Joachim Limberger (links) von der gleichnamigen Rehaklinik und Markus Piro vom Orthopädie und Vitalzentrum Piro haben sich in einem Projekt zusammengeschlossen, um eine abgestimmte Versorgungskette für Amputationspatienten anzubieten. Foto: Strohmeier

Eine ganzheitliche Versorgungskette für Ambutationspatienten haben sich Joachim Limberger von der gleichnamigen Bad Dürrheimer Klinik und Prothesen-Spezialist Markus Piro zum Ziel gesetzt.

Bad Dürrheim - Es ist nicht ganz so einfach mit einer herkömmlichen Prothese am Bein zu laufen. Damit Menschen, die aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit eine Prothese tragen müssen, wieder am Leben teilhaben können, haben Joachim Limberger von der gleichnamigen Klinik in Bad Dürrheim und Markus Piro vom Orthopädie und Vital Zentrum Piro in Villingen-Schwenningen eine Kooperation in Sachen Rehabilitation geschlossen.

Rund 10 000 Amputationen werden jährlich in Deutschland vorgenommen, erklärt Markus Piro, 95 Prozente davon sind Beine, die restlichen fünf Prozent Arme – nicht eingerechnet sind Finger oder Zehen. Vor 20 Jahren sei die Zahl doppelt so hoch gewesen.

Mentor begleitet

Nach dem Kenntnisstand von Limberger und Piro ist es deutschlandweit die erste Kooperation dieser Art, denn neben ihrer Zusammenarbeit gibt es noch einen Mentor, der die Amputationspatienten betreut.

Die Grundidee ist eine einfache: Aufgrund der monatelangen Wartezeiten für eine Reha ging Markus Piro auf Joachim Limberger zu. Es wurde das Konzept der Prothesen-Experten erarbeitet. Er suchte sich die Klinik aus, da sie Orthopädie als Schwerpunktindikation hat. Eine Ergänzung dazu ist die neue Indikation der Psychosomatik. Limberger ergänzt: Es benötige nicht viel Fantasie, um sich darüber im Klaren zu sein, dass diese Patienten auch mentale Unterstützung benötigen. Die Patienten sollen mehr Lebensqualität zurück bekommen.

Physios wichtig

Somit bauten sie eine abgestimmte Versorgungskette auf. Notwendig waren da verschiedene Komponenten. Die Physiotherapeuten bei der Klinik Limberger mussten sich zertifizieren lassen, damit sie beispielsweise mit den Beinprothesen arbeiten können. Denn die hohe Ausführung arbeitet mit Microsensoren, die auch über eine App gesteuert werden können. Und vor allem mussten sie auch das richtige Wissen aufbauen. Denn wenn ein Patient in seiner Reha nicht richtig gefordert wird gehe er mit wenig Erfolg nach Hause. "Es ist wichtig, dass die Physios und die Prothesenbauer miteinander kommunizieren", erklärt Piro.

Es gibt bei der Firma Piro mehrere Kundengruppen, erklärt der Inhaber. Das seien die regionalen Patienten, die zur Erstversorgung kommen und es kommen solche, die von weiter her kommen würden. Es gibt dann auch die Patientengruppe, die eine vorhandene Prothese haben oder auch die, die eine neue benötigen. Eine Prothese ist auf drei Millionen Schritte ausgelegt und hält somit drei bis fünf Jahre. Die elektronische Prothese etwas länger, wobei hier diese Bauteile jährlich zum Tüv müssen.

Für die Patienten gibt es einen Ersttermin, der kostet etwas, außer das Duo Limberger-Piro übernimmt die weitere Betreuung. Wenn der Patient sich dagegen entscheidet steht er aber nicht mit leeren Händen da, er bekommt umfangreiche Daten zu seiner Amputation und seiner Prothese, damit er – sollte er beispielsweise weiter weg wohnen – zu einem Prothesenbauer in Wohnortnähe gehen kann. Für die anderen geht es weiter in einer optimierten Prothesenversorgung, wie Piro ausführt. Es gibt noch zwei weitere Termine. Der Mentor hilft einem Patienten unter anderem bei den Anträgen und klärt darüber auf, was ihm von der gesetzlichen Krankenkasse her alles zusteht.

Es ist somit ein großer Aufwand, an dem sich auch die Klinik Limberger beteiligt. Joachim Limberger ist zuversichtlich, dass viele der Patienten auch in Bad Dürrheim in die Reha kommen, denn ganz so viele Kliniken, die sich auf diesen Bereich spezialisiert hätten, gibt es in Deutschland nicht.

Termin steht schon

Um die Idee des ganzheitlichen Konzepts bei Betroffenen bekannt zu machen, hat man für Anfang Oktober mehrere Leiter von Selbsthilfegruppen nach Bad Dürrheim eingeladen, um das Konzept vorzustellen. Auch wird es einen ersten Beratungstag im Oktober geben.