Foto: CruiseVision

Fotografin Nadine Schäfers berichtet über die Arbeit an Bord eines Kreuzfahrtschiffes.

Wildberg - Arbeiten, wo andere Urlaub machen – und dabei auch noch Geld verdienen. Diesem Vorurteil begegnet Nadine Schäfers häufiger. Die 26-Jährige ist Fotografin auf einem Kreuzfahrtschiff und sieht so viele schöne Orte auf dieser Welt. Was die Arbeit auf einem Luxusdampfer aber wirklich bedeutet, wissen nur wenige. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt die Wildbergerin, wie es hinter den Kulissen zugeht.

Frau Schäfers, wären Sie – gerade um die Weihnachtszeit – nicht auch gerne mal wieder zu Hause?

Doch natürlich. Vor allem, weil meine Familie die Feiertage in Österreich auf einer Berghütte verbracht hat – da wäre ich schon gerne dabei gewesen.

Verspüren Sie in solchen Momenten hin und wieder Heimweh?

Ich bin nicht so der Heimweh-Typ, ganz im Gegenteil. Mir wird schnell langweilig, ich muss immer unterwegs und beschäftigt sein, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf.

Fühlen Sie sich dann nicht eingeengt auf dem Schiff? Ich nehme an, Sie haben keine üppige Kabine.

Tatsächlich habe ich nur eine zweieinhalb Quadratmeter große Kabine – aber die muss ich mir, im Gegensatz zu vielen anderen Crewmitgliedern, wenigstens nicht teilen. Außerdem bin ich kaum in meiner Kabine. Ich habe eine Sieben-Tage-Woche und arbeite auch mal mehr als zehn Stunden täglich.

Was machen Sie denn an einem gewöhnlichen Arbeitstag?

Drei weitere Fotografen und ich sind Dienstleister für die gut 2500 Gäste an Bord, wir knipsen ihren Urlaub – wenn sie das Schiff verlassen, bei den Ausflügen, bei Veranstaltungen auf dem Schiff, im Theater oder beim Abendessen. Anschließend bearbeiten wir die Bilder, erstellen Diashows für die Monitore auf dem Schiff und verkaufen die Fotos in unserer Fotogalerie. Die Ausflüge beginnen schon mal früh morgens ab 6 Uhr und die Fotogalerie ist bis 23 Uhr geöffnet. Manchmal werden wir auch für Fotoshootings oder für Hochzeiten gebucht – man kann bei uns an Bord nämlich heiraten.

Warum tun Sie sich denn so einen stressigen Job an?

Naja, es macht eben Spaß. Jeder Tag ist anders. Ich sehe innerhalb kurzer Zeit extrem viele Länder: Über Skandinavien, das Mittelmeer und die Kanaren bis hin zur USA. Außerdem ist die Gemeinschaft der rund 1000 Crewmitglieder aus 50 verschiedenen Nationen einfach toll. Jeder kennt jeden, wir sind so etwas wie eine große Familie. Nach der Arbeit trifft man sich in der Crewbar. Und wenn wir von Ausflügen zurück aufs Schiff kommen, werden wir mit den Worten "welcome home" begrüßt. Aber klar, ewig kann man es nicht machen, weil die soziale Absicherung fehlt.

Was meinen Sie damit, "die soziale Absicherung fehlt"?

Naja, ich habe eben keinen unbefristeten Arbeitsvertrag, meine Arbeitsverträge laufen immer nur wenige Monate. Das hat zur Folge, dass ich mich in der Zeit zwischen zwei Verträgen sofort selbst krankenversichern muss.

Was macht diese Arbeit und das ganze drum herum mit Ihnen und ihrer persönlichen Entwicklung?

Es hat mir geholfen, mich vor allem disziplinarisch extrem weiterzuentwickeln. Auf dem Schiff herrschen strenge Richtlinien – Verspätung oder Unordnung wird ungern gesehen, daher gibt es auch regelmäßige Kabinenkontrollen. Und ich habe gelernt, was es heißt, hart zu arbeiten und bescheiden zu sein – wir haben ja nicht viel auf dem Schiff.

Wie lange sind Sie denn jetzt schon bescheiden?

Zum ersten Mal abgelegt habe ich am 5. November 2017 – Eigentlich nur für fünf Monate, aber daraus wurden schnell neun.

Und inzwischen sogar noch mehr... Welcher Moment ist Ihnen in der langen Zeit in besonderer Erinnerung geblieben?

Ich durfte bei der Taufe und der Jungfernfahrt eines neuen Schiffes unserer Reederei dabei sein. Damals war gerade der Hamburger Hafengeburtstag. Vor dieser beeindruckenden Kulisse sind wir dann zum Song "Große Freiheit" von Unheilig zum ersten mal aus dem Hafen ausgelaufen. Da hatte ich echt Gänsehaut. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man die allerersten Gäste an Bord begrüßt und selbst zum allerersten Mal die nagelneue Kabine bezieht.

Und wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Ich bin gelernte Mediengestalterin und hatte einen Büro-Job. Diesen Job habe ich irgendwann gekündigt und mich auf eine eineinhalbjährige Weltreise begeben. Ich habe zwar danach noch mal in dem Beruf gearbeitet, hatte aber immer noch Fernweh. Eines Abends habe ich mit meiner Tante und meiner Oma Traumschiff geschaut. Irgendwie sind wir dann darauf gekommen, dass das Arbeiten auf dem Schiff auch etwas für mich sein könnte. Dass ich mich daraufhin beworben habe, habe ich meiner Familie zunächst verschwiegen, erst als die Zusage kam, habe ich es erzählt.

Und wie hat Ihre Familie darauf reagiert?

Vor allem mein Papa war wenig begeistert, dass ich meinen Bürojob wieder gekündigt habe. Meine beiden jüngeren Geschwister waren vor allem traurig. Der Rest fand es total toll und meinte ich würde "alles richtig machen".

Wann machen Sie denn mal wieder in Deutschland Halt?

Voraussichtlich im März 2019.

Und dann, geht es gleich wieder zurück aufs Schiff?

Das steht noch in den Sternen. Ich könnte mir auch vorstellen, als Fotografin in der Heimat zu arbeiten, womöglich auch als Hochzeitsfotografin. Ich habe eben einfach gern Menschen um mich herum. Aber der Abschied vom Schiff fiele mir definitiv schwer.

Viel Glück mit Ihrer Entscheidung und alles Gute für die Zukunft!

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