Es ist ein Meilenstein für Prävention und Nachhaltigkeit: Das System „BatterySort“ ist jetzt in die Anlage der Firma „Korn Recycling“ integriert worden.
Blinkende Turnschuhe, elektrische Zahnbürsten und Akku-Bohrer haben eines gemeinsam: Sie funktionieren mit Lithium-Ionen-Akkus. In der Sortieranlage der Firma Korn Recycling haben sie, falsch entsorgt, regelmäßig Brandalarm ausgelöst. Bis jetzt.
Voller Vorfreude wurde er erwartet. Nun ist der Prototyp des Systems „BatterySort“ in die Sortieranlage der Firma eingebaut worden. Ein echter „Gamechanger“, denn die neue Technologie hat das Zeug dazu, die Arbeits- und Sortierweisen der Recyclingbranche zu revolutionieren.
Entwickelt wurde das System mit der Firma „WeSort AI“. Die Firma Korn übernimmt dadurch eine Vorreiterrolle auf ihrem Fachgebiet.
Akkus werden identifiziert und sofort aussorttiert
Denn die jetzt implementierte Technologie nutzt laut Geschäftsführer Alexander Korn Röntgentechnik und künstliche Intelligenz (KI) parallel. Damit werden in Abfallströmen verborgene, falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus nicht nur identifiziert, sondern auch sofort aussortiert und gesondert gelagert.
Die Akkus lösen also keine Brände mehr aus, weil sie entdeckt werden, ehe sie Feuerschaden anrichten können. Die bisher eingesetzten Systeme – Wärmebildkameras, Flammenmelder, Infrarot-Streckenmelder und Rauchmelder – hatten Brände zwar erkannt, aber nicht aktiv verhindert.
Zusätzlich können in den Akkus enthaltene wertvolle Bestandteile, kostbare Erden oder Metalle, separiert und wiederverwendet werden: Es ist eine klassische „Win-Win-Situation“. Rund 8,5 Tonnen schwer ist das neue System, das Ende März in die bestehende Anlage integriert worden ist.
„Zwei Autokrane waren für den Einbau notwendig“, beschreibt Alexander Korn die spannende Zeit des Umbaus. Aufgrund der integrierten Röntgentechnik ist das System mit einem Bleimantel versehen. Der bringt – das liegt auf der Hand – immens Gewicht mit sich.
45 Fachkräfte waren im Dauereinsatz
Neun Tage lang wurde die Anlage der Firma Korn massiv verändert: 45 Fachkräfte waren im Dauereinsatz. Rund um die Uhr, auch am Wochenende. Förderbänder, Stahlkonstruktionen, Elektrik und Rohleitungsbau mussten zurückgebaut und angepasst werden.
Eine besondere Herausforderung: der begrenzte Platz in der bestehenden Anlage. Doch dank präziser Planung und der Expertise des Anlagenbauers „Europress“, mit dem die Ebinger Firma eng zusammenarbeitete, ging die Installation ohne Probleme vonstatten. Insgesamt wurden stattliche sieben Sattelzüge voll Material angeliefert – ein Mammutprojekt.
Die Kosten für das neue System belaufen sich laut Korn auf 800 000 Euro. Dazu kommen 500 000 Euro für die Integration ins System. „BatterySort“ läuft künftig im Drei-Schicht-Betrieb und durchleuchtet pro Stunde satte 25 Tonnen Material.
Lithium-Ionen-Akkus, die bei Korn regelmäßig für Alarme gesorgt haben, werden zwischenzeitlich immer häufiger verbaut und in die verschiedensten Produkte integriert – etwa in Schlagbohrern, Haarschneidegeräten, leuchtenden Kinderschuhen und Spielzeug sowie Glückwunschkarten.
„Dieses Problem hat für unsere Branche dramatisch zugenommen“, das steht für die Fachleute von Korn Recycling fest. Alexander Korn denkt oft an den Großbrand am 1. November 2009 zurück – Grund für seinen Einsatz für mehr Sicherheit in der Sortieranlage. „Unsere Brandmeldeanlage hat bislang täglich zwei- bis dreimal mit Alarm angeschlagen“, betont er. Nun ist er erleichtert: „Das wird sich nun ändern.“