Intensiv haben die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken und Hebammen aus den Kreisen Calw und Freudenstadt bei einem Treffen in Nagold über die berufliche Situation und Perspektiven der Geburtshelferinnen diskutiert. Foto: Recklies

Rund ein Drittel der Arbeit wird nicht bezahlt. Saskia Esken will sich für Verbesserung im Nordschwarzwald einsetzen.

Kreis Calw - Den Internationalen Tag der Hebammen am  Montag hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken zum Anlass genommen, um mit den freiberuflichen Hebammen aus den Kreisen Calw und Freudenstadt deren berufliche Situation zu erörtern. Die sieht nach Einschätzung der rund 50 in den beiden Landkreisen tätigen Hebammen aktuell nicht rosig aus.

Der Beruf stelle sich unter den derzeitigen Rahmenbedingungen eher "als ein schlecht bezahltes Hobby" dar denn als eine Tätigkeit, mit der man ein gutes Auskommen habe, wie die nach Nagold angereisten Hebammen deutlich machten.

In einem Brief an den Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will die Abgeordnete daher gemeinsam mit den Hebammen auf die Sorgen und Nöte der Berufsgruppe hinweisen und sich für einen nachhaltige Besserstellung in der Finanzierung und Absicherung der Hebammen stark machen. Denn: "Familien brauchen Hebammen, um einen guten Start der Neugeborenen ins Leben zu ermöglichen", so die Abgeordnete, die selbst drei Kinder hat und die Unterstützung der Hebammen vor, während und nach der Geburt als sehr wertvoll erlebt hat.

Vor allem der Anstieg der Haftpflichtversicherungsprämien ohne ausreichenden Kostenersatz durch die Krankenkassen macht der Berufsgruppe schon seit längerem schwer zu schaffen – in den vergangenen Jahren hat sich der Betrag verzehnfacht und zuletzt für freiberufliche Geburtshelferinnen bei bis zu mehr als 5000 Euro gelegen. Spätestens seit nun bekannt wurde, dass die Nürnberger Versicherung Mitte des Jahres als Haftpflichtversicherer für Hebammen aussteigen will, sehen viele Hebammen ihre berufliche Existenz bedroht.

"Das kommt für viele quasi einem Berufsverbot gleich, da ohne Versicherung keine Tätigkeit als Hebamme möglich ist", sagt Heike Klumpp, Vorsitzende des Kreisverbandes Freudenstadt des Deutschen Hebammenverbands.

Auch Hebammen, die ausschließlich in der Vor- und Nachsorge von Gebärenden tätig sind, litten schließlich unter dem enormen Kosten-, Verwaltungs- und Dokumentationsdruck, der in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen habe. Zu schaffen macht den Hebammen auch, dass sie an allen Wochentagen und zu fast jeder Tages- und Nachtzeit für junge Mütter und deren Kinder in Einsatz seien. Dies belaste nicht selten auch die eigene Familie. Der fehlende Nachwuchs bereitet den Hebammen ebenfalls Sorgen: Immer häufiger komme es daher zu Engpässen bei der Versorgung und Betreuung von Schwangeren und jungen Müttern.

Ein dutzend Hebammen machte bei dem Gesprächsabend auf Einladung der Abgeordneten in Nagold deutlich, wie schwierig der Beruf inzwischen geworden ist. Für sie steht daher außer Frage: wenn die Hebammenversorgung gesichert bleiben soll, muss die Politik schnell für eine Lösung sorgen. "Und dafür ist es fünf vor zwölf", unterstrichen die Hebammen, die laut Claudia Plappert heute "rund ein Drittel ihrer Arbeit nicht vergütet bekommen".

Esken will sich daher weiter gemeinsam mit den Hebammen für Verbesserungen einsetzen. Schon in Kürze soll ein Brief an den Bundesminister verschickt werden. Denn nur wenn sich dauerhaft etwas ändere, könne auch gewährleistet werden, dass die in Deutschland laut Hebamme Annette Zehle "europaweit zumindest bestgedachte Versorgung durch Hebammen" auch weiterhin gegeben sei.

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