Regierungspräsidentin überzeugt sich von Vielfalt und Innvoationsgeist. Herausforderungen zukunftsgerichtet angehen.
Kreis Freudenstadt - Bildungspolitisches Schlaraffenland? In Sachen beruflicher Schularten kommt der Landkreis diesem Begriff durchaus nahe. Von Vielfalt und Innovationsgeist an den beruflichen Schulen überzeugte sich Regierungspräsidentin Nicolette Kressl. Bei ihrer Tagestour durch den Landkreis wurde sie von Landrat Klaus Michael Rückert begleitet. Im Untergeschoss der Luise-Büchner-Schule stehen die Schüler der Sonderberufsschule mit gespannten Blicken vor dem Tisch der speisenden Damen und Herren. Seit dem Tag zuvor haben sie geschnippelt, gekocht und eingedeckt. Die schön hergerichteten Teller werden vor den Gästen platziert. Eine praktische Demonstration der Arbeit, die in dem beruflichen Schulzweig geleistet wird und eine, die der Regierungspräsidentin sichtlich zusagt.
"Welche Tätigkeit gefällt Ihnen denn am besten?", fragt Kressl eine junge Schülerin, die im Nachgang des Desserts in einer kurzen Präsentation das Konzept der Sonderberufsschule skizziert. "Die Großküche", meint die junge Frau selbstbewusst. Praktische Einsichten wie diese sind es, die sich die Regierungspräsidentin für den Tag auf die Fahnen geschrieben hat.
Die beruflichen Schulen im Landkreis wissen zu punkten. Vor der Mittagspause bei den gastfreundlichen Berufsschülern in Freudenstadt hatten Kressl und Klaus Michael Rückert bereits die gewerbliche und hauswirtschaftliche Schule in Horb besucht, und sich das dortige pädagogische Konzept erläutern lassen. Weiter ging es an die Heinrich-Schickhardt-Schule nach Freudenstadt. Das neue Windrad, mit dem an der Schule alternative Energie gewonnen wird, wartete dort auf die Regierungspräsidentin. Ebenso das Projekt "Neue CNC-Technik", das dem Gast aus Karlsruhe vorgestellt wurde.
Beim Mittagessen nutzen die Schulleiter Gabriele Reeb (Luise-Büchner-Schule), Jochen Lindner (gewerbliche und hauswirtschaftliche Schule Horb), Peter Stumpp (Heinrich-Schickhardt-Schule) und Armin Wüstner (Eduard-Spranger-Schule) die Gelegenheit, in informeller Runde einige drückende Themen zu platzieren. Wachsende Nachwuchs-Probleme im Handwerk, Eltern die ihre Kinder nur noch zu akademischen Ausbildungen drängen und Herausforderungen bei Kooperationen mit der Agentur für Arbeit, wenn strauchelnde Jugendliche aufgefangen werden müssen. Nicolette Kressl hört aufmerksam zu, fragt nach, und bezieht auch kritisch Position: "Für die Beratung bei der Arbeitsagentur möchte ich nicht immer die Hand ins Feuer legen."
Die Schüler, die einen Stock höher auf die Regierungspräsidentin warten, haben solche Problemstellungen für heute ausgeblendet. Sie wollen den Gästen den Schulzweig Berufsfachschule Pädagogische Erprobung (BFPE) vorstellen. Dieser ist ein Modellversuch in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium, arbeitet nach dem Gemeinschaftsschul-Konzept und soll Schülern zu einer beruflichen Einstiegsqualifizierung oder sogar einem mittleren Bildungsabschluss verhelfen. Was es letztlich wird, entscheidet sich während der Zeit im Lernverbund, in der die Schüler ihre Stärken, Schwächen und das für sie passende Niveau ausloten können.
Unterhaltsam, souverän und schlagfertig stellen die Schüler den Besuchern ihre Schulart vor, ehe die Gäste eine Tür weiter begleitet werden, wo sie die Arbeit in einer offenen Lerngruppe beobachten dürfen. Die anwesenden Fachlehrer steigen hochmotiviert in die Diskussion mit ein. Sie schildern Anfangsprobleme der neuen Schulart, beeindrucken aber vor allem durch den Innovationsgeist: "Das Konzept ist super", meint etwa Fachlehrerin Ilona Gasser im persönlichen Gespräch.
Die beruflichen Schulen im Landkreis zeigen sich von ihrer besten Seite und beweisen: Während andernorts noch über pädagogische Probleme gehadert und gejammert wird, geht man die Herausforderungen im Kreis Freudenstadt zukunftsgerichtet an. Eine gute Ausgangsbasis auch für Armin Wüstner. Er setzt den Schlusspunkt des Tages und macht sich schließlich mit dem Fachleute-Tross auf den Weg in die Eduard-Spranger-Schule, wo er Kressl die Studien- und Berufsorientierung als Qualifizierungsmaßnahme in der Berufsfachschule vorstellt.