Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Kreis Calw Scool-Abo: "Verbesserung der Mobilität"

Von
Der Kreis Calw verbessert die Mobilität bei Bus und Bahn. Foto: Kasto – stock.adobe.com

Kreis Calw - Im Verkehrsverbund Stuttgart gibt es das Scool-Abo schon seit 2013, nun zieht auch der Kreis Calw nach: Künftig sollen Schüler einen Monat lang für 41 Euro im gesamten VGC-Netz Bus und Bahn nutzen können – rund um die Uhr.

Das Timing schien ideal: Deutlich länger als gedacht dauerte der Termin von Landrat Helmut Riegger (CDU) beim Kommando Spezialkräfte in der Graf-Zeppelin-Kaserne, weshalb zunächst sein Stellvertreter Frank Wiehe die Sitzung des Verwaltungs- und Wirtschaftsausschusses des Kreistags leitete. Doch kurz bevor das Gremium sich mit der Einführung eines Scool-Abos im Landkreis Calw beschäftigte, öffnete sich die Tür des Sitzungssaals und der Landrat kam herein. Der Stolz, ausgerechnet diesen Punkt der Tagesordnung leiten zu dürfen, war ihm im Gesicht anzusehen: "Endlich können auch wir ein Scool-Abo anbieten. Das ist mir persönlich ganz wichtig. Es ist eine deutliche Verbesserung der Mobilität in unserem Landkreis."

Finanzielle Entlastung für Eltern

Tatsächlich ist der Landkreis Calw spät dran. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) führte das Scool-Abo bereits 2013 ein. Bis dahin durften Schüler ihre Monatskarten erst ab 12 Uhr im gesamten VVS-Netz. Vor 12 Uhr galt die Karte nur in der Tarifzone, in der ihr Wohnort und ihre Schule liegt. So wollen es nun auch der Landkreis Calw und die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw (VGC). Dass der VVS dafür das Vorbild ist, merkt man schon am Namen, denn auch im Kreis Calw soll dieses Angebot Scool-Abo heißen. Die Einführung ist mit Beginn des Schuljahres 2021/22 geplant.

Mit dem Scool-Abo haben nicht nur die Schüler im Kreis Calw den Vorteil, mit ihrer Monatsfahrtkarte das gesamte VGC-Netz schon vor 12 Uhr nutzen zu dürfen. Für die Eltern könnte es mitunter auch eine finanzielle Entlastung bei der Selbstbeteiligung mit sich bringen. Bislang müssen sie für die Schulfahrkarte ihres Kinder monatlich zwischen 41 Euro (eine Tarifzone) und 57 Euro (acht und mehr Tarifzonen) bezahlen. Diese Staffelung entfällt beim bislang favorisierten Modell B ab 2021. Dann müssten sich Eltern generell nur noch mit 41 Euro beteiligen – unabhängig davon, wie viele Tarifzonen zwischen Wohn- und Schulort liegen. Eltern von Grundschülern bleiben bei der Schülermonatskarte weiterhin eigenanteilsfrei, gleiches gilt bei Schülern, die sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren besuchen.

Für die VGC und ihre Verkehrsunternehmen bedeutet die Einführung des Scool-Abos nach dem favorisierten Modell B laut ihren Berechnungen einen jährlichen Einnahmen-Ausfall von 380.000 Euro. Dieser sei nicht nur darauf zurückzuführen, dass bei der Selbstbeteiligung künftig nur noch einheitlich der bislang niedrigste Tarif von 41 Euro gilt. Auch verkaufe die VGC dann keine Gruppentickets mehr, wenn Schulklassen einen Ausflug unternehmen – denn das Scool-Abo gilt ja bereits am Vormittag.

Den berechneten Einnahmen-Ausfall von 380.000 Euro würde der Landkreis übernehmen. Nicht entstehen würde das Defizit bei der Einführung des alternativen Modells A, das eine Eigenbeteiligung der Eltern von 44 Euro pro Monat vorsieht – zumindest auf dem Papier. Michael Stierle, im Landratsamt zuständig für den ÖPNV, warnte jedoch den Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags: Bei den Schülermonatskarten liege eine "sehr hohe Preissensibilität" vor. Schon heute würden Eltern die Fahrkarten in Monaten zurückgeben, in denen beispielsweise zwei Wochen Ferien sind. Ein Unterschied von drei Euro könne ausschlaggebend sein. Springen viele Eltern ab, stimmt die Berechnungsgrundlage nicht mehr und es entsteht dennoch ein Defizit.

ÖPNV soll attraktiver werden

Kreisrat Johannes Schwarz (Grüne) stellte sich hinter das vorgeschlagene Modell B und gab zu bedenken, dass man mit den 41 Euro bereits an der Obergrenze liege. Im Kreis Freudenstadt koste ein vergleichbares Angebot nur 31 Euro, im Kreis Rottweil bis zu 37 Euro und im Enzkreis 41 Euro. Das Scool-Abo für das gesamte VVS-Netz kostet 43,20 Euro. Schwarz: "Die 41 Euro sind strukturpolitisch im Wettbewerb um junge Familien der richtige Betrag."

Rainer Prewo (SPD) merkte an: "Die Schüler sind es, die bei uns den ÖPNV stabilisieren. Das darf man nicht vergessen." Zudem sprach sich der frühere Nagolder Oberbürgermeister dagegen aus, zugunsten des Scool-Abos anderswo an der Preisschraube zu drehen: "Wenn wir diese Flatrate einführen und dafür die Tarife erhöhen, werden wir Absprünge haben. Dann haben wir Nachteile bei der Gesamtfinanzierung des ÖPNV. Und außerdem würde das auch überhaupt nicht in die Landschaft passen."

Ebhausens Bürgermeister Volker Schuler (Freie Wähler) befürwortete die Einführung des Scool-Abos als Maßnahme, den ÖPNV attraktiver zu machen, verdeutlichte aber auch, dass dies eine reine finanzielle Maßnahme sein: "Strukturell verbessern wir damit nichts." Zudem machte Schuler klar, dass die Finanzierung letztendlich an den Kommunen im Landkreis hängen bleibe: "Die Gegenfinanzierung ist Null und die Gegenfinanzierung wird wahrscheinlich über die Kreisumlage stattfinden. Das gehört zur Wahrheit dazu." Dennoch brachte der Ebhausener Bürgermeister ein weiteres Angebot ins Spiel und warb dafür, die Einführung eines subventionierten Studenten-Abos nach Tübingen und Pforzheim zu prüfen. "Uns ist es lieber, wenn die Studenten hier bei uns im Kreis Calw wohnen bleiben", so Schuler.

Artikel bewerten
1
loading

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.