Karl-Moritz Kraus brachte morgens noch Schilder an, dass die Feier vom Kornbühl ins Rathaus verlegt wurde. Foto: Badura

Die Stele, die auf dem Kornbühl an eine überragende wissenschaftliche Leistung erinnert, wurde jetzt übergeben. Wegen Eis und Schnee jedoch nicht auf dem Berg.

Schnee und Eis lagen auf dem steilen Weg zum Kornbühl hinauf. Deshalb entschloss man sich, schweren Herzens, auf die Enthüllung der Stele zu verzichten und die Feier der offiziellen Übergabe komplett ins Salmendinger Rathaus zu verlegen.

 

Das wurde zwar in den Tagen zuvor publik gemacht, doch um sicherzugehen, brachte Karl-Moritz Kraus, Stellvertretender Leiter des Burladinger Bauhofes, morgens noch zwei Hinweistafeln beim unterm Kornbühl an: Feier ins Rathaus verlegt!​

Arg schade, doch hat es der Würde und Besonderheit der Veranstaltung nichts genommen. Nicht nur Salmendinger, auch Bürgerinnen und Bürger anderer Ortsteile waren gekommen, um den Ausführungen von Eberhard Baumann und Eberhard Bantel zu folgen. Das pyramidenförmige Gebilde aus Naturstein weist darauf hin, dass der Kornbühl in der Landvermessung älterer Zeit einen der drei wichtigsten Orientierungspunkte Schwabens darstellte.

Am Kornbühl ausrichten

Auf den Gedanken, sich am Kornbühl auszurichten, kam Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger (1765-1831). Mit einem neuen Verfahren, das er ausgeklügelt hatte, revolutionierte er die Landvermessung des damaligen Königreichs. „Alles andere vorher war Pfusch“, urteilte Baumann, der an der Hochschule für Technik in Stuttgart bis zu seiner Emeritierung (auch) über die Geschichte der Landvermessung lehrte.

Durch die Leistung des Pfarrers, der sich jedoch viel mehr für Naturwissenschaften interessierte, so machte er deutlich, war es erstmals möglich, Vermessungspunkte bei Tag zu bestimmen. Zuvor hatte man sich nachts am Polarstern orientieren müssen. Nun stand der weithin sichtbare Kornbühl als „Stellvertreter“ des Fixsterns zur Verfügung.

Selbst ein Pionier

Eberhard Bantel, der zweite Initiator der Stele Foto: Badura

Dabei ist Baumann selbst eine Art Pionier. Vor ihm gab es das Fach Historie der Landvermessung nicht. Als vor vielen Jahrzehnten die Idee aufkam, es einzuführen und auf die Frage, wer aus dem Lehrkörper das übernehmen möchte, habe er – vielleicht etwas ahnungslos – den Finger gehoben. Die Materie und insbesondere die Person Bohnenbergers hätten ihn anschließend jedoch bis heute, soeben 90 Jahre alt geworden, nie mehr losgelassen. „Bohnenberger war einer der bedeutendsten schwäbischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts“, betonte Baumann. Allerdings sei der „Urvater der Landvermessung“ heute – zu Unrecht – weitgehend vergessen.

Zahlreiche Besucher waren zu der Veranstaltung gekommen, darunter auch Bürgermeister Davide Licht. Foto: Badura

Einen Mitstreiter fand Baumann bei seinen Recherchen zu Bohnenberger in Eberhard Bantel. Wie Bantel anschließend selber berichtete, kam er, Mediziner, durch Heirat nach Altburg/Calw, stieß dort seinerseits als geschichtsinteressierter Mensch auf Bohnenberger, der dort einst lebte, und infolge auf Baumann. Nicht zuletzt stieß er auf den damaligen Ortsvorsteher Davide Licht. Der unterstützte ihn und Baumann bei der Einrichtung eines Bohnenberger-Museums im Altburger Rathaus.

Wurde offiziell der Öffentlichkeit übergeben: Die Stele, die auf dem Salmendinger Kornbühl an die Leistung Johann Gottlieb Friedrich Bohnenbergers erinnert, der im 19. Jahrhundert die Landvermessung revolutionierte. Der Berg stand in diesem Verfahren als „Stellvertreter des Polarsterns“. Foto: Badura

Es war damals, wie Licht, inzwischen bekanntlich Bürgermeister von Burladingen, im persönlichen Gespräch erzählte, „ein komplexes Unterfangen“. Doch es habe alles geklappt, wie man heute eindrucksvoll sehen könne. Die Finanzierung übernahm und organisierte, wie zugesagt, Eberhard Baumann – so wie er auch jetzt für die Kosten der Stele aufkam. Die Plakette darauf bezahlte der Verein C.A.L.W, deren Vorsitzender wiederum Eberhard Bantel ist und war.

Redner widmeten sich vor allem der Person Bohnenbergers

Laien, die mit weitschweifenden mathematisch-wissenschaftliche Ausführungen zur Landvermessung und zur Geodäsie gerechnet hatten, wurden angenehm enttäuscht. Die Redner widmeten sich vor allem der Person Bohnenbergers und seiner Zeit.

Einen spontanen Glanzpunkt setzte Bernhard Hurm, Mitbegründer und vormaliger Intendant des Melchinger Lindenhof-Theaters. Er trug auswendig eine historische Beschreibung des Kornbühls vor. Darin preist der Verfasser die Schönheit der umliegenden Landschaft und den Blick von dem 886 Meter hohen Berg herab. Großer Applaus für diesen Vortrag.​