Die Verluste bei den Krankenhäusern in Calw und Nagold sind weiter explodiert. Foto: Schwarzwälder Bote

Leser Karl Braun aus Haiterbach äußert sich zum Zusammenschluss der Krankenhäuser im Kreis Calw mit denen des Kreises Böblingen. Er bezieht sich auf einen doppelten Freispruch.

Als selbstständiger Handwerksmeister habe ich meinen Schwerpunkt als Kreisrat von Calw von 2001 bis 2019 bei Baumanagement und Finanzen gesehen. Besonders die Entwicklung unserer Krankenhäuser Calw und Nagold habe ich mit Interesse verfolgt.

 

Die Verluste sind weiter explodiert

2007 hat man ohne Not die Selbstständigkeit unserer Krankenhäuser aufgegeben und dem Wunsch der großen Politik folgend eine Fusion mit den Krankenhäusern des Kreises Böblingen eingegangen. Gegen die Fusion habe ich mich und einige andere Kreisräte heftig gewehrt, nach dem Motto: Wir brauchen keine Fusion, sondern eine gute Kooperation mit anderen Häusern. Bis zur Fusion sind unsere Häuser durch eigenes Personal gut geführt worden und ohne nennenswerte Verluste ausgekommen.

Ab 2010 musste unser Landkreis 5 Millionen und mehr ausgleichen. Trotz mehrerer Geschäftsführerwechsel und Versprechungen, es wird jetzt alles besser, sind die Verluste angewachsen. Ab 2022 nach einem erneuten Geschäftsführerwechsel sind die Verluste weiter explodiert, auf jetzt 14 bis 16 Millionen pro Jahr.

Weil zwischenzeitlich Anschuldigungen gegen den ehemaligen Geschäftsführer öffentlich verbreitet wurden, kam es zu einer Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Calw. Martin Loydl, den ich als Kreisrat als ausgewiesenen und immer freundlichen Fachmann kennengelernt habe, hat sich kämpferisch verteidigt und schließlich auch Recht bekommen.

Professor Bernd Neufang, der Angeklagte, wurde freigesprochen, weil er keine Anschuldigung erhoben hat, sondern nur die vom Landrat und Geschäftsführer Schmidtke erhobenen Vorwürfe weitergegeben hat.

Es hat sich nichts an der Lage verändert

Gut fand ich, dass die öffentlich erhobenen Vorwürfe nun auch öffentlich ausgeräumt wurden. Schlecht fand ich, dass der Prozess wohl nichts zur Beseitigung der Misere an unseren Krankenhäusern beigetragen hat. So wie es aussieht, ist das Motto der Verantwortlichen: Weiter so. Dies trotz der Prognose für 2025, wo mit rund 20 Millionen Defizit gerechnet wird. Dies sind für den Landkreis und seine Gemeinden 12 Punkte Kreisumlage. Es wäre Sache der 13 Bürgermeister im Kreisrat, davon neun in der CDU-Fraktion, endlich die Weichen richtig zu stellen.

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