Donald Duck und Co. bekamen von Erika Fuchs einst geniale freie Übersetzungen. Nun werden die geliebten Klassiker verändert, um keinen Anstoß zu erregen.
Stuttgart - Hat Donald Duckeigentlich immer reden dürfen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist? Eine heikle Frage. Als seine Comicabenteuer nach dem Zweiten Weltkrieg aus den USA nach Deutschland kamen, war die Chefredakteurin des hiesigen „Micky Maus Magazins“, Dr. Erika Fuchs, nicht ganz zufrieden mit dem, was in den Sprechblasen stand. Sie übersetzte sehr frei und kreativ. Die deutschen Geschichten sind, wenn man so will, Verfälschungen der Originale – aber enorm bereichernde, Kunstwerke für sich, kanonische Werke.
Fridolin Freudenfett heißt nun anders
Nun aber wird am Status der Fuchs-Übersetzungen gerüttelt. Aufgefallen ist das dem Literaturwissenschaftler Achim Hölter, der in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Alarm geschlagen hat. In der Reihe „Lustige Taschenbücher“ legt der Egmont-Ehapa-Verlag nun wieder ältere, von Fuchs übersetzte Geschichten vor. Die aber sind hie und da im Wortlaut verändert worden, obwohl eine Vorbemerkung ausdrücklich „reine originalgetreue Nachdrucke in ihrer ursprünglichen Übersetzung“ verspricht.
Als Beispiele prangert Hölter die Umbenennungen des prächtig dicken Herrn Fridolin Freudenfett in Fridolin Freundlich und des Maharadscha von Stinkadore in den Maharadscha von Stirkadore an. Im Netz sorgt das bereits für Hohn und Wut. Egmont Ehapa aber steht zu den Eingriffen. Die seien, so der Unternehmenssprecher Jörg Risken gegenüber unserer Zeitung, „einerseits aufgrund bereits eingegangener Zuschriften und Anfragen bei früheren Veröffentlichungen und andererseits auf Wunsch unseres Lizenzgebers Disney notwendig geworden“.
Keine Neuauflagen der alten Varianten
Auch die Hoffnung, die Änderungen entlang heutiger Empfindlichkeiten und Überempfindlichkeiten beschränkten sich auf die „Lustigen Taschenbücher“, lässt Risken platzen: „Unveränderte Originale wird es als Nachdruck in den textlich kritischen Fällen nicht mehr geben, da wir uns auch vertraglich dazu verpflichtet haben, die Übersetzungen an entsprechenden Stellen anzupassen.“
Ausmaß und Wirkung der Eingriffe sähe der Verlag gern niedrig eingestuft. „Wir ändern“, so Risken, „im Ausnahmefall einzelne Worte oder Begrifflichkeiten ... Im Übrigen hat Dr. Erika Fuchs höchstselbst viele ihrer Texte immer wieder bearbeitet, weil sich lebendige Sprache verändert.“
Auch Bilder sind bedroht
Allerdings bleibt da ein Widerspruch. Will man Fridolin Freudenfett überhaupt als Variante des Bodyshaming begreifen, dann ist die zeichnerische Darstellung schlimmer als der Name. Überhaupt passen die Abenteuer der Entenhausenbande, sieht man sie humorlos als Weltbildschule, nicht durchs Sieb politischer Korrektheit. Die ständigen Schatzfindungsreisen von Dagobert, Donald und den Neffen kann man dann als Verherrlichung kolonialistischer Kunstraubexzesse geißeln.
Diese Probleme sieht man auch bei Egmont Ehapa. Die Folgerungen daraus werden Comic-Freunde allerdings beunruhigen. „Uns liegt es absolut fern“, so Risken, „mit unseren Comics andere Menschen oder Kulturen in jeglicher Form zu diskriminieren. Insofern behalten wir uns in Ausnahmefällen vor, zeichnerische Korrekturen vorzunehmen.“ Die Preise für die alten Ausgaben dürften in den Antiquariaten bald in die Höhe gehen.
Aus unserem Plus-Angebot: Auch um „Jim Knopf“ wird wegen Rassismus-Vorwürfen gestritten .