Philipp Göhner, Erstkandidat, und Franziska Gutekunst, Zweitkandidatin, sind für die Landtagswahl 2021 nominiert. Foto: Tröger

Mitglieder nominieren Erstkandidaten des Wahlkreises 43. Franziska Gutekunst wird Vertreterin.

Schömberg - Im nahtlosen Anschluss an die Kreismitgliederversammlung des SPD-Kreisverbands Calw nominierten die anwesenden Mitglieder Philipp Göhner als Erstkandidaten des Wahlkreises 43 für die Landtagswahl 2021. Als Zweitkandidatin erhielt Franziska Gutekunst das Placet der Versammlung.

Mit einer engagierten Rede stellte sich der 25-jährige Philipp Göhner vor. Er ist Steueramtsleiter und stellvertretender Leiter der Finanzverwaltung in Schömberg. "Es ist nicht meine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist jedoch meine, wenn sie bleibt, wie sie ist." Mit diesem abgewandelten Zitat aus einem Lied der Band "Die Ärzte" begründete Göhner sein politisches Engagement schon als Jugendlicher, das ihn 2016 zum Eintritt in den SPD-Ortsverein Marbach führte.

Nach dem Studium an der Verwaltungshochschule Ludwigsburg trat er 2019 seinen Dienst in Schömberg an, was den Umzug nach Bad Liebenzell mit sich brachte. Seit Mai 2019 ist er als Beisitzer im dortigen SPD-Ortsverein im Vorstand aktiv. "Ich bin der erste, der in unserer Familie das Gymnasium besucht hat", sagte Göhner und zeigte damit auch gleich einen Schwerpunkt, dem er sich auf Landesebene widmen will: der Kinderbetreuung und der Chancengleichheit in der Bildung.

Bezahlbarer Wohnraum sei eine Herausforderung in Stadt und im ländlichen Raum. "Der Markt hat hier versagt." Deshalb brauche es eine Landesregierung mit SPD-Beteiligung, sie könne hier etwas in die richtige Richtung bewegen. Umweltschutz müsse rot gedacht werden, sonst führe er zur Spaltung der Gesellschaft. Das vor kurzem von der Landesregierung beschlossene Klimaziel reiche nicht, "hier bröckelt der grüne Anstrich." Auf jedes öffentliche Dach müsse ein Photovoltaik-Anlage, der Ausbau von Windenergie und Biogas-Anlagen sei zu fordern und voranzutreiben. Die Kommunen seien das Herzstück und die Stützen des Staates. Deshalb müsse das Land die Gemeinden für die Aufgaben, die es ihnen überträgt, auch finanziell unterstützen. Der Kampf gegen Rechtsextremismus sei zentrale Forderung der Sozialdemokratie. "Wir müssen dafür sorgen, dass dieses Krebsgeschwür ein für alle Mal rausgeschnitten wird", forderte er leidenschaftlich.

Franziska Gutekunst präsentierte sich nicht weniger engagiert. Die 33-jährige verheiratete Mutter dreier Kinder ist von der Ausbildung her Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeitete zuletzt in der GWW (Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten Calw) in der Betreuung schwerbehinderter Menschen. Seit 2007 ist sie Mitglied im SPD-Ortsverein ihrer Heimatgemeinde Schömberg. Sie ist ehrenamtliche Trainerin beim WSV Schömberg und als Elternvertreterin engagiert.

"Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Corona-Krise sind in nahezu jedem Lebensbereich spürbar", so Gutekunst. Deshalb setze sie sich dafür ein, unabhängig von der Krise, allen Bürgern eine gleichberechtigte soziale und kulturelle Teilhabe und Integration zu ermöglichen.

Die Stärkung der Arbeitnehmerrechte und die Sicherung von Arbeitsplätzen seien dafür wichtige Voraussetzungen, auch für sozialen Frieden. Die Krise habe auch die Schwächen des Bildungssystem und die noch immer vorhandene Schieflage in der Gleichbehandlung von Mann und Frau, sowohl in der Familie wie im Beruf, aufgezeigt, so Gutekunst. Hier gebe es Handlungsbedarf, und weiter will sie sich für gebührenfreie Kitas einsetzen.

Klimaschutz, Ausbau der erneuerbaren Energien sowie ausreichende medizinische Versorgung auch im ländlichen Raum sind ihr weitere wichtige Anliegen in ihrer politischen Arbeit.

"Ich bin sehr, sehr begeistert von Euren so ungleich mutigen, engagierten und haltungsstarken Vorstellungen", freute sich die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken. Sie war per Video aus Calw zugeschaltet, wo sie sich in selbstverordneter Quarantäne befindet. "Ich freu mich total, dass zwei so tolle junge Leute hier antreten. Das ist auf jeden Fall eine Alternative zu den anderen Parteien", war Christa Templ, die Kassiererin des SPD-Kreisverbands Calw, sicher. Und dessen Vorsitzender Andreas Reichstein pflichtete bei: "Das war unser Ziel, frisches Blut für den Landtag." Eine weitere Wortmeldung nahm die ganze Versammlung in die Pflicht: "Tolle Reden – klasse, dass wir nach vorne schauen. Aber wir alle müssen diese beiden nach Kräften unterstützen. Es kommt auf uns alle an."

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