiftung" unterwegs. Im Auftrag des Stifters, Bert Zink, suchte er nach nachaltigen Hilfsprojekten. Zink, der Lieblingsonkel von Zanzingers Ehefrau Hanna, war von dem Konzept hinter "Govinda" rasch überzeugt. Die ersten fünf Jahre trug seine Stiftung 50 Prozent der jährlichen Unkosten. Noch heute steht "Govinda" auf der Empfängerliste der Stiftung. Und auch Zanzinger blieb dem Projekt verbunden. "Für mich war sofort klar, das ich dabei bleiben werde."­

Der Berufsschullehrer im Ruhestand hat das Projekt über die Jahre wachsen sehen, hat den Bau von Waisenhaus und Schule miterlebt, die Werbetrommel gerührt, Spenden gesammelt, Vorträge über Nepal gehalten. Nun liegt in Scherben, was über die Jahre aufgebaut wurde.

Das Waisenhaus, erzählt Zanzinger, sei stark beschädigt. Risse zögen sich durch die Fassade. "Unsere Kinder und Mitarbeiter schlafen im Freien. Wasser und Nahrungsmittel werden knapp." Doch die Kinder im Waisenhaus haben überlebt.

Was die Organisation nicht von allen ihren Schützlingen mit Sicherheit sagen kann. Mehrere Jugendliche hätten sich zum Zeitpunkt des Bebens in Kathmandu aufgehalten, von ihnen gebe es noch kein Lebenszeichen, teilt die Organisation mit. "17 ganz erfolgreiche Jahre. Und jetzt ist alles kaputt. Es ist zum heulen", sagt Zanzinger. "Aber unsere Jungs sind so stark, die schaffen das."
Hilfe für Nepal

Auch die Altensteiger Organisation "Hilfe für Nepal" betreibt mit nepalesischen Partnern in Kathmandu ein Waisenhaus, in dem aktuell 24 Kinder leben. Insgesamt, teilt die Hilfsorganisation mit, betreue man 65 Waisenkinder. Zwar konnten sich die Bewohner des Waisenhauses rechtzeitig in Sicherheit bringen, das Gebäude selbst wurde beim Beben jedoch stark beschädigt. Die Organisation berichtet von eingestürzten Säulen, zerstörten Wänden und Fenstern.

Die Volksmission Freudenstadt ist ebenfalls in Nepal engangiert. In ihrem Auftrag und dem der Bergneustädter Missionsorganisation Forum Wiedenest ist die Freudenstädter Missionarsfamilie Dick vor Ort. Hans-Martin und Susanne Dick hätten das Erdbeben mit den Kindern Phileas, Nella und Keziah unbeschadet überstanden, erklärt die Volkmission. Hans-Martin Dick arbeitet als Kinderarzt am Krankenhaus in Tansen.
Arzt aus Alpirsbach

Und auch der aus Alpirsbach stammende Mediziner Robert Exner ist mit einem siebenköpfigen Team der Allgäuer Hilfsorganisation Humedica nach Nepal gereist. Mit dabei: medizinische Hilfsgüter für 3000 Menschen. Exner ist Assistenzarzt in der Unfallchirurgie des Freudenstädter Krankenhauses, hält sich derzeit aber für längere Zeit in Thailand auf. Für seinen Sohn, erzählt Vater Joachim Exner, sei es der erste große Hilsfseinsatz. Zwei bis drei Wochen, so schätzt Joachim Exner, werde der Hilfseinsatz dauern. "Ein bisschen Sorgen macht man sich da schon. Das ist eine völlig desolate Geschichte. Die Infrastruktur in Nepal ist eine Katastrophe."

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