Alles eine Frage des Rechenwegs? Wolf Hoffmann (Grüne) zeigte in der Kreistagssitzung einen "Spendenscheck", der zeigt, dass der Abmangel des Krankenhauses umgerechnet auf den einzelnen Patienten nicht so gewaltig ist. Foto: Rath

Im Kreistag ist nach dem 9,6-Millionen-Abmangel der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt wegen Corona die Debatte um Kurs und Finanzierung des Gesundheitswesens wieder voll entbrannt.

Kreis Freudenstadt - In ihren Haushaltsreden legten die Sprecher aller Fraktionen ihre Standpunkte dar. Ein Überblick:

  "Mit großer Sorge betrachten wir die Ergebnisse der KLF. Wir wissen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorragende Arbeit leisten. Jedoch bereitet uns die Prognose, im laufenden wie auch den folgenden Jahren einen Verlust von etwa acht Millionen Euro ausgleichen zu müssen, große Sorge. Deshalb ist die angekündigte Klausurtagung des Kreistags zu dieser Entwicklung unverzichtbar. Letztendlich sehen wir keinen Spielraum, weitere zwei Millionen Euro von den Kommunen einzufordern."

  "Spätestens seit dem 22. November ist die besonders dramatische Lage bei der KLF ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Wir alle sind mit der Kreisverwaltung gefordert und aufgerufen, diese sehr ernste Situation genau zu analysieren und alle möglichen Optionen unvoreingenommen zu prüfen. Eine Klausur ist aus unserer Sicht ein wichtiger und richtiger Schritt. Die Chancen, die sich durch Neubau ergeben, müssen wir unbedingt nutzen."

"Ich möchte noch einmal auf die hohen Defizite der KLF zurückkommen. Wir finden es gut, wenn Konsequenzen gezogen werden. Die angekündigte Klausurtagung des Kreistags ist wichtig. Wenn wir aber dann, wie so oft schon, das operative Geschäft verbessern wollen, bringt es nichts. Wir müssen politische Richtungsentscheidungen fällen. Ein ›Weiter so‹ in die falsche Richtung darf es nicht mehr geben."

  "Wer zulässt, dass die Krankenhaus-Politik der alten Bundesregierung die Defizite von Krankenhäusern in existenzgefährdende Höhen treibt, die dann in Form der Kreisumlage die Städte und Gemeinden treffen, der hat sich mitschuldig gemacht. Wir müssen von der neuen Regierung Änderungen der Krankenhaus-Finanzierung einfordern. Krankenhäuser dürfen nicht als Wirtschaftsbetrieb behandelt werden. Wir Grüne stehen weiterhin zu unserem Krankenhaus."

"Für die über 20 Millionen Euro teure Imagekampagne ›Baden-Württemberg – The Länd‹ werden Steuergelder zum Fenster hinausgeworfen, während Krankenhäuser um ihr Überleben kämpfen. Die KLF war in den zurückliegenden Monaten ein Garant für die Gesundheitsversorgung in unserem Landkreis. Hier wurde an vorderster Front gekämpft. Für die SPD-Fraktion bleibt es dabei: Wir stehen zur KLF in öffentlicher Trägerschaft."

"Die Bürger sorgen sich gerade jetzt um ein verlässliches und qualitativ gutes Gesundheitswesen. Von ehemals zehn Intensivbetten im Kreiskrankenhaus waren zeitweise nur noch sieben belegbar. Der Bau des neuen Krankenhauses, welcher den Kreis investiv für längere Zeit nahezu handlungsunfähig macht, fügt sich nahtlos ins Fehlerbild ein. Bürgerbedarf wäre gewesen, eine schnelle, zuverlässige und qualitativ hochwertige Erstversorgung zu haben, und nicht, dass ein kleines Provinzkrankenhaus versucht, mit Großkliniken um Kunden zu buhlen."

"Wenn das Virus es schafft, das Krankenhaus vor Ort in die Knie zu zwingen, wenn Patienten ausgeflogen werden müssen, dann wird auch dem letzten klar, wie wichtig dieses Krankenhaus hier bei uns ist. Wir fordern eine grundsätzliche andere Krankenhaus-Finanzierung. Die Kommunen dürfen nicht weiterhin derart belastet werden. Das hat uns das Coronavirus vor Augen geführt: ›Ohne Pflegepersonal könnt ihr so viele Betten haben wie ihr wollt, es hilft Euch nicht‹. Wenn beim einen oder anderen der Gedanke Privatisierung aufkommt, können wir nur warnen."