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Kreis Calw Vernichtendes Urteil über ÖPNV

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Calws ZOB ist ÖPNV-Drehkreuz der Kreisstadt. Foto: Rousek

Mit dem neuen Jahr sind auch neue Fahrpläne für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Kreis Calw in Kraft getreten. Von einer Verbesserung derselben spricht das Landratsamt. Von untragbaren Zuständen immer mehr Fahrgäste. Mehr lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Kreis Calw - Eine Seniorin, wohnhaft in Alzenberg, möchte in den ersten Tagen des neuen Jahres mit dem Bus in die Calwer Kernstadt fahren, um einzukaufen. Bisher fuhr auf dieser Strecke Rexer, erzählt sie, doch das Unternehmen hat ja nun seinen Betrieb eingestellt. Sie telefoniert umher, um zu erfragen, wann der nächste Bus fährt – richtige Pläne scheint es zu diesem Zeitpunkt nicht zu geben. Irgendwann erhält sie von einem anderen Busunternehmen eine Uhrzeit. Zum Glück macht sie sich rechtzeitig auf den Weg, denn der angekündigte – und offenbar einzige – Bus kommt weit früher als angekündigt. Angekommen in Calw kauft sie ein. Doch wie sie zurück nach Alzenberg kommen soll, stellt sie vor die nächste Herausforderung.

Kritik am neuen ÖPNV-Takt

Alzenberg sei komplett abgehängt, klagt die Seniorin. Sie sei schon viel auf der Welt unterwegs gewesen, doch so etwas habe sie noch in keiner zivilisierten Gegend erlebt. Gerade wenn man kein Auto besitzt und nicht mehr so gut zu Fuß ist, sei man auf Busse angewiesen, argumentiert sie. Man müsse sich darauf verlassen können, dass diese kommen – pünktlich im besten Fall. Die Frau ist den Tränen nahe, ratlos, wie sie in Zukunft aus Alzenberg fort kommen soll, um Notwendiges zu erledigen. "Und es geht nicht nur mir so."

Lesen Sie auch: ÖPNV ist das Sorgenkind des Kreises

Zum Jahresbeginn sind die neuen Fahrpläne des ÖPNV im Kreis Calw in Kraft getreten. Eigentlich hätten diese eine fundamentale Verbesserung mit sich bringen sollen. Doch weil kurzfristig 1,5 Millionen Euro im Vergleich zum eigentlichen Plan eingespart wurden, fallen die Verbesserungen nun doch etwas kleiner aus als gedacht. Laut Tobias Haußmann, Abteilungsleiter Zentrale Steuerung im Landratsamt Calw, sehen die Fahrpläne dennoch besser aus als in den Vorjahren. Im gesamten Kreis Calw soll es laut des zu Grunde liegenden Nahverkehrsplans eine flächendeckende stündliche Verfügbarkeit von ÖPNV-Angeboten geben, auch in jedem noch so kleinen Ortsteil. "Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen des Angebots in Form von festen Fahrplanfahrten und Bedarfsverkehren. Vor allem in den Abendstunden und an den Wochenenden werden überwiegend Bedarfsverkehre angeboten", erklärt Haußmann. Heißt: Man ruft spätestens eine Stunde vor der geplanten Fahrt unter der Nummer 07051/96 88 55 an, vermeldet Bedarf und dann kommt ein Bus.

In der Praxis scheint das allerdings nicht wirklich zu funktionieren. Kritik am neuen ÖPNV-Takt des Kreises kommt nämlich auch von Karlheinz Kistner. Der Bürgermeister der Gemeinde Oberreichenbach kritisiert, dass der Rufbus, der eigentlich Würzbach und Neuweiler-Agenbach bedienen soll, nicht kommt. "Würzbach und Agenbach sind zu 100 Prozent abgehängt", stellt Kistner fest. Eigentlich heißt es laut Kistner, dass der Bus aktuell auch ohne direkte Anforderung fahren solle. Doch das sei nicht der Fall.

Anberaumte Zeit ist nicht mal mit einem Auto zu schaffen

Tatsächlich gebe es derzeit technische Probleme beim Buchen der Fahrten, räumt Haußmann ein. Kommt aber zu dem Schluss: "Aus diesem Grund verkehren alle nur auf Bedarf gekennzeichneten Fahrten regelmäßig."

Von Alzenberg, Würzbach und Agenbach aus gebe es stündlich eine Fahrtmöglichkeit mit dem ÖPNV, erklärt Haußmann weiter. Zu den Hauptlastzeiten im Schulverkehr mit einem festen Bus, abseits davon würden diese Orte – sofern die Technik mitspielt – bei Bedarf bedient. In Oberreichenbach gebe es zudem einen Anschluss auf den neuen Schnellbus der Linie X63 von und nach Calw ZOB. "Somit erhalten auch die Bewohner kleinerer Orte stündlich die Möglichkeit, in die nächstgrößere Gemeinde oder Stadt zu kommen. Diese sind wiederum an zentralen Haltestellen mit Linienverkehren miteinander verknüpft."

Doch so gut sich das auch anhört, sieht Kistner Probleme bei den Zubringerlinien, zum Beispiel, wenn man von einem Teilort Oberreichenbachs nach Calw möchte. "Aktuell läuft das noch nicht", erklärt er. Gerade auf der Zubringerlinie Agenbach-Würzbach würden die Fahrzeiten nie im Leben passen. Die anberaumte Zeit schaffe er nicht mal mit dem Auto – von einem Bus, der zwischendrin noch Fahrgäste an Bord nehmen muss, ganz zu schweigen. Das Problem: In Oberreichenbach bleiben je nach Verbindung nur wenige Minuten Umsteigezeit. Das Fazit Kistners aufgrund all dieser Schwierigkeiten könnte kaum vernichtender sein: "Dann lieber kein ÖPNV, als einer, der nicht funktioniert."

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