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Kreis Freudenstadt Christen-Rocker: Bei Prozess treffen "Black Jackets" aufeinander

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Steht derzeit in Düsseldorf vor Gericht: Turgay Y., Rocker-Größe aus dem Kreis Freudenstadt. Foto: Becker

Kreis Freudenstadt - Vor fast genau zehn Jahren sorgte die Rockerbande "Black Jackets" in Horb für Furore. Der aktuelle Gerichtsprozess vor dem Landgericht in Düsseldorf könnte sich nun als Horber Auseinandersetzung herausstellen, die eng mit diesem dunklen Kapitel der Stadt verbunden ist.

Vor Gericht angeklagt ist Turgay Y., der einen anderen Mann in Düsseldorf niedergestochen haben soll. Die Anklage lautet: versuchter Totschlag. Drei weitere Mitstreiter von Y. sind ebenfalls angeklagt. Sie stammen aus Freudenstadt, Villingen-Schwennigen und Tuningen. Was den Fall doppelt brisant macht: Auch das Opfer, Sidar A., kommt ursprünglich aus Horb. Täter und Opfer kennen sich schon lange.

Vor zehn Jahren wurde der heute 36-jährige Turgay Y. als Präsident des "Chapter Horb" der "Black Jackets" bekannt. Der Nordstetter hatte mit einigen anderen Horber "Jungs" den Rockerclan in der Heimatstadt aufgebaut. Schnell hatten sie sich ein großes Netzwerk aufgebaut, das bis in die Mitte der Gesellschaft reichte. Sie organisierten für Jugendliche eine Autogrammstunde mit dem Rapper "Massiv". "Kümmerten" sich, wie sie selbst schilderten, um Jugendliche in der Stadt, "die es in der Gesellschaft schwer hatten".

"Wir waren damals Superhelden"

Anders als andere suchten die "Black Jackets" in Horb auch den Kontakt zur Öffentlichkeit. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärten sie 2009, dass unter ihrer Regie damals keine Drogendealer mehr in der Stadt gewesen seien und sie "nur Gutes tun". "Wir haben damals den Kindergarten in Mühringen kostenlos gestrichen. Einmal wurden wir in eine Schule eingeladen und haben mit dem Rektor gesprochen. Wir waren damals Superhelden", erzählt ein ehemaliges Rocker-Mitglied.

Für Aufsehen sorgte auch ein Musikvideo der "Black-Jackets"-Rapper "Terror Hurricane" (mit Horber Mitgliedern), die zur musikalischen Hymne der Rockergruppe wurde. In einem Songtext hieß es: "Black Jackets Nummer Eins, Zuhälter, Koka-line Geld verdienen, Nase zieh’n Geld verdienen, weiter zieh’n Black Jackets überall. Wir machen Business Black Jackets Überfall, Ehre ist wichtig. Man hört uns von Weitem, wie 1000 Panzerketten. Wir starten auf den Straßen, das Knochenbrechen." Im Video waren Waffen zu sehen, die Staatsanwaltschaft ermittelte.

Was viele zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Der Horber Rocker-Präsident hatte schon eine Gefängnisstraße wegen schweren Menschenhandels verbüßt. Und er hatte 2007 einem anderen Mann ein Messer in den Bauch gestoßen. Es soll ein Machtkampf im Rockermilieu gewesen sein. Dafür wurde Y. schließlich im Herbst 2009 zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. In der Haft wurde er nach eigenen Angaben Christ und wurde nach seiner Entlassung missionarisch als Christen-Rocker tätig.

"Beim Prozess geht es nicht um Glaubensfragen"

Die Horber Black Jackets waren Geschichte, die Auseinandersetzungen blieben, wie jetzt wieder der Düsseldorfer Prozess zeigt. Y. und sein mutmaßlich späteres Messer-Opfer Sidar A. (23), der einst in der Horber Kernstadt lebte, kennen sich wohl schon lange. "Turgay war für Sidar ein Idol. Er wollte so sein wie er. Aber er war damals elf oder zwölf Jahre alt und wurde damals nicht bei den Horber Black Jackets aufgenommen", erzählt ein Mann aus dem Umfeld des Angeklagten. Und er fügt hinzu: "Im Prozess von Düsseldorf geht es nicht um Glaubensfragen. Es geht hier um die alte Black-Jackets-Zeit in Horb."

Denn aus Sidar A. wurde ebenfalls eine Rockergröße. Zusammen mit einem Freund wurde er vor einigen Jahren als "die zwei gewaltbereitesten Rocker in Baden-Württemberg" in einem Szene-Forum bezeichnet. "Immer wieder sind die beiden in Gewaltdelikte verwickelt, der sich zu einem regelrechten Feldzug mit Rache und Gegenrache entwickelt. Tribuns gegen Black Jackets – oder es geht gemeinsam gegen die Kurden, auf diese Formel lässt sich die Lage bringen", schreibt die Stuttgarter Zeitung 2018 über die beiden. Im Rocker-Forum wird geschrieben, dass A. eine Zeit lang bei den "Black Jackets" gewesen sei. Allerdings: Im Kreis Freudenstadt soll er auch mal Vize-Präsident der "United Tribuns" gewesen sein. Er verbüßte schon eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen versuchten Mordes. 2015 wurde er wegen versuchten Totschlags festgenommen.

In Düsseldorf stehen sich also zwei ehemalige Horber Rocker-Größen mit krimineller Vergangenheit gegenüber. Möglicherweise, so wurde 2018 laut Stuttgarter Zeitung in Ermittlerkreisen in Nordrhein-Westfalen vermutet, könnte es sich um den Versuch von Sidar A. gehandelt haben, im Rotlicht- und Drogenmilieu Düsseldorfs Fuß zu fassen und ein "Geschäft" zu eröffnen. Folgte Sidar A. seinem früheren Idol?

Sein Umfeld hält Turgay Y., der noch immer ein Haus in Freudenstadt gemietet hat, für unschuldig. "Die Wahrheit wird ans Licht kommen", sagt ein Bruder des Angeklagten, der in den kommenden Tagen ein Video auf der Facebook-Seite von Y. ankündigt. Es werde "entlastendes Material" enthalten.

Am Donnerstag geht der Prozess weiter.

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