Elf Kinderbuchverlage möchten mit einer großen Gratisaktion Kinder und Jugendliche für Comics begeistern. Denn die Branche sorgt sich um den Nachwuchs.
Am heutigen Samstag ist Gratis Comic Tag - wie jedes Jahr verschenken Buchhandlungen, Comicläden und Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgewählte Comics kostenlos. Auch die Lörracher Buchhandlung Comix Time ist dabei. Warum sie mitmachen, erklären die Eigentümer Elke und Joachim Kammerer im Gespräch mit unserer Redaktion.
Den Comic-Tag gibt es in Deutschland seit 2010. Dabei verschenken Comicläden kostenlose Hefte, damit mehr Menschen Comics kennenlernen. Früher richtete sich die Aktion an Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Seit 2024 liegt der Schwerpunkt besonders auf Kinder- und Jugendcomics.
Denn dass Comics und Graphic Novels auch etwas für Erwachsene sind, ist mittlerweile ein alter Hut. Nicht so bekannt ist, dass viele Verlage und Buchhändler sich Sorgen um den Nachwuchs machen.
Trotz Manga-Boom: Die Branche wächst nicht mehr
So seien die älteren Semester immer noch tragende Säulen des Comicbuchhandels. Sie bevorzugten schön illustrierte, aufwendige Ausgaben, doch der Absatz stagniere. Inzwischen gehe die Entwicklung sogar weiter nach unten: „Seit Februar bemerken wir einen weiteren Umsatzrückgang – und das geht der ganzen Branche so“, sagt Kammerer. „Das Buch ist ein Luxusgut – da wird schnell drauf verzichtet.“
Die jungen Leser, die bevorzugt im Manga- und Anime-Bereich unterwegs sind, haben dagegen oft einen schmalen Geldbeutel. Kammerer zeigt die Buchware: kleine Taschenbuchformate mit schlichtem Schwarz-Weiß-Druck, die oftmals weniger als zehn Euro kosten. Kammerer: „Mangas muss man viel verkaufen, bis es sich rentiert.“
„Batman ist mittlerweile auch uralt“
Es ist schwer zu glauben, dass man bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für Comics erst wecken muss. Das Interesse sei grundsätzlich schon da, erklärt Kammerer. Gleichzeitig versuchten viele Hersteller, ihre bekannten Figuren zu modernisieren.
„Batman ist mittlerweile auch uralt“, sagt Kammerer. Viele Jugendliche würden heute nicht mehr automatisch an solche Klassiker andocken. Deshalb habe der Verlag DC Comics der Figur zuletzt einen zeitgemäßen Anstrich verpasst, um sie für Heranwachsende wieder attraktiver zu machen. „Das funktioniert sehr gut.“
Batman gibt es auch am Gratis Comic Tag – aber eben nicht nur „klassischen Superheldenkram“, sondern auch Klassiker wie Asterix oder die Schlümpfe, dazu zeitgenössische Fantasygeschichten wie Elsbeth und Mira, die stärker auf Freundschaft und Gefühle setzen. Insgesamt gibt es mehr als zwanzig verschiedene Hefte. Die gibt es aber nicht alle auf einmal. „Jedes Kind darf sich vier Bücher nehmen, wenn ein Erwachsener dabei ist, darf der aber auch vier zusätzliche Comics nehmen“, erklärt Kammerer.
Idefix und Avatar, Ariol und Mandalorian
Die Comics sind in Heftform gestaltet, also keine aufwendigen Hardcoverbücher. Trotzdem koste der Gratistag die Verlage und die Buchhändler eine Menge Geld. Die verschenkten Bücher sieht Kammerer auch als Investition in die Zukunft. „Wir hoffen natürlich, dass die Kids wiederkommen“, sagt er.
Am Gratistag gibt es natürlich trotzdem regulären Betrieb – wer möchte, kann also neben den abgestaubten Gratisheften auch ganz normal einkaufen. Eingepreist ist das bei den Inhabern aber nicht: „Viele Kids rennen rein, holen sich schnell ihre vier Hefte und sind wieder weg. Und das ist auch gut so.“