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Kosten explodieren Stadt Rottweil muss in Kinderbetreuung investieren

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Die Aufwendungen der Stadt für die Kinderbetreuung steigen rasant an. (Symbolfoto) Foto: Kzenon - stock.adobe.com

Die Stadt muss kräftig in den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze investieren. Das Geld ist aber knapp. Jetzt werden die Krippengebühren in den nächsten Jahren massiv nach oben geschraubt. Einzelheiten dazu und über die neu entstehenden Gruppen in der Stadt lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel

Rottweil - Es ist eine Mammutaufgabe, die kein Ende zu haben scheint: Die Stadt Rottweil muss – und will – unermüdlich in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen investieren, um den Bedarf weiter decken zu können. Gleichzeitig zwingt die aktuelle Haushaltslage zum Sparen. Die Gebühren werden nun zum Teil deutlicher erhöht als geplant.

Mitten in das durch die Corona-Pandemie derzeit ohnehin turbulente Geschehen im Bereich der Kinderbetreuung hatte die Verwaltung zwei Aufgaben, die sich eigentlich widersprechen: Zum einen, angesichts der angespannten Haushaltslage nach finanziellen Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, zum anderen, im Rahmen der Bedarfsplanung den Ausbau der Betreuungsplätze weiter voranzutreiben. Und das in großem Stil. Auch die vom Gemeinderat im Juli beschlossene Umstellung auf das so genannte "Württembergische Modell" führe unterm Strich zu einer Mehrbelastung, die kompensiert werden müsse. Kinderreiche Familien werden in diesem Modell deutlicher entlastet.

Kosten explodieren

Letztlich führen diese Zwänge zu einer notwendigen "massiven Preissteigerung im Krippenbereich", wie Bürgermeister Christian Ruf dem Kultur-, Sozial- und Verwaltungsausschuss am Mittwoch darlegte. Außerdem wurden Gespräche mit den anderen Kindergartenträgern bezüglich einer Reduzierung der Beteiligung aufgenommen.

Die Kosten für die Kinderbetreuung explodieren inzwischen. Der Nettoressourcenverbrauch stieg von 1,87 Millionen Euro im Jahr 2012 auf aktuell 4,67 Millionen Euro. Gleichzeitig steht Rottweil mit einer Betreuungsquote im U3-Bereich von 73 Prozent im nächsten Kindergartenjahr hervorragend da.

16 neue Stellen

"Wir sind sehr froh, dass wir im U3-Bereich aktuell bis Mai allen Kindern einen Platz zur Verfügung stellen können", betont Ruf. Man investiere enorm in die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unterm Strich bedeutet das aber angesichts aller geplanter Aufstockungen Mehrkosten von jährlich 930 000 Euro. 16 neue Stellen sollen geschaffen werden. Fachbereichsleiter Bernd Pfaff ist trotz der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt optimistisch, dass die Kräfte gefunden werden können.

Die KSV-Mitglieder stimmten dem Vorschlag einer gestaffelten Gebührenerhöhung zum 1. März 2021, 1. September 2021 und 1. September 2022 zu. Damit soll der Sprung nicht zu gewaltig werden. Die Empfehlungssätze im "Württembergischen Modell" weichen vor allem im U3-Bereich deutlich nach oben ab.

Differenz von 120 Euro

Der derzeitige Empfehlungssatz (Stand Juli 2020) liegt bei 384 Euro im Krippenbereich (30 Stunden die Woche) für das erste Kind. Die Stadt Rottweil liegt nach der letzten Erhöhung bei aktuell 279 Euro (ebenso 30 Stunden die Woche) für das erste Kind. Zudem muss die jährliche "reguläre" Steigerung der Empfehlungsätze mit rund zwei Prozent pro Jahr mitberücksichtigt werden. Das bedeute einen Gesamtanstieg von 120 Euro pro Erstkind für einen Krippenplatz (mit 30 Stunden pro Woche) bis zum 1. September 2022. Bei Familien mit mehr Kindern wirkt sich die Erhöhung nicht so drastisch aus. Die Erhöhung in der altersgemischten Gruppe (Kinder ab zwei Jahren) erfolgt ebenfalls in Anpassung an den Empfehlungssatz des Württembergischen Modells.

Im Ü3-Bereich sei man aktuell auf Höhe der Empfehlungssätze angelangt und schlage deshalb zum Januar 2021 die übliche Anpassung von zwei Prozent vor.

Für Mehrkosten von rund 50 000 Euro sorgt der Gemeinderatsbeschluss vom Juli, dass die Inhaber des Rottweiler Familienpasses deutlich stärker von den Kindergartenbeiträgen entlastet werden. Die Verwaltung schlug vor, diesen Beschluss mit Blick auf die Finanzlage auszusetzen. Das Gremium votierte mit neun zu neun Stimmen gegen diesen Vorschlag (Stimmengleichheit bedeutet Ablehnung). Die Entscheidung wird hier die endgültige Beratung im Gemeinderat am 9. Dezember bringen.

Bei der Leitungsfreistellung wird der Beschluss von Juli als Kompromiss aufrechterhalten. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, die Vorgaben des Gute-Kita-Gesetzes zugrunde zu legen. Dies hätte eine Einsparung von 150 000 Euro erbracht.

Ausbau an allen Ecken

Froh ist Ruf über die breite Unterstützung aus dem Gemeinderat, die Mittel für den weiteren Ausbau der Betreuungsangebote freizumachen.

 Aktuell gibt es im Ü3-Bereich 941 Plätze. Alle Einrichtungen kommen jedoch an die Kapazitätsgrenzen. Ganz neu sind die Pläne, einen dreigruppigen Kindergarten auf einem freien Grundstück der Stadt in der Eisenbahnstraße einzurichten. Dass Ruf in der Sitzung versehentlich von "Eisenmannstraße" sprach, sorgte für Gelächter. Der Freud’sche Versprecher hat seinen Grund: Der aus heiterem Himmel vom Kultusministerium verschobene Kindergartenstichtag habe alle Pläne durcheinandergewirbelt. Plötzlich hätten 60 Plätze gefehlt, weshalb man nun nach schnellen Lösungen suche. In der Eisenbahnstraße ist an eine Containerlösung gedacht, die Abstimmungen laufen derzeit. Kosten: rund 1,25 Millionen Euro. Weitere 50 Plätze entstehen aktuell im neuen Kindergarten "Maria Magdalena" auf der Spitalhöhe. Der Ausbau im Kindergarten Bonaventura soll Ende 2021 fertig sein.

Bei den Kinderkrippen stehen derzeit 274 Plätze zur Verfügung. Neu in der Liste aufgeführt sind 20 Krippenplätze im ehemaligen Edith-Stein-Institut und zwei neue Gruppen in der Helios-Klinik. Zwei neue Gruppen entstehen in Göllsdorf, zehn neue Plätze in Neukirch (Betreuung durch den Tageselternverein). In Hausen werde derzeit in Abstimmung mit der katholischen Kirche die Möglichkeit eines Anbaus mit Containern für eine U3-Gruppe geprüft. Im Kindergarten Bonaventura kommen zehn U3-Kinder dazu, und auch auf der Spitalhöhe wird es zwei U3-Gruppen geben. Betriebsstart soll dort an Pfingsten sein, erklärt Ruf.

Enormer Kraftakt

Die aufwendigen Planungen und die Umsetzung aller Umbauten und Neubauten, die dann auch noch den strengen gesetzlichen Anforderungen entsprechen müssen, fordern viele Kräfte in der Verwaltung, betont der Bürgermeister. Auch hier sei einmal ein Dank angebracht.

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