Die Kraftstoffpreise sind deutlich gestiegen. Für Autofahrer wird das Tanken spürbar teurer. Doch auch unabhängige Tankstellenbetreiber geraten zunehmend unter Druck.
Der Blick auf die Preistafel an den Tankstellen sorgt derzeit häufig für Stirnrunzeln. Innerhalb weniger Wochen ist der Preis für einen Liter Kraftstoff deutlich gestiegen. Was vor kurzem noch um die 1,60 Euro kostete, liegt aktuell oft wieder deutlich über zwei Euro. Sogar Diesel kostet teilweise mehr als 2,50 Euro. Grund für die Entwicklung ist vor allem der kürzlich ausgebrochene Krieg im Iran, der die internationalen Ölpreise spürbar nach oben treibt. Für Autofahrer bedeutet das: Der Weg zur Zapfsäule schmerzt im Geldbeutel.
Doch was bedeuten die steigenden Preise eigentlich für diejenigen, die täglich an der Zapfsäule arbeiten? Während viele Kunden ihren Unmut äußern, stehen besonders kleinere, unabhängige Tankstellenbetreiber vor einer schwierigen Situation. Sie gehören nicht zu großen Konzernen wie Shell oder Aral, sondern betreiben ihre Stationen häufig als mittelständische Familienunternehmen.
Einer von ihnen ist Karl-Christian Bühler, er betreibt die bft-Tankstelle in Schramberg. Anders als häufig angenommen, profitiert er kaum von den steigenden Spritpreisen. „Wir kaufen den Kraftstoff selbst ein und verkaufen ihn anschließend weiter“, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Steigen die Preise, ist noch günstiger Treibstoff in den Tanks. Fallen sie wieder, liegt dort dann der teurer eingekaufte Kraftstoff. „Unterm Strich bringt uns das kaum Vorteile – es ist eher ein Nullsummenspiel.“
Wirtschaftliche Lage wird zunehmend anspruchsvoll
Aktuell merke er allerdings einen geringen Absatzrückgang, Auswirkungen auf das Geschäft hätte das allerdings nicht. „Was man aber sagen kann ist, dass die Kunden für weniger Volumen tanken“, erzählt er.
Nach Einschätzung des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT), zu der auch Bühlers Tankstelle gehört, wird die wirtschaftliche Lage für diese Betriebe zunehmend anspruchsvoll. „Freie Tankstellen, oft familiengeführt und regional verwurzelt, sind in der Regel preisgünstiger als Konzerntankstellen und zwingen damit größere Anbieter, sich am Markt zu orientieren“, erklärt BFT-Hauptgeschäftsführer Daniel Kaddik auf Anfrage. Gleichzeitig werde es für kleine und unabhängige Unternehmen immer schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten.
Hinzu kommen politische Diskussionen über mögliche Preisregeln. „Starre Preisregeln – etwa die geplante Regulierung, Preise nur noch einmal am Tag erhöhen zu können – würden insbesondere mittelständische Tankstellenbetriebe treffen“, warnt Kaddik. Gerade diese könnten bislang flexibel auf den lokalen Wettbewerb reagieren und sorgten vielerorts dafür, dass Preise unter Druck bleiben.
Durch hohe Preise kaum mehr Gewinn
Für die Tankstellenbetreiber selbst bringen steigende Preise jedoch keinen zusätzlichen Gewinn.
Auch wenn viele Autofahrer das vermuten, würden Tankstellen an höheren Preisen nicht automatisch mehr verdienen. „Die Kundenfrequenz bleibt weiter hoch und ja, viele Kunden beschweren sich über die gestiegenen Preise“, sagt Kaddik. Für die Betreiber ändere sich jedoch nichts an ihren Margen – sie gäben lediglich die gestiegenen Einkaufspreise weiter.
Auch das Geschäft neben der Zapfsäule spürt die Entwicklung. Rund 45 Prozent der Wertschöpfung würden inzwischen im Shop- und Gastronomiebereich entstehen. Wenn das Tanken jedoch teurer wird, greifen viele Kunden im Laden etwas weniger zu. „Viele Kunden geben im Shop etwas weniger aus, weil ein größerer Teil ihres Budgets bereits für den Kraftstoff benötigt wird“, erklärt Kaddik.