Die Sana Kliniken in Bad Wildbad sollen wohl im Sommer geschlossen werden. Foto: Ortmann

Gerüchte über die Schließung der Sana Kliniken in Bad Wildbad gab es schon seit Längerem. Dieses Jahr scheint es tatsächlich so weit zu sein: Laut einem Medienbericht steht das Aus der Kliniken unmittelbar bevor.

Bad Wildbad - Dem Bericht zufolge schließt das Bad Wildbader Krankenhaus, das derzeit 106 Mitarbeiter beschäftigt, bereits im Sommer. Bis dahin soll an einem Konzept zur Rettung der Arbeitsplätze gearbeitet werden. Wie aus dem Bericht hervorgeht, steht eine Übernahme der Mitarbeiter in die Calwer Kreiskliniken im Raum. Auch die weitere Nutzung des Gebäudes in der König-Karl-Straße sei Thema in den Gesprächen zwischen Landratsamt und Klinik-Konzern. Das benachbarte Neurologische Rehabilitationszentrum Quellenhof soll hingegen nicht von der Schließung betroffen sein.

 

Konzern schweigt

Janina Dinkelaker, Pressesprecherin des Landratsamts Calw, wollte den Bericht auf Anfrage unserer Redaktion "zum jetzigen Zeitpunkt" nicht kommentieren. Der Kreistag müsse erst noch eingebunden werden, so Dinkelaker. In einer nicht öffentlichen Sitzung soll darüber beraten werden.

Auch der Betreiber, die Sana Kliniken AG mit Sitz in Ismaning, hüllt sich in Stillschweigen: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu Ihrer Anfrage nicht äußern werden", antwortete Pressesprecher Pascal Nebling auf die Frage, ob er die Schließung bestätigen könne.

Gauger: "schlechte Nachricht"

Bad Wildbads Bürgermeister Marco Gauger konnte stand Freitagmittag nur auf den Medienbericht verweisen. Er macht jedoch deutlich: "Die Fakten, die daraus hervorgehen, sind natürlich eine schlechte Nachricht für die Stadt." Auch wenn eine offizielle Bestätigung des Betreibers noch aussteht, gehe er nun fest davon aus, dass es zur Schließung kommen wird. Zu den möglichen Auswirkungen sagt Gauger: "Wir hoffen, dass umfassend an die Effekte gedacht wird." Er vertraue darauf, dass das Landratsamt gute Lösungen ausarbeitet. Das stehe jetzt im Vordergrund.

"Wir werden das Gespräch mit Sana und dem Landratsamt suchen und unsere Interessen deutlich machen", sagt Gauger. Es sollen Möglichkeiten gesucht werden, den Standort weiter für die Gesundheitsversorgung zu nutzen. Das Gebäude habe gute Voraussetzungen, eine Weiternutzung sei demnach wichtig für die Zukunft der Stadt. Gauger betont aber auch: "Der Ball liegt jetzt bei Sana und dem Landratsamt."

Mack übt scharfe Kritik

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Mack richtet deutliche Worte an die Klinikbetreiber: "Dass die Sana in Bad Wildbad ihren Betrieb einstellt, ist äußerst bedauerlich, war aber seit Monaten abzusehen. Ich hätte mir von der Konzernspitze allerdings mehr Transparenz gegenüber den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit erwartet." Dem Konzern sei es offensichtlich nicht gelungen, den Weggang des Gelenkchirurgen Stefan Sell nach Neuenbürg im Jahr 2015 zu kompensieren. "Dort wurde in unmittelbarer Nähe eine Konkurrenz aufgebaut, was der medizinischen Versorgung im Enztal insgesamt nicht zuträglich war", so Mack. Gerade in der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Krankenhausstruktur sei. Auch die Sana Kliniken hätten mit ihren engagierten Mitarbeitern einen wichtigen Beitrag geleistet. "Die Konzernspitze sollte sich daher überlegen, ob eine Standortschließung tatsächlich zeitgemäß ist", meint Bad Wildbads ehemaliger Bürgermeister.

Die Stadt sei dem Konzern beim Neubau in der Stadtmitte unter Bürgermeister Walter Jocher in vielfältiger Weise entgegengekommen, so Mack. "Ich erwarte von der Sana-Konzernführung zumindest, dass sie jetzt dafür sorgt, dass eine adäquate Nachnutzung für das Gebäude gefunden wird und die Stadtverwaltung hier nicht im Regen stehen lässt", betont er.

Thomas Blenke (CDU), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt, macht deutlich: "Schließungen solcher Einrichtungen sind immer bedauerlich." Mehr wollte Blenke gegenüber unserer Redaktion aber nicht zu dem Fall sagen.

Lage seit Jahren angespannt

Der bevorstehenden Schließung geht eine lange Vorgeschichte voraus: Im Mai vergangenen Jahres wurden bereits 15 Mitarbeiter in Bad Wildbad – beim Rehazentrum Quellenhof und den Sana Kliniken – entlassen. Im Juli 2021 kündigte das gesamte Orthopädie-Team und wechselte nach Neuenbürg. Bereits 2015 wechselte der bundesweit bekannte Gelenkchirurg Stefan Sell von den Sana Kliniken nach Neuenbürg. Im Oktober vergangenen Jahres wurde mit der Suche nach einem neuen Standortkonzept begonnen, um den Kliniken eine Perspektive zu geben. Die wirtschaftliche Lage gilt schon seit Jahren als angespannt.

Im Oktober vergangenen Jahres hieß es aus der Pressestelle, dass sich die Kliniken seit mehreren Jahren in einer "schwierigen Situation" befinden würden, die sich durch die Corona-Pandemie noch einmal verschärft habe. Von einer Schließung wollte damals aber noch keiner sprechen.

Ministerium äußert sich

Das Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Integration bezieht zu der nun wohl unmittelbar bevorstehenden Schließung Stellung. "Krankenhäuser werden eigenverantwortlich von den jeweiligen Krankenhausträgern geführt – sie treffen alle die maßgeblichen strukturellen Entscheidungen", erklärt Pressesprecher Florian Mader. Der Landeskrankenhausplan sehe darum für einzelne Regionen keine konkreten oder vorgefertigten Maßnahmen vor. Das Interesse des Landes sei es, mit den Beteiligten vor Ort Lösungsansätze zu finden. "Die strukturellen Überlegungen zur Neuordnung der Gesundheitsversorgung eines Landkreises oder einer Region werden grundsätzlich sehr intensiv von uns begleitet", so Mader.