Sie beraten in Hechingen und Umgebung kostenlos und aus reiner Begeisterung, ob sich Solaranlagen auf einem Dach lohnen: (von links) Rainer Boss, Dr. Christian Schwarzenberger, Rolf Ege, Berthold Lüdenbach und Alexander Breimesser. Foto: Klaus Stopper​

Hechingen und Umgebung macht sich seinen Strom weitgehend selber – für dieses Ziel engagiert sich die „Bürger-Photovoltaik-Beratung Hechingen“.

Es sind technikbegeisterte Männer, die sich schon seit zwei Jahren etwa einmal pro Monat treffen, um Solar-Anlagenmodelle durchzurechnen, neue Entwicklungen der Solartechnik zu besprechen.

 

Kilowattstunden, Batteriekapazität, Autarkie, Eigenverbrauch, Schaltungen – Rolf Ege, Jürgen Mönch, Rainer Boss, Alexander Breimesser, Berthold Lüdenbach, Reinhold Robertz und Dr. Christian Schwarzenberger kommen fast ins Schwärmen, wenn sie über solche Themen reden.

Ehrenamtlich und kostenlos

​Und sie fachsimpeln nicht nur miteinander. Sie bieten allen Einwohnern, die sich für Solaranlagen interessieren, ehrenamtlich kostenlose Beratungen an. Dazu schauen sie sich die konkreten Häuser an, rechnen mögliche Stromerträge aus, machen Vorschläge zu technischen Lösungen, berechnen mit Computerprogrammen Rentabilität. Viele Leute würden die Entscheidung über eine Solaranlage aufschieben, weil sie Zweifel hätten, ob sich ihr Gebäude für Solarstrom eignet, weil sie Angst hätten, dass eine Anlage mehr kostet, als am Ende an Stromkostenersparnis reinkommt, erklärt Rolf Ege. Aber solche Fragen könne man exakt ausrechnen.​

Die Gruppe hat sich in Kooperation mit der Bürgerenergiegenossenschaft Teckwerke gegründet. Das Ziel: Die Begeisterung für die Solarstromerzeugung unterstützen. Und es soll Interessenten leicht gemacht werden, sich zu informieren. Die Beratung ist komplett kostenlos und neutral. Provisionen gibt es hier nicht. Von welcher Firma man sich anschließend die Anlage bauen lässt, darf jeder selbst entscheiden. „Wir empfehlen höchstens, dass man lokale Anbieter bevorzugen sollte“, sagt Berthold Lüdenbach. Schon für einige Hechinger Anlagen hat die Gruppe durch Vorberatungen den Weg geebnet.​

Dafür wurden Fachseminare besucht. Einige Mitglieder der Gruppe hatten ohnehin schon solide physikalische und technische Kenntnisse. Zudem mögen sich die Gruppenmitglieder und treffen sich einfach gern, um über Strom und Solar zu reden. ​

Keine Angst vor Fachbegriffen

​Sie wissen aber auch: Viele Einwohner teilen diese Begeisterung nicht. Watt, Volt, Amortisierung – das sind fremde Begriffe. Und deshalb schieben viele auch die Frage auf die lange Bank, ob man nicht doch mal bei einem Handwerksbetrieb nach einem Angebot für eine Solaranlage fragen sollte.​

Solche Zweifler hat die Gruppe im Blick, und man ist sich sicher, dass Beratungen in den meisten Fällen dazu führen, dass eine Anlage installiert wird, „weil wir wissen, dass sich eine Solaranlage fast in allen Fällen auch finanziell lohnt“, versichert Rainer Boss. „Eine Solaranlage hält mindestens 20 Jahre, und nach etwa zehn Jahren hat sie sich in der Regel amortisiert“, rechnet Rolf Ege vor. Aber die Gruppe will nicht nur den Einwohnern Geld sparen. Die Berater wissen: Solaranlagen auf den Hausdächern machen unabhängiger von den Launen der Öl- und Gaslieferanten und sie vermindern den CO2-Ausstoß für die Strom- und Wärmeerzeugung.​

Auf regionale Firmen setzen​

Und sie fördern die regionale Wirtschaft. Denn ihr Ziel ist es, dass auf ihre Beratung anschließend der Weg zu einer Firma folgt, die dann nach allen Regeln der Handwerkskunst konkrete Angebote macht. „Wir empfehlen im Prinzip weder eine bestimmte Firma noch bestimmte Modelle“, stellt Alexander Breimesser klar. Aber wer vorher von der Gruppe beraten worden sei, sei sehr gut vorbereitet, um anschließend mit dem Handwerker nach idealen Lösungen zu suchen und vielleicht auch mal kritisch nachzufragen. „Das beruhigt einen ja auch, wenn man besser versteht, was einem die Firma da anbietet“, erklärt Berthold Lüdenbach.​

Und rentieren sich Solaranlagen immer noch, auch wenn die Bundesregierung nun die Einspeisevergütung kürzt? „Ja klar, sagt Christian Schwarzenberger ohne zu zögern. Es lohne sich dann zwar weniger, mit einer sehr großen Anlage mehr Strom zu erzeugen, als man selber verbrauche und diesen dann zu verkaufen. Aber auch der Eigenverbrauch im eigenen Haushalt sei bedeutsam. Es könne sich ja jeder ausrechnen, wie teuer der Strom sei, den er aktuell einkaufe. Die Solaranlage auf dem Dach liefere zumindest einen Teil dieses Stroms nach der Installierung dann kostenlos. Ein Elektroauto in der Garage, Wäsche waschen, wenn möglich nur bei sonnigem Wetter, die Installierung eines Stromspeichers – all das zahle sich dann eben auch finanziell aus. „Wir haben Spaß daran, das mit Leuten durchzurechnen, auch weil wir überzeugt sind, damit einen Beitrag zur Bremsung des Klimawandels zu leisten“, ist sich die Gruppe einig.​

Wer sich für eine Beratung interessiert, kann unter der E-Mail-Adresse „PV-Berater-HCH@Mail.de Kontakt zu der Gruppe aufnehmen.