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Kreis Calw ist Corona-Hotspot Diese Maßnahmen sollen Ausbreitung reduzieren

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Der große Sitzungssaal des Landratsamtes wird zum Call-Center umgebaut. Foto: Bernklau

Kreis Calw - Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter. Der Landkreis Calw ist seit Dienstag "Hotspot". Die Führungsriege des Landratsamtes hat gemeinsam mit allen 25 Bürgermeistern des Landkreises Maßnahmen beschlossen, mit denen man dieser Entwicklung begegnen will. Besonders im Fokus: die junge Generation und auch der Sport.

Die Nachricht kam um 18 Uhr aus dem Landratsamt: Im Landkreis Calw wurden am Dienstag, 20. Oktober, 14 neue Infektionen mit dem Coronavirus bekannt. Dadurch ergibt sich für den Kreis eine Neuinfektionsrate pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen von rund 50,7. Somit überschreitet der Landkreis Calw den kritischen Grenzwert für die sogenannte Eingriffsstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

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In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Landratsamt hatten zuvor Landrat Helmut Riegger, sein Stellvertreter Frank Wiehe und Karen Zwick-den-Boer vom Gesundheitsamt über die Maßnahmen, mit denen Landkreis und Bürgermeister dieser Entwicklung begegnen wollen, informiert. Dabei ließ Landrat Riegger keinen Zweifel darüber aufkommen, dass man diese Regelungen und auch die Corona-Vorschriften von Bund und Land konsequent durchsetzen werde. "Wir meinen es sehr, sehr ernst", machte Riegger unmissverständlich deutlich.

Vorerst keine Sperrstunde in Gastronomie

Die erste beschlossene Maßnahme betrifft die Alten- und Pflegeheime. Dort wird die Zahl der Besucher auf zwei pro Tag pro Bewohner beschränkt. Diese Beschränkung sei "zumutbar", sagte Landratsvize Frank Wiehe, und man werde alles tun, um die Beschränkungen moderat zu halten.

Als zweiten Punkt gilt ab sofort ab 23 Uhr ein Außenabgabeverbot von Alkohol – etwa an Tankstellen. Von einer Sperrstunde für die Gastronomie war nicht die Rede. Darüber hinaus werden Kreis und die Polizeibehörden der Kommunen die Einhaltung der Corona-Regeln intensiver als bisher kontrollieren.

Besonders im Blick hat man da Sportanlagen und größere Sportveranstaltungen – etwa Fußballspiele –, die Vereinsheime, die Bauwägen im Kreis sowie touristische Hotspots wie den Baumwipfelpfad in Bad Wildbad. Zu diesem Thema gibt es am Mittwoch auch noch ein Treffen des Landkreises mit Vertretern von Dehoga, Sportkreis, Kreisjugendring und einer Vertreterin der Bauwagenfreunde im Kreis Calw, um die Einhaltung der Corona-Regelungen zu besprechen. "Die Regel ist doch einfach: Den nötigen Abstand halten und wo dies nicht möglich ist, Maske auf", fasste Wiehe die Landesverordnung zusammen.

Kommunale Räume werden nicht mehr vermietet

Als weiteren Beschluss verkündete Riegger, dass kommunale Räume bis auf weiteres nicht mehr für private Feiern vermietet werden dürfen.

Riegger und Wiehe machten bei der Pressekonferenz deutlich, dass man in der aktuellen Lage besonders die jungen Leute im Blick habe. Aber auch die Vereine nahm die Landkreisspitze in die Pflicht. Die müssten die Abstands- und Hygieneregeln konsequent umsetzen. Passiere das nicht, könne man den Sport so nicht mehr weiterlaufen lassen, mahnte der Stellvertreter des Landrats.

Landratsamt arbeitet am Anschlag

Derweil hat die Corona-Krise massive Auswirkungen auf die Arbeit des Landratsamtes. Vor allem die Rückverfolgung der Kontakte von positiv Getesteten bindet eine enorme Menge an Arbeitskraft. "Wir arbeiten da wirklich am Anschlag", so Frank Wiehe.

Bei einer Zahl von 15 positiven Fällen am Tag komme man auf etwa 450 Kontaktpersonen, die man informieren müsse, so Karen Zwick-den-Boer, die die durchschnittliche Dauer eines Informationstelefonats mit 30 Minuten angibt. Um das alles zu bewältigen, braucht der Landkreis mehr Personal in diesem Bereich. Inzwischen mobilisiert der Landkreis dafür enorm viel Personal aus den eigenen Reihen aus anderen Abteilungen. Darüber hinaus holt man sich auch neue Leute von außen. Die Bundeswehr hat bereits zugesagt, dem Landkreis mit fünf Personen auszuhelfen. Von den Gemeinden sollen weitere zehn bis 14 Personen dazustoßen.

Thema hat für Landrat absolute Priorität

Das alles hat dazu geführt, dass das Landratsamt aus allen Nähten platzt, alle Besprechungsräume sind voll belegt. Daher hat man nun den Entschluss gefasst, den großen Sitzungssaal im neuen Gebäude C komplett zum Call-Center umzubauen. Für Riegger hat das Thema Corona absolute Priorität. Alles, was nicht notwendig ist, werde in dieser Situation geschoben, verkündete er am Dienstag.

Was das aktuelle Infektionsgeschehen angeht, habe man es mit einem sehr diffusen Geschehen zu tun, berichtete Karen Zwick-den-Boer vom Gesundheitsamt. Man habe Infektionen in Alters- und Pflegeheimen – so gebe es aktuell einen besonders gravierenden Fall in Bad Herrenalb –, in Schulen, Kindergärten und auch nach Geburtstags- oder anderen Feiern.

Krankenhäuser behandeln wieder vermehrt Corona-Patienten

Die steigende Zahl an Infektionen hat auch dazu geführt, dass die beiden Krankenhäuser in Calw und Nagold wieder vermehrt Corona-Patienten und Verdachtsfälle behandeln. Am Dienstag gab es nach Angaben von Alexandra Freimuth, Regionaldirektorin des Klinikverbunds Südwest, im Nagolder Krankenhaus sieben positive Fälle und zwei Verdachtsfälle. Einer davon werde auf der Intensivstation beatmet. In Calw befindet sich ein positiver und zwei Verdachtsfälle. Beatmet werden muss in Calw kein Patient. Darüber hinaus hat sich die Zahl der Menschen, die die Fieberambulanzen der Kliniken nutzen, massiv erhöht – in den vergangenen Wochen um das Vierfache.

Aktuell gilt in den Kliniken eine Beschränkung des Besuchs: ein Besucher pro Patient am Tag. Die Verhängung eines generellen Besuchsverbots, wie dies andere Kliniken in Baden-Württemberg bereits erlassen haben, ist beim Klinikverbund aktuell kein Thema. Und auch eine Einschränkung der elektiven Eingriffe sei derzeit nicht geplant. Das wolle man "lageabhängig" regeln. kündigte Freimuth an.

Angesichts der Lage komme es jetzt auf jeden Einzelnen an, um die Pandemie zu meistern, so Landrat Riegger. "Wir sind wir darauf angewiesen, dass nicht unbedingt erforderliche Zusammenkünfte unterlassen und die bekannten Abstands- und Hygieneregeln sowie angeordnete Quarantänemaßnahmen konsequent eingehalten werden", mahnt der Kreischef, für den die nun geltende erweiterte Maskenpflicht ein wichtiges Instrument zur Eindämmung des Coronavirus darstellt.

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