Neben der stationären Pflege soll die ambulante eine zunehmend wichtigere Rolle spielen. Foto: AdobeStock_274229642_ pikselstock

Weg von der überwiegend stationären Versorgung, hin zu mehr ambulanter: So lautet die Devise der RKH-Kliniken. Weitere Einblicke in die Entwicklung des Klinikverbunds, zu dem das Neuenbürger Krankenhaus gehört, bot eine Pressekonferenz.

Enzkreis/Neuenbürg - Ein bisschen glich es einem Galopp, in dem die Verantwortlichen der Regionalen Kliniken Holding (RKH) berichteten, wie sie das vergangenen Jahr erlebt, und was sie sich für die Zukunft vorgenommen haben. Zu den RKH-Kliniken gehören die Enzkreis-Kliniken mit Krankenhäusern in Mühlacker und Neuenbürg.

Den Auftakt machte RKH-Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin. Er begann seinen Bericht mit dem Thema, das auch im Verbund das dominierende war seit rund anderthalb Jahren: Corona. Zu Spitzenzeiten während der sogenannten zweiten Welle wurden 231 Covid 19-Patienten gleichzeitig in den RKH-Häusern in Ludwigsburg, Bietigheim, Mühlacker, Bretten und Bruchsal behandelt. Da sei die "Holding spitzenmäßig belastet" gewesen.

Corona hat und hatte auch finanzielle Folgen für die RKH. An ein normale Auslastung wie noch 2019 ist in der Pandemie nicht zu denken. Finanzielle Unterstützung gab und gibt’s von Staat – für 2021 einen Ganzjahreserlösausgleich von etwa 75 bis 95 Prozent des Erlöses von der Auslastung 2019, das letzte "Normaljahr".

Vierte Welle wird erwartet

"Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer vierten Welle aus", sagte Jörg Martin mit Blick auf den kommenden Oktober und November, wenn auch von einer kleinen. In der ersten Welle sei die Beschaffung von Schutzausrüstung das größte Problem gewesen. "Das will ich nie mehr erleben." In der zweiten bedeuteten dann die vielen Mitarbeiter, die krankheitsbedingt ausfielen, eine Herausforderung. In der dritten Welle herrschte in gewisser Weise bereits "Pandemieroutine". Als positiv vermerkte der Geschäftsführer: "Das Gesundheitssystem war niemals überlastet."

Die Holding hat in Ludwigsburg inzwischen eine "Post-Covid-Ambulanz" eingerichtet, denn bis zu zehn Prozent der Infizierten würden länger an den Folgen der Erkrankung laborieren. Es gibt Überlegungen, diese Ambulanz auf andere Standorte auszuweiten.

Dass die Zahl der stationären Patienten um elf bis 25 Prozent gesunken ist im Vergleich zu normalen Jahren, ist ebenfalls Corona geschuldet. Aber nicht nur, meinte Jörg Martin. Diese Zahl sei ohnehin rückläufig. Deshalb sehe die RKH die Krise auch als Chance: "Wir werden umbauen." Die ambulante Versorgung der Patienten soll ausgebaut und die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten verstärkt werden. So ist beispielsweise in Neuenbürg ein neues Ärztehaus in Planung (wir berichteten).

Diese Entwicklung schlägt sich auch auf den Namen der Holding nieder: Aus den "RKH Kliniken" soll die "RKH Gesundheit" für eine "ganzheitliche Gesundheitsversorgung" werden. Dass damit weniger Geld zu verdienen ist als mit stationären Patienten, ist eine Anpassung, die aus Sicht von Martin in Kauf genommen werden muss.

Telemedizin wird gefördert

Eine zunehmend wichtigere Rolle spielt in der Holding die Digitalisierung. "Da sind wir sehr gut unterwegs." Patienten können sich beispielsweise vor einem Krankenhausaufenthalt von zu Hause aus einchecken, es gibt Videosprechstunden und digitale Informationen. Das Land fördert den Ausbau der Telemedizin in der RKH mit 1,5 Millionen Euro. "Das größte Problem, das wir in den kommenden Jahren haben werden: gute Mitarbeiter zu bekommen", erklärt Jörg Martin. "Das ist die Herausforderung schlechthin." Um Ausfälle zu kompensieren, hat die Holding einen eigenen Springerpool für Pflegepersonal geschaffen. Diese Springer kommen in den unterschiedlichen Häusern zum Einsatz. Je flexibler und besser ausgebildet sie sind, desto höher fallen ihre Zulagen aus.

