Yvonne Baur ist nebenberuflich selbstständig als Sexualpädagogin. Foto: Baur

Um gegen Missbrauch ab Kindesalter vorzugehen, möchte Yvonne Baur präventiv aufklären. Die Sexualpädagogin hält im Kreis Freudenstadt Vorträge dazu, wie Eltern besser schützen können.

Dank des Falls Collien Fernandes fühlen sich immer Frauen ermutigt, von ihren Erfahrungen mit sexueller und medialer Gewalt zu sprechen. Doch sexueller Missbrauch und Gewalt kennt keine Mindestaltersgrenze - Missbrauch und Gewalt beginnen in vielen Fällen bereits im Kindesalter.

 

Yvonne Baur aus dem Kreis Freudenstadt klärt im Bereich der Sexualpädagogik darüber auf, wie Eltern ihre Kinder besser schützen können. Im Gespräch mit unserer Redaktion gibt sie Einblicke in ihre Arbeit.

Hauptberuflich ist Baur Religionslehrerin, doch seit dem vergangenen Sommer arbeitet sie auch nebenberuflich in der Selbstständigkeit. Sie bietet Bildungsangebote und Beratungen für Erwachsene im Bereich der Aufklärung und Prävention zur Sexualpädagogik.

Sexualisierende Deepfakes – wie im Fall Collien Fernandes –verändere nicht nur die Wahrnehmung in der Realität, sondern würden auch nachhaltig verstören. Ihr großes Anliegen: Menschen besser informieren, um ihnen einen besseren Schutz zu bieten.

Pornografie verschlimmert Situation

„In Deutschland haben wir eine krasse Doppelmoral“, sagt sie. Man werde „total zugeballert“ mit sexualisierten Inhalten, beispielsweise seien einige Werbeanzeigen stereotypisch sexualisiert, meint sie. Einen großen Kritikpunkt sieht sie im Bereich der Pornografie.

Deutschland landet seit Jahren unter den Top-Zehn-Ländern weltweit, die die meisten Pornos konsumieren. Viele der Konsumenten seien minderjährig. „Jugendliche gucken Pornos, nehmen das auf und wenn sie Sex dann in der Realität haben, erleben sie Frust und Enttäuschung“, erklärt die Pädagogin.

Tägliche Affirmationen helfen

Vor allem aber verliere man den Zugang zum eigenen Körper. Man orientiere sich vielleicht mehr an anderen, statt dass man die eigenen Grenzen wahrnehme und priorisiere. Mehr die Grenzen einzufordern und die Selbstwirksamkeit stärken – das möchte Baur erreichen, sagt sie.

Deshalb empfiehlt sie, Kleinkindern bereits mit so genannten Affirmationen zu helfen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Zu sich selbst tägliche Sätze wie „Ich bin mutig“ sagen, würde große Unterschiede machen. Im besten Fall sogar solche Unterschiede, dass sie sich bei einem sexuellen Übergriff trauen, für sich selbst einzustehen.

Mit ihren Vorträgen möchte Baur Eltern und Großeltern darauf aufmerksam machen und motivieren, sich mehr mit dem Thema der Prävention auseinanderzusetzen, um ihre Kinder besser zu schützen.

Die Sexualpädagogin gibt am Freitag, 17. April, von 16 bis 17.30 Uhr in der Veranstaltungshalle in Schopfloch praktische Tipps, wie man Prävention in den Alltag integrieren und ein achtsamer und sensibler Umgang gelingen kann. Für den Vortrag ist keine Anmeldung nötig. Sie empfiehlt ihn (werdenden) Eltern, Großeltern, Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften.