Bis die S-Bahn nach Calw fährt sind noch viele Fragen zu klären – auch was die Finanzierung angeht. Foto: Fritsch

50-Millionen-Projekt noch mit vielen Fragezeichen. Anteile der Anrainerkommunen strittig. Landrat : "Wir fahren bis Renningen."

Kreis Calw - Die gute Nachricht: Die geplante Hermann-Hesse-Bahn hat die Hürde der so genannten "Standardisierten Bewertung" genommen und ist damit förderfähig. Die schlechte Nachricht: Wer das rund 50 Millionen Euro teure Infrastrukturprojekt bezahlen soll, ist nach wie vor offen. Sollte das Land, wie erhofft, für dieses kommunale Schienprojekt des Kreises Calw in den Fördertopf greifen, werden allenfalls 50 Prozent der Gesamtinvestitionen subventioniert und zugleich die Zuschüsse gedeckelt. Als "unerfreulich" kritisierte CDU-Fraktionschef Jürgen Großmann die beschlossene Reduzierung der Zuschussquote des Landes von 75 auf 50 Prozent und zugleich die Zuschussdeckelung. Damit hätten die Kommunen das volle Kostenrisiko bei solchen Projekten zu tragen.

Für Michael Stierle, bei dem im Landratsamt die Fäden in Sachen S-Bahn zusammenlaufen, steht schon dieser Zuschüsse wegen eine Verkürzung der S-Bahn nur bis Weil der Stadt (statt wie geplant nach Renningen) nicht zur Debatte, weil, so erklärte er im Kreistag, zu viel Fahrgäste verloren gingen und damit das Projekt seine Förderfähigkeit einbüße. "Wir fahren bis Renningen!", erklärte Landrat Helmut Riegger kategorisch.

Man sei mit Vertretern des Nachbarkreises Böblingen in konstruktiven Gesprächen, sei aber nicht bereit, sich belehren zu lassen: "Es gibt immer jemand, der das Signal gerne auf Rot stellen würde. Ich werde nicht im Bremserhäuschen sitzen. Ich werde das Gaspedal drücken", meinte Riegger mit Blick auf die Querschüsse aus dem Nachbarkreis, vor allem aus Renningen.

Bislang gibt es weder vom Land eine Förderzusage noch mit dem Landkreis Böblingen eine Übereinkunft bei der Co-Finanzierung. Während die Verhandlungen laufen, hat der Böblinger Kreistag ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob der Landkreis Böblingen von der Hermann-Hesse-Bahn überhaupt profitiert.

Strittig ist auch der Anteil, den die drei Anrainerkommunen Calw, Althengstett und Ostelsheim aufbringen sollten. Von insgesamt zwölf Millionen war die Rede, davon müsste allein die Stadt Calw – nach einem Einwohnerschlüssel berechnet – gut zwei Drittel, also acht Millionen Euro, stemmen. Calws Stadtoberhaupt Ralf Eggert hatte jüngst gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass diese Summe seine Stadt überfordere. "Sie müssen sehen, dass wir eine sehr, sehr arme Stadt sind", warb FWV-Kreisrat Dieter Kömpf, der auch im Calwer Gemeinderat sitzt, für die Haltung seines Oberbürgermeisters. Aber selbstverständlich sei die Stadt Calw bereit, ihren Beitrag zu leisten, betonte Kömpf. Dankbar nahm Landrat Riegger diese Klarstellung zur Kenntnis: "Bislang hat das von Vertretern der Stadt anders geklungen."

SPD-Fraktionschef Rainer Prewo mahnte die Kreisverwaltung, jetzt ihre Hausaufgaben zu machen und sich mit den Geldgebern zu einigen: "Auf der Zielgeraden", meinte er mit Blick auf die offenen Finanzierungsfragen, "ist etwas anderes."

FWV-Kreisrat Clemens Götz, Bürgermeister der Anrainergemeinde Althengstett, konstatierte derweil, dass die ganze Schwarzwaldregion von dieser S-Bahn profitieren würde und verwies auf die Modellrechnung beim Bau der Enztalbahn, wo die Anrainerkommunen nur 7,5 Prozent der Kosten hätten tragen müssen. Bei der Hesse-Bahn wäre ihr Anteil mehr als drei Mal so groß.

"Eine S-Bahn ist das Lukrativste, was Anrainergemeinden bekommen können", hielt Sozialdemokrat Prewo entgegen, "die Bauplätze, die diese Gemeinden verkaufen können, schnellen in die Höhe." Vielleicht, so sinnierte Prewo, müsse man in diesem Fall eine Denkpause einlegen, bis sich die drei Gemeinden im Klaren seien, wie viel sie zu zahlen bereit seien.

Landrat Riegger setzt weiter auf Verhandlungen und gab sich im Kreistag optimistisch: "Wir sind dran – mit Geschlossenheit, Entschiedenheit und Klarheit. Dann kriegen wir sie (die S-Bahn) auch."

u Die geplante Hermann-Hesse-Bahn (HHB) ist eine kommunale S-Bahn, die auf der Strecke der Württembergischen Schwarzwaldbahn und teils auch auf der DB-Bahnstrecke die Stadt Calw mit Renningen verbinden soll.

u Die Fahrzeit zwischen den beiden Städten beträgt 23 Minuten, von Calw nach Sindelfingen braucht der Fahrgast 42 Minuten, zum Stuttgarter Hauptbahnhof 60 Minuten.

u In Renningen gebe es optimale Anschlüsse an die beiden S-Bahnen S 6 und S 60, die Anschlüsse an die Kulturbahn in Calw seien allerdings noch optimierungsbedürftig, meinte Michael Stierle vom Landratsamt.

u 2800 Fahrgäste, so wird prognostiziert, werden die HHB täglich nutzen.

u Die kommunale S-Bahn kostet 48 Millionen Euro im Dieselbetrieb und 57 Millionen, falls sie elektrisch betrieben werden sollte.

u Das Land bezuschusst solche Projekte mit maximal 50 Prozent (bezogen auf die Investitionen), beteiligt sich auch an den Planungskosten.