Felix Mayer, Regionaldirektor der RKH Enzkreis-Kliniken (Mühlacker und Neuenbürg), konzentrierte sich in seinen Ausführungen zunächst auf die aktuellen Maßnahmen in Mühlacker. Das Haus dort wird gerade zu einem Gesundheitscampus weiterentwickelt.

Aus Neuenbürg gab es Erfreuliches über die Wahlleistungsstation, seit April in Betrieb, zu berichten. Sie werde sehr gut angenommen. "Die Patienten sind hochzufrieden." Die Zahl der Pfleger solle erhöht werden, um mehr Patienten aufnehmen zu können.

Derzeit werden Mieter für das geplante Ärzte- und Therapiezentrum akquiriert. In einem zweiten Bauabschnitt soll ein stationärer Erweiterungsbau errichtet werden, er wird momentan geplant. Bei Bedarf wäre in einem weiteren Bauabschnitt noch eine Erweiterung möglich.

In der Verpflichtung des Orthopäden Marc-Alexander Heder als neuen Chefarzt sieht die Holding eine "Möglichkeit zur Entwicklung des Standortes Neuenbürg zu einer Fachklinik mit Schwerpunkten in den Bereichen Orthopädie und Rheumatologie mit angegliederter internistischer und chirurgischer Grundversorgung". Verbunden ist dies mit der Hoffnung auf mehr stationäre Patienten.

Weniger Patienten wegen Corona

Einen Überblick über die RKH-Finanzen gab anschließend der kaufmännische Direktor Axel Hechenberger. Im Neuenbürger Haus gab es den deutlichsten Einbruch, was die Belegung betrifft, im April 2020. Fast 35 Prozent weniger Patienten als im selben Monat 2019 wurden damals versorgt – coronabedingt. Im Vergleich dazu haben sich die Zahlen im vorigen Frühjahr stabilisiert, liegen aber aktuell noch immer etwa zehn Prozent unter Juli 2019. In Mühlacker ist die Situation ähnlich.

Neuenbürg hat 2020 einen Verlust von knapp 1,3 Millionen Euro erwirtschaftet, in Mühlacker waren es 1,65 Millionen Euro. Zusammen mit der geriatrischen Reha, ebenfalls in Mühlacker, verzeichnen die Enzkreis Kliniken gGmbH 2020 einen Verlust von knapp 3,3 Millionen Euro. Gerechnet hatte die RKH mit einem Minus von fünf Millionen Euro. Insofern lautete Hechenbergers Fazit: "Mit einem blauen Auge davongekommen."

Eine Unsicherheit bedeutet die Tatsache, dass die Budgets mit den Krankenkassen für 2020 noch nicht verhandelt sind. Zudem werden die Kosten für die Pflege steigen. "Das ist gut, das haben die Leute verdient", meinte der kaufmännische Direktor. Allerdings glaube er nicht, dass die höheren Personalausgaben durch die Kostenträger abgefedert werden. Die Berufsgruppe muss wohl das höhere Niveau erwirtschaften.

4,2 Millionen Euro Ausgaben

Insgesamt beliefen sich die Ausgaben der Enzkreis-Kliniken auf 4,2 Millionen Euro. Der Landkreis erstattete acht Millionen Euro. Gut drei Millionen davon flossen in Zinsen und Tilgung, und rund 1,9 Millionen in die Sicherung des Eigenkapitals aus dem Jahresabschluss 2020. Für die gesamte Holding sagte Axel Hechenberger: "Wir haben ein moderates Plus."

Frank Stephan, Finanzdezernent des Enzkreises, war zufrieden mit der RKH: Nicht nur wegen der Finanzen, sondern auch wegen der "hervorragenden Covid-Bewältigung". Gleichzeitig habe sich die Holding von der Pandemie nicht abhalten lassen, entschlossen voranzugehen und die Weiterentwicklung anzupacken.

Die finanziellen Ausgleichsleistungen, um die Corona-Verluste abzufedern, waren das eine. "Aber da ist auch sehr intensiv gearbeitet worden in den Kliniken, um Defizite einzudämmen." Das Geld des Landkreises sieht er in jedem Fall gut anlegt.

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