Kassen machen Therapeuten das Leben schwer . Foto: dpa

Kassen machen Therapeuten das Leben schwer – Die Lage im Land hat sich allerdings entspannt.

Berlin/Stuttgart - Drücken die Gesetzlichen Krankenkassen mit unfairen Mitteln auf die Kostenbremse, wenn der Hausarzt seine Patienten zu Logopäden, Ergo- oder Physiotherapeuten schickt? Und ist dabei die AOK, vor allem die in Baden-Württemberg, besonders eifrig?

Die drei baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten Karin Maag (Stuttgart), Steffen Bilger (Ludwigsburg) und Eberhard Ginger (Neckar-Zaber) haben jedenfalls diesen Verdacht. In einem Schreiben von Karin Maag im Namen der drei Parlamentarier an den Vorstand der AOK Baden-Württemberg, das unserer Zeitung vorliegt, haben sie schon vor Monaten ihre Vermutung zusammengefasst.

So würden etwa „von Ärzten falsch ausgefüllte Rezepte dazu führen, dass die Leistungen der Logopäden nicht erstattet werden“. Maag schildert den Fall einer Ärztin, der von der Kasse mitgeteilt worden sei, „dass sie die finanziellen Konsequenzen spüren müsse, um das Ausfüllen von Formularen richtig zu lernen“.

„Durch solche Praktiken schwindet die Akzeptanz unseres Krankenversicherungssystems“

Maag weist im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass schon die Vorlage einer nur handschriftlich ausgestellten Verordnung durch Physiotherapeuten oder Logopäden dazu geführt hätten, dass bereits durchgeführte Behandlungen nicht erstattet worden seien. Eine spätere Korrektur werde nicht akzeptiert.

Karin Maag ist darüber erbost. „Durch solche Praktiken schwindet die Akzeptanz unseres Krankenversicherungssystems“, sagt sie unserer Zeitung „Das werde ich verhindern.“ Es gelte der Grundsatz: „Wenn Fehler gemacht werden, muss Gelegenheit zur Korrektur gegeben werden. Wenn dies nicht eingesehen wird, müssen wir als Gesetzgeber tätig werden.“

Eine ziemlich handfeste Drohung. Wohl auch eine Reaktion auf das trotzige Antwortschreiben von Christopher Hermann, dem Vorstandsvorsitzenden der Südwest-AOK. Er verweist auf ein Urteil des Bundessozialgerichts, „dass ein Therapeut als Vertragspartner der Krankenkassen darauf achten muss, dass Leistungen nur auf Basis korrekt und vollständig ausgefüllten Heilmittelverordnungen abgegeben und abgerechnet werden können“.

Quote der Beanstandung liegt bei „rund zwei Prozent“

Sein Argument: „Wird eine Leistung aufgrund einer fehlerhaften oder unvollständigen Verordnung erbracht, ändert eine nachträgliche Korrektur der Verordnung nichts mehr an der bereits durchgeführten Behandlung, die mitunter an der tatsächlichen Intention des Arztes vorbeigegangen ist.“

Laut Hermann ist das Problem nicht groß. Die Quote der Beanstandungen bei der AOK Baden-Württemberg im Heilmittelbereich liege für die Jahre 2010 und 2011 bei „rund zwei Prozent“ des Abrechnungsvolumens.

Rückendeckung bekommt die AOK Baden-Württemberg ausgerechnet von denen, mit denen sie sich jahrelang über das Thema gestritten haben. Ja, es habe massive Probleme gegeben, sagt Michael Preibsch, Landesvorsitzender des Verbandes für Physiotherapie (ZVK). Als 2007 eine schärfere Überprüfung von Rezepten möglich wurde, sei die AOK im Land vorgeprescht und habe plötzlich Dinge eingefordert, die nicht vereinbart gewesen seien. Allein im Jahr 2010 habe die Kasse, wie ihm mal mündlich mitgeteilt worden sei, zwei Millionen Euro dadurch eingespart, dass sie Rezepte nicht bezahlt habe. Nur 40.000 Euro davon hätten die Therapeuten noch einklagen können, ein paar Gerichtsverfahren seien noch anhängig.

Auch mit den Ergotherapeuten hat die AOK im Land Entsprechendes ausgehandelt

Inzwischen aber, so Preibsch, habe sich die Lage beruhigt. Seit 2012 gelte ein neuer Rahmenvertrag, die wenigen Probleme, die es noch gebe, würden telefonisch geklärt. Auch mit den Ergotherapeuten hat die AOK im Land Entsprechendes ausgehandelt.

„Das gilt aber nur für die AOK Baden-Württemberg, nicht für die anderen Kassen“, sagt Preibsch. Sein Verband verhandelt gerade mit den Ersatzkassen darüber, das Problem zu lösen, wobei die Klagen über kleinliche Vorschriften aus allen Bereichen kommen. „Das System wird immer bürokratischer“, sagt Preibsch.

Der Vertrag mit der AOK im Südwesten sollte nach Ansicht der Therapeuten auch von den Ersatzkassen übernommen werden, aber die sperren sich, „die sind deutlich strenger“, wie Preibsch sagt. Und so ist die AOK Baden-Württemberg in dieser Frage vom Buhmann zum Vorbild geworden.