Torun in Polen war wieder Ausrichter für die internationalen Titelkämpfe der Kraftsportdisziplinen. Torsten Simon, Kraftsportathlet aus Oberndorf, holt dabei zweimal Silber bei dieser Hallen-EM.
Mit über 3000 Athleten aus allen europäischen und auch einigen nicht-europäischen Staaten waren Athleten in den Altersklassen über 35 Jahren am Start. Simons Erfolge bei Hallen-WM 2023, mit je einer Silber- und Bronzemedaille, zu toppen, war alles andere als einfach. „Der Druck, wenn auch selbstgemacht, wieder liefern zu müssen, war enorm“, erklärt der Gymnasiallehrer aus Oberndorf.
Verletzung im Training
Im Vorfeld sah es lange Zeit so aus, als wäre ein Start bei dieser Hallen-EM überhaupt nicht möglich. Im August 2023 erlitt Simon beim Hammerwurftraining einen Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich. Das 7,3kg schwere Wurfgerät blieb beim Abwurf unglücklich am Wurfhandschuh hängen, so dass knapp 200kg Zuggewicht am linken Arm rissen. „Wie ein Blitz zuckte es bis in die Fingerspitzen runter und das war´s dann“.
Trainingspause wegen Verletzung
Mit Taubheitsgefühlen im Arm folgte eine Trainingspause von drei Monaten, danach leichtes Krafttraining und erst Anfang Dezember flog der erste Hammer wieder über die Hochmössinger Felder. Die Schwierigkeit den Trainingsrückstand auszublenden und darauf zu vertrauen, dass alles Last Minute passen wird, war die größte Herausforderung.
Während seine Kraftwerte erstaunlich schnell zu alter Höchstform aufliefen, feilte Simon parallel an der Umstellung der Wurftechnik von bisher drei, auf vier Drehungen in dem nur 2,13m großen Wurfring.
Wettkampf bei 3 Grad
Die EM begann für Torsten Simon mit Gewichtwurf. Die hammerwurfverwandte Disziplin mit dem 15,88kg schweren Gewicht machte dem Oberndorfer Sorgen, da aufgrund des Bandscheibenvorfalls hier der Trainingsrückstand höher war. Bei kalten drei Grad und böigem Wind ging es los. Für alle Athleten war es schwer, den Körper warm zu halten.
Torsten Simon legt vor
Der amtierende Weltmeister aus Schweden, Daniel Korhonen, war haushoher Favorit. Doch ihn plagten Schulterbeschwerden und er blieb weit hinter seinen Möglichkeiten. Damit war der Kampf um den Titel eröffnet. Den ersten passablen Wurf mit 13,45m legte Torsten Simon vor und übernahm die Führung. Der spätere Sieger aus Frankreich, Gregory Bottier, konnte im 5. Versuch jedoch kontern. Simon kam mit 13,71m bis auf 7cm noch an die Weite des Franzosen heran, doch blieb es bei der Silbermedaille. „Ich brauchte etwa einen Tag, um mich über die unverhoffte Silbermedaille zu freuen, statt mich über die fehlenden sieben Zentimeter auf Gold zu ärgern.“
Bestmarke nicht erreicht
Mit diesem Vize-Europameistertitel im Gepäck ging es für Simon zum Hammerwurffinale. Simon begann mit zwei Sicherheitswürfen. Der favorisierte Pole, Damian Kozlowski, Vizeweltmeister 2023 aus der jüngeren Altersklasse M40, legte 49m vor, was auch die Siegesweite war. Nach Simons viertem Versuch auf 45,41m riskierte er in den beiden letzten Durchgängen alles, denn 49m fallen bei ihm schon auch mal im Training.
Risiko nicht belohnt
Es blieb aber bei ungültigen Würfen im Bereich von 47m. „Auch wenn es im Training mit den vier Drehungen schon ganz gut klappt, ist das im Wettkampf nochmal eine andere Sache. Da fehlt mir einfach noch die Sicherheit und Coolness das Ganze umzusetzen, zumal ich ohne jeglichen Vorbereitungswettkampf angereist bin“, ärgert sich Simon.