Unter anderem weil im Niederzonenbehälter „Weingärten“ mittlerweile verbotene Materialien verbaut sind, muss die Kommune ihn sanieren. Dafür wird mehr als eine halbe Million Euro fällig.
50 Jahre ist der Niederzonenbehälter (NZB) „Weingärten“ mittlerweile alt. In zwei Kammern stehen dort insgesamt 500 Kubikmeter Trinkwasser bereit. Im April gab die Kommune eine werkstofftechnologische Untersuchung des Behälters in Auftrag. Ingenieur Björn Weller vom Büro Eppler stellte die Ergebnisse nun im Gemeinderat vor.
Alte, nicht mehr benötigte Pumpen sollten abgebaut werden, ebenso nicht mehr genutzte Rohre, erklärte Weller. Auch eine neue Entlüftungsanlage sei notwendig. Die verhindere einen Über- oder Unterdruck im Gebäude. Das sei „sicherheitsrelevant“, so der Gutachter. Es sei schon vorgekommen, dass Personal wegen Über- oder Unterdruck einen Behälter nicht mehr hätte verlassen können. Eine solche Anlage sei auch für den Hochbehälter „Hohe Halde“ nötig. Außerdem gebe es Rost an der Decke der Wasserkammer im NZB. Und die Leitern in den Becken müsse man austauschen sowie die beiden Kammern baulich trennen.
Deutlich über dem Grenzwert
Dramatischer klang aber, was Weller dann erklärte. Zum einen beinhalte der Faserzement der Säulen in der Wasserkammer Asbestüberreste aus der Bauzeit. Die Untersuchung habe hier einen Asbestmassengehalt von bis zu 20 Prozent ergeben. Dass entspricht der VDI-Mengenklasse 3. Außerdem enthalte der grünliche Anstrich im Einstiegsbereich des linken Beckens polychlorierte Biphenyle (PCB) – und zwar in einer Konzentration von 11,1 Milligramm pro Kilogramm Originalsubstanz. Der Grenzwert liegt hier bei 0,1.
Verwendung von Asbest seit 1993 in Deutschland verboten
PCB stehen im Verdacht krebserregend zu sein und sind seit 2001 laut der Stockholmer Konvention verboten. Asbest wird vom Umweltbundesamt als krebserregend eingestuft. In Deutschland ist die Verwendung seit 1993 verboten. Haben die Ostelsheimer also die vergangenen 50 Jahre mit Giftstoffen belastetes Trinkwasser getrunken?
Weller gibt Entwarnung. Die PCB seien nie mit dem Wasser in Berührung gekommen, erklärte er auf Nachfrage. Die Farbe befinde sich ja lediglich im Einstiegsbereich. Die Abblätterungen seien wohl auf die regelmäßigen Reinigungsarbeiten zurückzuführen und in dem Zuge dann auch entfernt worden. Und zwar bevor das Becken wieder mit Trinkwasser befüllt wurde. Zu einer Belastung des Trinkwassers sei es deshalb nicht gekommen.
Gefahr beim Einatmen, nicht beim Verschlucken
Mit den asbesthaltigen Säulen habe das Trinkwasser zwar Kontakt gehabt, so Weller weiter. „Es besteht jedoch erst Gefahr, wenn es bricht“, erklärte er weiter. Sowohl das Bundesgesundheitsamt als auch die Weltgesundheitsorganisation halten Asbest im Trinkwasser allerdings für unbedenklich. Gefahr besteht beim Einatmen, nicht beim Verschlucken.
Was sagt die Schwarzwaldwasserversorgung?
Auch der stellvertretende Betriebsleiter der Schwarzwaldwasserversorgung Martin Krauth beruhigt. Das Wasser im NZB werde regelmäßig getestet. Bei diesen Analysen seien keine Grenzwerte überschritten worden. Explizit auf Asbest und PCB werde jedoch nicht getestet. „Asbest löst sich aber nicht einfach ab“, erklärte er. „Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel“, so Krauth. Die Ostelsheimer müssten sich keine Sorgen machen.
Wasser wird trotz Bauarbeiten nicht knapp
Diese beiden Stoffe seien vor allem bei Abbruch und Entsorgung der Materialien relevant, zum Schutz von Natur und Arbeitern, so Krauth. Das bestätigt auch Weller. Diese Arbeiten sollen im Herbst 2024 beginnen, so der Ingenieur. Pro Kammer rechne er mit einer Bauzeit von dreieinhalb Monaten. „Bis April wird es dauern“, meinte Weller. Auch wenn der NZB während der Baumaßnahme kein Wasser enthält, werde das Wasser in Ostelsheim nicht knapp. Man setzte die Maßnahme in der kalten Jahreszeit um. Da bräuchten die Menschen weniger Wasser, so Weller. Die Ostelsheimer würden von den Arbeiten nichts merken.
Die Kosten der Sanierung belaufen sich insgesamt auf gut 511 000 Euro. Der Gemeinderat entschied sich einstimmig dafür.