Funktioniert die ambulante Notfallversorgung? Mit der Schließung der Notaufnahme am Krankenhaus Donaueschingen werden ab 2027 Fakten geschaffen, die Ängste in der Bevölkerung auslösen.
Der Donaueschinger Oberbürgermeister Erik Pauly (CDU) drückte es drastisch aus: „Wenn ich vom Baum falle oder mir in die Hand säge, habe ich in der Südbaar nichts, wo ich mich behandeln lassen kann“, beklagte er im Kreistag ob der beschlossenen Schließung des Klinikstandorts Donaueschingen. 2032 oder 2033 ist der Umzug in den geplanten Neubau am Standort Villingen-Schwenningen geplant.
Bis zu dem Zeitpunkt wird in Donaueschingen eine orthopädische Fachklinik etabliert. Geholfen wird aber auch weiterhin jedem Notfallpatienten. Der Rettungsdienst bringt schon heute kardiologische Notfälle, Menschen mit Schlaganfall oder schwerwiegenden Verletzungen, in die zentrale Notaufnahme (ZNA) nach Villingen-Schwenningen. Für Patienten mit nicht lebensbedrohlichen Beschwerden aus dem Südkreis, welche die Klinik noch selbst erreichen können, wird der Weg nach VS allerdings länger.
Die Vertreter des südlichen Kreisgebietes, der Städte Donaueschingen, Blumberg, Bräunlingen und Hüfingen, hatten bis zuletzt versucht, noch einen kleinen Rest der Klinik zu erhalten. Donaueschingens Oberbürgermeister Erik Pauly hatte zusammen mit Kreisräten aus verschiedenen Fraktionen (CDU, Freie Wähler, SPD, FDP und Grüne) einen entsprechenden Antrag gestellt, wobei betont wurde, dass man „eine Konsolidierung als notwendigen Weg“ ansehe.
Medizinische Versorgung aufrecht erhalten
In dem gemeinsamen Antrag, der die medizinische Versorgung im Südkreis als wichtiges Anliegen bezeichnet, wiesen die Unterzeichner darauf hin, dass man mit der mittelfristigen Schließung des Standortes Donaueschingen mit 77 Millionen Euro „einen großen Batzen Geld“ einspare. „Wir tragen das mit, bitten aber, die medizinische Versorgung im Kreis im Blick zu halten. Wir bitten, dass die Versorgung im Südkreis nicht ersatzlos gestrichen wird, sondern dass man überlegt, wie man dort die medizinische Versorgung aufrecht erhalten könnte“, formulierte es der Donaueschinger Oberbürgermeister.
Ausdrücklich betonte Pauly, dass dies keine Bedingung für die Zustimmung zur Klinikverlagerung sei, sondern eine Bitte, die ambulante Notfallversorgung durch das Klinikum in Donaueschingen aufzubauen, gegebenenfalls durch die Nutzung des vorhandenen Klinikgebäudes. Doch Klinikgeschäftsführer Matthias Geiser machte deutlich, dass für die ambulante Notfallversorgung die kassenärztliche Vereinigung zuständig ist, die eine Notfallpraxis in der Nachbarschaft des Schwarzwald-Baar-Klinikums in VS betreibt.
Antrag umformuliert
Mehrere Kreisräte warnten zudem davor, dem Klinikum mit dem Betrieb einer Notaufnahme in Donaueschingen weitere Kosten aufzubürden. Deshalb formulierten die Antragsteller ihre Forderung dahingehend um, dass das Klinikum in der Südbaar die ambulante medizinische Versorgung in Kooperation mit der kassenärztlichen Vereinigung ideell unterstützt. Dieser Antrag fand eine Mehrheit im Kreistag.
Abgelehnt wurde die Forderung, die Klinik zu verpflichten, den Südkreis mit einem einmaligen finanziellen Betrag beim Aufbau einer Struktur zur Verbesserung einer ambulanten Notfallversorgung und der Stärkung der medizinischen Versorgung zu unterstützen. Wie Klinik-Geschäftsführer Geiser vorrechnete, wurden in der rund um die Uhr geöffneten Notaufnahme der Klinik Donaueschingen in den letzten drei Jahren im Durchschnitt jährlich 5530 ambulante Notfälle versorgt, das sind durchschnittlich 15 am Tag.
Von diesen Patienten kamen 35 Prozent aus Donaueschingen, zehn Prozent aus Blumberg und acht aus Bräunlingen. Von den stationär in der Klinik in Donaueschingen aufgenommenen Patienten kommen heute 18 Prozent aus dem südlichen Kreisgebiet. Die Vertreter des südlichen Schwarzwald-Baar-Kreises wollten auch an die Stadt Villingen-Schwenningen appellieren, sich ebenfalls zum Klinikum zu bekennen und dieses zu unterstützen.
Hintergrund ist die Weigerung der Stadt VS, sich am Defizit der Klinik aus dem Jahr 2024 zu beteiligen. Joachim von Mirbach (Die Grünen) konterte diesen Wunsch mit dem Hinweis, dass die alleinige finanzielle Verantwortung für das Klinikum beim Kreis liegt und sich die Stadt VS auf freiwilliger Basis entscheiden könne, ob sie sich an einem finanziellen Verlust beteiligt.
Grundlage der vom Kreistag beschlossenen Klinikschließung in Donaueschingen war ein Gutachten der Unternehmensberatung WMC Healthcare im Auftrag der Klinik-GmbH. Die Stadt Donaueschingen hatte die Zahlen der Klinikleitung durch einen eigenen Gutachter (HPC) nachrechnen lassen, der jedoch ebenfalls bei einem Weiterbetrieb in Donaueschingen ein Defizit errechnete. Allerdings kam das Donaueschinger Gutachten nicht auf ein Defizit von 52, sondern nur von 12,5 Millionen Euro.
Schwere Vorwürfe gegenüber Klinikleitung
Die Donaueschinger erhoben auch Vorwürfe in Richtung Klinikleitung: Die Analyse der Gebäudesubstanz am Standort Donaueschingen durch das HPC-Gutachten erlaube den Schluss, dass der erhebliche Sanierungsaufwand teilweise auf die Vernachlässigung erforderlicher Investitionen in den vergangenen Jahren zurückzuführen sei. Zudem kritisierten die Donaueschinger, dass die im Gutachten der WMC genannten Renovierungskosten für die Donaueschinger Klinik einer Komplettsanierung auf Neubauniveau entsprechen. Dies hätte man nach Ansicht des Donaueschinger Gemeinderates günstiger haben können, indem Ausgaben zeitlich gestreckt werden oder nur so viel investiert wird, dass der Betrieb ordentlich läuft.
In Donaueschingen befürchtet man, dass allein die Ankündigung einer baldigen Schließung des Standortes Donaueschingen zu Kündigungen beim Personal führen dürfte. Ein weiteres Argument der Donaueschinger war, dass eine Zentralisierung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen und Funktionen der Daseinsvorsorge auf Villingen-Schwenningen nicht die alleinige Leitlinie einer zukunftsfähigen Kreispolitik sein dürfe. Auch sei im Fall einer Krise (Pandemie, Katastrophenfall) eine dezentrale Krankenhausstruktur leistungsfähiger als ein Zentralklinikum.