Die Ehrenamtskarte bietet Vergünstigungen für Ehrenamtliche. Eine Umsetzung sieht der Kreistag Freudenstadt aber als schwierig an. Was sind die Gründe?
Sein Statement zur Ehrenamtskarte formulierte Landrat Andreas Junt während der Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschuss vorsichtig: „Alle stehen hinter unserem Ehrenamt, und wir sind absolut dankbar, dass wir es haben.“ Das Engagement im Kreis sei ein starkes Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Warum Junt das betont? Einstimmig hat der Kreistags-Ausschuss beschlossen, von der Einführung der Ehrenamtskarte abzusehen. Diese soll besonders engagierten Bürgern Vergünstigungen in öffentlichen Einrichtungen wie etwa Museen oder Schwimmbädern ermöglichen.
Der Landkreis wolle das Ehrenamt überall unterstützen, wo es nur gehe. „Wir würden sie gerne einführen – wenn die Ehrenamtskarte nur positive Seiten hätte“, so Junt. Er führte aus: „Es gibt einige Punkte, die uns zögern lassen.“ Allem voran die unklare Finanzierungslage.
Landrat sieht Finanzierung nicht gesichert
Das Projekt habe eine Anschubfinanzierung für die Jahre 2025 und 2026: Die ersten sechs Monate werden Personalkosten mit bis zu 45.100 Euro gefördert, für die laufenden zwei Jahre gebe es eine maximale Förderung von 45.600 Euro. Ohne eine vollständige Ausfinanzierung sei das Projekt für den Kreis nicht machbar, monierte Junt.
Damit die Ehrenamtskarte überhaupt ausgestellt werden kann, müssen Bürger nachweisen, dass sie 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit im Jahr geleistet haben – Freiwilligendienstleistende, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, des THW und des Katastrophenschutzes erhalten die Karte ohne Stundennachweis.
Zu viel Aufwand für das Personal
Allein die 200 Stunden nachzuweisen, sei für die Verwaltung ein großer Aufwand, der durch die Förderung nicht gedeckt werden könne, erklärte Junt weiter. Sein Lösungsvorschlag? Abwarten, wie die Haushaltslage im Land für 2027 aussehe. Und weiterhin Druck auf die Landesregierung ausüben, damit die Personalkosten finanziert werden könnten. „Dann machen wir es auch.“
Aus dem Gremium gab es hauptsächlich Zustimmung zum Vorgehen der Verwaltung. Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP) bekräftigte: In diesen schwierigen Zeiten sei es notwendig, die Finanzierung des Landes und des Staates nicht weiter zu belasten. Die Karte würde er natürlich begrüßen, er sei sich aber auch sicher: „Die Menschen machen das Ehrenamt nicht, weil sie eine Karte bekommen, sondern weil sie einen Dienst an der Gesellschaft leisten wollen.“
Können die Vereine aushelfen?
Ähnlich sieht es auch Pfalzgrafenweilers Bürgermeister Dieter Bischoff (FWV). „Die Ehrenamtlichen, die bei uns tätig sind, machen es auch ohne die Karte.“ Er sehe den hohen Personalaufwand ebenso als großes Problem. Sein Gegenvorschlag: Das Land solle die Vereine und die Jugendarbeit in den Kommunen direkt fördern. „So können wir am Ende des Tages mehr erreichen.“
Martina Sillmann von der Frauen-Fraktion könne mit dem Beschluss zwar mitgehen, betonte aber auch: „Die Gesellschaft würde ohne das Ehrenamt gar nicht existieren können.“ Irgendeine Wertschätzung für den Arbeitsaufwand brauche es. Für sie könnte es eine Lösung sein, den Arbeitsaufwand bei der Stundenüberprüfung auf die Vereine auszulagern. „Dann müssten die Vorstände geradestehen.“
Als Pilotprojekt gestartet
Ermäßigungen im öffentlichen Leben
2023 wurde das Konzept der Ehrenamtskarte in vier Modellregionen getestet – dem Landkreis Calw, dem Ostalbkreis sowie den Städten Ulm und Freiburg. Elf Städte und Landkreise bieten die Karte seitdem an, der Kreis Freudenstadt gehört nicht dazu. Besitzer der Karte erhalten Ermäßigungen in diversen öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Museen oder auch für Städteführungen. Im Kreis Freudenstadt nimmt zum Beispiel der Nationalpark Schwarzwald teil – mit einem freien Eintritt für die Ausstellung am Ruhestein. Die Akzeptanzstellen müssen die Kosten für die Ermäßigungen selbst tragen.