Seit drei Jahren sieht so der Eingang zu einem Mehrfamilienblock der EJL-Wohnanlage an der Gammertinger Straße aus. Foto: Stopper

Kran weg, Hoffnung wieder da? Das scheint am EJL-Großbauprojekt an der Gammertinger Straße der Fall zu sein. Nach drei Jahren Stillstand geht hier wieder was voran.

Wie ein mahnender Riesenfinger reckte sich am Freitag an der Sigmaringer Straße kurz vor dem Kauflandkreisel ein knallgelber Kranarm in den Himmel. Halbseitige Straßensperrung. Ampelregelung. Stau. Und ein Zeichen, dass eine der Hechinger Dauerbaustellen vor der Fertigstellung steht.

 

Jedenfalls wird mit dem Autokran Stück für Stück der große Turmkran der EJL-Baustelle an der Gammertinger Straße demontiert, der die vergangenen drei Jahre die Silhouette der Stadt prägte.

Allerings: Fertig ist die EJL-Baustelle dort noch nicht. Die Tiefgarage hat teilweise noch kein Dach, ein Gebäude muss noch verputzt werden. Und rund um die Häuser müssen noch Wege und Rasenflächen angelegt werden. Aber diese restlichen Arbeiten sind wohl mit kleinerem Gerät zu schaffen.

Eine Anwohnerin berichtet: „Jahrelang ist hier kaum was gearbeitet worden, aber seit drei Wochen sind die richtig am schuften.“ Sie hofft, dass das so weitergeht.

Eltern wollen ihre Kinder nicht vor dem Haus spielen lassen

Für die Fertigstellung des Projekts wäre es höchste Zeit, sagt eine Bewohnerin, die ihren Kinderwagen in Richtung Auto schiebt. „Seit drei Jahren schaue ich vom Balkon auf eine verwahrloste Baustelle“, erzählt sie. „Hier spielen viele Kinder im Freien, aber mir kommt das sehr gefährlich vor.“

Beispielsweise finden sich nahe zum Eingang eines Gebäudes Holzpaletten am Wegesrand, aus denen nach oben rostige Nägel herausragen. Absperrung Fehlanzeige. Der Weg selbst besteht aus nacktem Erdreich, die Treppe zum Haus ist aus Holzpaletten zusammengenagelt. „Das ist seit drei Jahren so“, berichtet ein Hausbewohner und wackelt am Briefkasten, der offenbar nur lose mit dem Gebäude verbunden ist.

„Deutsche Bauarbeiter sind die besten“

Von Deutschland sei er eigentlich was anderes gewohnt, sagt er noch und ergänzt: „Deutsche Bauarbeiter sind die besten.“ Deutsch bezieht er nicht auf die Herkunft, er selbst ist erst vor ein paar Jahren zugewandert. Aber er hat dann in Bayern eine solide deutsche Handwerksausbildung absolviert. Und auf die ist er stolz. Er wisse, was saubere Flächen seien, aber an diesem Bau finde er so etwas kaum, sagt er und zeigt auf Dellen in der Außenfassade.

Auf der EJL-Baustelle sind seiner Überzeugung nach viele Arbeiter ohne gute Ausbildung im Einsatz gewesen. So eine Paletten-Holztreppe würde eine deutsche Firma nicht mal vor einem Dixie-Klo aufstellen, meint er. 1400 Euro Miete für eine Vierzimmerwohnung zahlt er, da könne man ja wohl verlangen, dass man nicht mühsam ins Haus klettern müsse.

Beschwerden über die Außenanlagen haben viele, mit den Wohnungen selbst aber scheint man zufrieden zu sein. 1500 Euro zahlt eine junge Frau für eine große Wohnung mit Blick auf den Zoller. „Hohe Räume, der Ausblick ist super, und andere vergleichbare Wohungen in Hechingen sind nicht günstiger“, lobt sie, ergänzt aber: „Wenn das außenrum auch noch fertiggebaut wäre, wäre es hier wunderschön.“ Die nächsten Wochen werden zeigen, ob diese Hoffnung in Erfüllung geht.

EJL-Bauprojekt an der Gammertinger Straße

Baufortschritt
Vor etwa fünf Jahren war Baubeginn für den letzten Bauabschnitt des Wohnungsgroßbauprojekts der EJL an der Gammertinger Straße. Während in den ersten Abschnitten das Gelände des ehemaligen Fürstin-Eugenien-Stifts bebaut wurde, wurde nun das Gelände des ehemaligen städtischen Betriebshofs überbaut. 63 Wohnungen, verteilt auf sechs Gebäude, so der Plan. Fünf Häuser sind fertig und seit drei Jahren bezogen. Das letzte Gebäude und die Außenanlagen blieben lange im halb fertigen Zustand. Eine Tiefgarage für die Bewohner blieb Jahre lang in Anfängen stecken. Nun sind speziell an der Tiefgarage wieder etwa zehn Bauarbeiter in Aktion zu erleben.