Der Künstler und Fotograf Joey Schubert produziert seine ausdrucksstarken Bilder mit aufwendigen technischen Verfahren. Der 38-Jährige hat einen Masterabschluss in Virtueller Realität. Foto: Nadja Varsani

Joey Schubert verarbeitet in Fotos die Endlichkeit. Der Künstler erzählt von seinem Werdegang.

Vieles in Joey Schuberts Werk kreist um die Endlichkeit. Schon beim Betreten seines Büros wird das spürbar. In einer Vitrine stehen Schädel von Maus bis Hirsch, daneben Knochen, Zähne und Geweihe – Motive, die sich in vielen seiner Arbeiten wiederfinden. Seine Verbindung zur Natur wirkt beinahe selbstverständlich.

 

„Ich liebe den Wald hinter meinem Haus. Er ist Teil meiner Heimat, der ich sehr verbunden bin“, sagt er und blickt aus dem Fenster. Joey Schubert lebt im Elternhaus auf dem Dorf, idyllisch, mit Kühen auf den Wiesen nebenan.

„Meine Geschichte beginnt als Schulabbrecher“, erzählt er. Als bei seiner Mutter Krebs diagnostiziert wurde, verließ er ohne Abschluss die Realschule. „Meine Eltern haben sich getrennt. Meine Jugend war eine instabile Zeit.“ Strukturen fehlten, also arbeitete er. „Ich wollte Geld verdienen und auf eigenen Beinen stehen.“

Ein ehemaliger Lehrer überzeugte ihn schließlich, die Abendrealschule zu machen. „Florian, mein bester Freund seit dem Kindergarten, hatte gerade einen Studienplatz bekommen. Ich dagegen hatte nicht einmal einen Abschluss. Im Getränkelager bei Real habe ich 5,60 Euro die Stunde verdient.“

Bester Freund verunglückt tödlich

Im Juni 2008 kommt der Einschnitt: Sein bester Freund verunglückt in der Nähe von Blumberg tödlich. „Ich habe es gerade so geschafft, die Abendrealschule zu machen, und Florian war kurz davor zu studieren. Das Studium konnte er nicht beginnen, aber ich fing an, mein Leben in den Griff zu bekommen. Es fühlte sich so an, als ob er mich begleitet.“

Joey Schubert benutzt für seinen Stil verschiedene Techniken und Objektive. Foto: Nadja Varsani

Er bewirbt sich am Berufskolleg Donaueschingen und wird als einer von 20 aus 60 Bewerbern angenommen. 2011 schließt er mit Auszeichnung ab und beginnt ein Medienstudium in Furtwangen. Dort lernt er über einen Mitbewohner die Spiegelreflexkamera kennen, mietet ein Studio und startet erste Fotoprojekte.

Im Studium erschließen sich ihm Medien, Fotografie und Bildbearbeitung in ihrer ganzen Breite. Gleichzeitig arbeitet er künstlerisch mit Acryl, Öl und Pastell. Für die Hochschule fotografiert er verschimmeltes Essen – ein Zugang zum Morbiden. Erste Fotoaufträge folgen, dazu eine Zeit in Seefelden bei Freiburg, in der er eine Selbstständigkeit aufbaut.

In die Selbstständigkeit

Sein Weg führt ihn weiter in ein Masterstudium der Virtuellen Realität. Er pendelt zwischen Aufen und Furtwangen, arbeitet nebenher für Studios im Schwarzwald. Doch die Auftragsarbeiten fühlen sich zunehmend falsch an. „Um als Fotograf überleben zu können, muss man alles annehmen. Davon wollte ich mich freimachen.“

Seine Fotografien tragen den Schwarzwald wie einen ruhigen Atemzug in sich. Häufig zeigt er Porträts in Inszenierungen, in denen der Tod präsent ist. „Wenn wir das Unangenehme meiden, ist das die Angst, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Das kenne ich von mir selbst.“

Der Tod ist präsent

Trotz Note 1,3 im Master entscheidet er sich gegen den Weg der Virtuellen Realität und sogar gegen eine mögliche Professur in der Schweiz. Stattdessen beginnt er einen Teilzeitjob in der Öffentlichkeitsarbeit der VHS Donaueschingen. „Der Job ermöglicht mir, meine Projekte freier zu wählen. Meine Bilder sollen Geschichten erzählen.“

Ein entscheidender Grund für die Heimatverbundenheit ist seine dreijährige Tochter. „Sie soll unbesorgt im Wald spielen können. So wie ich als Kind.“

Der Fotografiestil

Joey Schubert
nutzt für den Look seiner Bilder verschiedene Techniken. So zum Beispiel das Kollodiumverfahren, bei dem auf einen Träger eine lichtempfindliche Schicht aufgetragen wird. Nach dem Belichten durch die Kamera entsteht ein detailreiches Negativ, das sich anschließend zu Positiven entwickeln lässt. Um besondere Effekte in der Unschärfe zu erreichen, verwendet der Fotograf unter anderem sogenannte Lensbaby-Objektive.