Bei ihrer Großaktion gegen eine litauische Bande stellte die Polizei zahlreiches Diebesgut sicher. Foto: Polizei

Einbruchserie im Kreis Calw aufgeklärt: Bei einer internationalen Polizeiaktion wird auch Wohnung in Nagold durchsucht.

Kreis Calw/Nagold - Spekuliert wurde vor und hinter den Kulissen schon länger darüber – seit Mittwoch ist es öffentliche Gewissheit: Die auffällig vielen Autoaufbrüche in diesem Sommer und auch im Herbst letzten Jahres im Kreis Calw gehörten wohl zu einer Einbruchserie.

Und zwar zu einer besonders großen sogar: Am Mittwoch lief eine internationale Durchsuchungs- und Verhaftungsaktion an mehreren Orten in Deutschland und in Litauen, bei der Kräfte der deutschen Bundes- und Landespolizei sowie der litauischen Polizeibehörden insgesamt acht Mitglieder einer litauischen Diebes- und Hehlerbande verhaften konnten. Durchsucht wurde in diesem Zusammenhang auch ein Objekt im Bereich Nagold, das nach Auskunft der für Deutschland federführenden Staatsanwaltschaft Kiel als Unterschlupf und Stützpunkt der Diebesbande gedient haben könnte.

Wie das Polizeipräsidium Karlsruhe in einer eigenen Veröffentlichung zu diesem Fall weiter mitteilte, waren Beamte des Kriminalkommissariats Calw bereits seit einigen Monaten in die länderübergreifenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel und der Kriminalpolizei Norderstedt miteinbezogen. Die Durchsuchungen gestern in Nagold führten demnach acht Beamte des Kriminalkommissariats Calw, zwei Beamte der Kriminalpolizei Norderstedt und insgesamt elf Beamte der Bundespolizei durch. Ergebnisse der Durchsuchung wurden zwar noch nicht veröffentlicht, aber für die Ermittlungsbehörden gilt es als sehr wahrscheinlich, dass die den Ermittlungen nach insgesamt 20-köpfige litauische Diebesbande auch für insgesamt 79 Fahrzeugaufbrüche im Herbst 2014 und im Sommer 2015 im Landkreis Calw verantwortlich ist.

Täter auf hochwertige Autoteile spezialisiert

Zuletzt waren die mutmaßlichen Täter Ende September in der Region in Erscheinung getreten, so während eines nächtlichen Raubzugs durch Vollmaringen und ein paar Tage zuvor in Ebhausen. Ziel waren in beiden Fällen privat abgestellte, zum Teil unverschlossene Fahrzeuge, aus denen vor allem herumliegendes Bargeld, Navigations-Geräte und leicht transportierbare Werkzeuge gestohlen wurden. In beiden Fällen wurde auch jeweils ein Fahrzeug älterer Bauart für den Abtransport der Beute entwendet, was zum typischen Profil der Serien-Einbrecher gehörte. Vermutet wird von Seiten der regionalen Ermittler auch, dass die Täter für gezielte Einbrüche in Autohäuser und bei regional ansässigen Zulieferern der Automobil-Industrie verantwortlich sein könnten, da das zum Profil der Raubzüge der Diebesbande in Norddeutschland passen würde. So hatte sich die Tätergruppe unter anderem im Großraum Bremen auf den Raub von hochwertigen Kraftfahrzeugteilen aus auf der Schiene transportierten Neufahrzeugen spezialisiert, die sie dort ausbauten und entwendeten.

Insgesamt werden der Bande derzeit rund 600 Straftaten mit einem Gesamtschaden von 1,5 Millionen Euro zur Last gelegt. Allerdings könnte sich diese Liste bis zum Abschluss der Ermittlungen noch deutlich erweitern. Als Drahtzieher der Taten soll nach derzeitigem Ermittlungsstand ein 36-jähriger litauischer Staatsangehöriger fungiert haben, der bereits mehrfach sowohl in Deutschland als auch in Litauen wegen schwerer Straftaten in Erscheinung getreten sei. Dieser Beschuldigte soll die jeweiligen Einbrecher-Gruppen, zu denen jeweils zwei bis drei Mann gehörten, vor Ort in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg koordiniert und auch die Absatz- und Vertriebswege der Beute organisiert haben. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Kiel wurde dieser Hauptverdächtige ebenfalls gestern in Litauen dingfest gemacht und verhaftet.

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